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Interview / Archiv | Beitrag vom 19.11.2015

Tagung über MännerbilderEin "überzogenes Männerbild" steht oft für Unsicherheit

Ludger Fittkau im Gespräch mit Nicole Dittmer und Frank Meyer

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Ein nackter Mann posiert - als Teil einer Ausstellung Leopold-Museum in Wien. (picture alliance / dpa / Roland Schlager)
Ein echter Mann: Stark und verletzlich (picture alliance / dpa / Roland Schlager)

Das Männerbild wandelt sich stetig: Momentan lässt sich wieder eine Sehnsucht nach dem traditionellen Rollenbild beobachten. Auf der Suche nach den Gründen dafür hat sich unser Korrespondent Ludger Fittkau am Männertag auf einer Fachtagung umgeschaut.

Erst war der Mann ein echter Haudrauf, dann kam die Emanzipation der Frauen und eine Gegenbewegung, die darin gipfelte, dass Männer sich lieber als Softies denn als Machos verstanden wissen wollten. Zuletzt nahmen Männer dann alle möglichen Rollen an: sorgender Vater, liebenswerter Partner, Ernährer, Zuhörer, Liebhaber, einfach ein toller Typ.

Damit waren vile überfordert. Nun, meinen Beobachter, sei wieder eine Rückkehr traditioneller Männerbilder zu beobachten – mit Aggressivität und Fundamentalismus, Bildungslosigkeit und Streben nach "Freiheit".

Bei der Kritik am "neuen Mann" geht es um Macht

Dementsprechend lautete die dazugehörige Fachtagung,  die unser Korrespondent Ludger Fittkau in Frankfurt/Main besucht hat: "Verwundbare Männer?! Über Sehnsüchte, Bilder und Realitäten von Männlichkeiten."

Hier besuchte Fittkau eine Veranstaltung über den "verwundbaren, starken Mann" - aus historischer und psychologischer Sicht. 

"Da gibt es sehr unterschiedliche Zugänge", berichtete Fittkau, "je nachdem, ob man historisch guckt oder ob man als Psychoanalytiker draufschaut. Der Historiker sagte, wir müssen aufpassen, wenn wir jetzt wieder von den schwachen, verwundbaren Männern sprechen. Immer wenn man das macht in der Geschichte, sind es meistens die alten Männertypen (...), die wieder neue Macht gewinnen wollen über den neuen Mann (...), der nicht gleich zur Waffe greift."

Die Rede von der "Krise des Mannes" habe es demnach in der Geschichte schon öfter gegeben. Bei diesen Debatten gehe es meistens um Macht.

Prägend für Jungen ist das Männerbild der Mutter

Historiker haben sich mit dem Männerbild beschäftigt, aber natürlich auch Psychoanalytiker. Der Ursprung männlichen Verhaltens sei dabei klar: Prägend sei vor allem das Männerbild der Mutter. erläuterte Fittkau. Und hinter einem "überzogenen Männerbild" stecke zudem oft Unsicherheit.

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