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Thema / Archiv | Beitrag vom 02.05.2012

Tanz die Energiesparlampe!

Wie Clubmobs das Ausgehen klimaneutraler gestalten wollen

Von Aglaia Dane

Tanzen mit gutem Gewissen - dafür kämpt der Clubmob. (picture alliance / dpa / Florian Schuh)
Tanzen mit gutem Gewissen - dafür kämpt der Clubmob. (picture alliance / dpa / Florian Schuh)

Die rund 5.500 Clubs, die es in ganz Deutschland gibt, verbrauchen zusammen ungefähr so viel Energie wie 200.000 Haushalte. Kühlschränke, Beleuchtung, Musikanlage - das alles braucht eine Menge Strom. Das geht auch klimafreundlicher, sagt eine Umweltinitiative aus Berlin. Sie wollen Clubbetreiber dazu bringen, mehr für Energieeffizienz zu tun. Ihr Mittel ist der Mob, genauer gesagt der Clubmob.

Es ist kurz vor Mitternacht im Kulturzentrum MIKZ in Berlin-Friedrichshain. Noch relativ früh für eine Technoparty. Roman Dashuber sitzt in einem Nebenraum, eine Flasche Club Mate in der Hand, und beobachtet den Eingang. Der 31-Jährige ist einer der Organisatoren des Clubmobs.

"Das kommt ideengeschichtlich ja so ein bisschen vom Flashmob. Und im Grunde ist die Idee, dass man mit ganz vielen Leuten den Club stürmt, alles leer säuft und dann tadaaa, bleiben 2.000 Euro übrig, mit denen man dann Klimaschutz machen kann."

Es klingt ein wenig rebellisch. Aber eigentlich handelt es sich um einen Deal.

"Wir, die Initiative Club-Mob, bringen an einem gewissen Abend ganz viele Leute in deinen Laden. Wir machen massiv Werbung dafür. Du musst dich aber verpflichten, dass du einen gewissen Prozentsatz deines Programms re-investierst in Klimaschutzmaßnahmen."

Das Konzept ist nicht ganz neu. Ähnliche Aktionen gibt es seit einigen Jahren in Geschäften, sogenannte "Carrot Mobs". Angelehnt an das Bild eines Bauern, der seinen Esel nicht mit einem Stock antreibt, sondern indem er ihm eine Karotte als Belohnung vor die Nase hält. Nach den Einzelhändlern sollen nun die Clubbetreiber anbeißen.

In Berlin gab es den ersten Clubmob vor knapp vier Monaten, im Kreuzberger SO36. Der Laden war voll, obwohl es ein Montag war, fast 2.000 Euro kamen für die Umwelt zusammen – für die Clubmobber ein Erfolg. Doch sie wollen sich steigern.

"Meine Hoffnung wäre, dass wir noch mehr Gewinn machen als beim SO36, also etwas mehr als 2000. Und damit kann man schon ganz ordentlich etwas anschieben."

Allerdings: Die wenigsten Clubbetreiber wissen, in was sie investieren müssten, um Energie zu sparen. Für diese Fragen ist Matthias Krümmel da, er arbeitet beim BUND für Umwelt und Naturschutz und als Energieberater.

"Also ich mache seit ein paar Jahren für Geringverdiener-Haushalte in Berlin Energieberatung. Und das ist nicht ganz ohne Bezug zur Clubszene, weil die Clubszene eben auch wenig Geld zur Verfügung hat, sehen muss, wo sie mit ihren Mitteln bleiben."

Vor dem Clubmob macht er mit den Betreibern eine Begehung. Sein ein erster Blick gilt den Kühlschränken.

"Die werden dann oft von Brauereien reingestellt und da wird dann gar nicht danach gefragt, wer den Strom bezahlt, den die kosten. Und die Dinger, die dort verwendet werden, die sind alles andere als energieeffizient."

Im MIKZ machen die Kühlschränke die Hälfte der Stromkosten aus – auch weil sie zu Zeiten laufen, in denen sie nicht benötigt werden. Energieberater Krümmel nimmt einen Schluck aus seiner Bierflasche und zeigt auf rot leuchtende Strahler, die von der Decke hängen.

"Dann sehen wir hier Halogenlampen, die würde ich auf jeden Fall durch LEDs ersetzen. Weil diese Glühlampentechnik, auch wenn es mit Halogen passiert, bis zu 80 Prozent effektiver eingesetzt werden könnte."

Es ist sind meist Kleinigkeiten, auf die Krümmel die Clubbetreiber hinweist. Große Maßnahmen – wie eine neue Heizungsanlage oder eine ordentliche Dämmung – wären für viele Clubs auch sinnvoll. Aber dafür reicht das Geld nicht, das bei einem Clubmob zusammenkommt. Doch selbst mit wenig Aufwand können die Clubbetreiber ihre Stromkosten deutlich senken, sagt Krümmel.

Dieses Argument hat auch Tobias Grause, den Betreiber vom MIKZ, überzeugt. In etwa 10.000 Euro gibt er pro Jahr für Strom aus. Das größere Problem sind allerdings die Heizkosten.

"Und wenn man mal überlegt, das war mal eine Fabrikhalle, die in keinster Weise isoliert war. Die haben wir selber ausgebaut. Das spielt schon eine Rolle, sag' ich mal - Man muss nicht besonders viel Energie verschwenden, damit die Leute einen schönen Abend haben."

Diese Erkenntnis setzt sich langsam durch in der Clubszene – dazu tragen nicht nur die ehrenamtlichen Mobber bei. Roman Dashuber arbeitet bei einer Denkfabrik und betreut mehrere Klimaschutzprojekte – dazu gehört auch der Green Club Index. Sechs Clubs in Nordrhein-Westfalen haben ein Jahr lang daran teilgenommen und ihren Energieverbrauch deutlich senken können.

"Es ist halt so Pionierarbeit, den kulturellen Sektor mitzudenken als einen Sektor, der auch Klimaschutz mitmachen sollte. Das ist eine ganz, ganz neue Idee."

Nun wird das Projekt auf das Rhein-Main-Gebiet ausgeweitet. Gespräche gibt es auch schon mit Clubs in Baden-Württemberg, München und Hamburg.

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