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Fazit / Archiv | Beitrag vom 21.12.2011

Täuschungen und Machtkämpfe

Filme der Woche - George Clooneys Film "The Ides of March - Tage des Verrats"

Von Anke Leweke

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Hinter der Kamera gilt Clooney ein bisschen als Garant für das linke Gewissen Hollywoods.  (AP)
Hinter der Kamera gilt Clooney ein bisschen als Garant für das linke Gewissen Hollywoods. (AP)

Der Thriller "The Ides of March" handelt von einer amerikanischen Präsidentschaftswahl mit einem Netz aus Intrigen hinter den Kulissen. Zweimal ist der Film für den Grammy nominiert: Clooney spielt einen Präsidentschaftskandidaten und hat auch Regie geführt.

Unter eigener Regie spielt Clooney in "The Ides of March" einen angehenden Präsidentschaftskandidaten der Demokraten. Seine Kampagne wird vom jungen PR-Manager Stephen - Ryan Gosling - geführt.

Aus dessen Perspektive erleben wir die strategischen Kniffe und Ränkespiele, die Täuschungen und Machtkämpfe hinter den pathetischen Reden des Kandidaten. Zunächst glaubt Stephen nur Zeuge der Intrigen zu sein, bis er selbst zum Opfer der Scharmützel wird - und beschließt, sich zu rächen. Clooneys Film zeigt das Kandidatenrennen als einen Kampf, in dem es wirklich zuallerletzt um Werte oder Inhalte geht. Ganz beiläufig gelingt es ihm, mit seinem Thriller auch die große Politik ins Visier zu nehmen.

Die Sexaffären, Intrigen und Erpressungsmanöver seiner Figuren mögen privat sein, weisen aber dennoch über den Film hinaus. Zudem bietet "The Ides of March" klassisches Schauspielerkino: Clooney spielt den Kandidaten mit einer Mischung aus Ehrgeiz, rhetorischer Routine und automatenhaftem Politikercharme. Über den Hintergrund seiner Figur, ihren Charakter, ihre Psychologie erfährt man so gut wie nichts, was die Glätte und Austauschbarkeit des Kandidaten noch betont.

Auch als großer George Clooney Fan würde man diesem Mann niemals seine Stimme geben. Philipp Seymour Hoffman gibt einen ausgefuchsten PR-Berater, der sich in allen Abgründen des Wahlkamps auskennt, und seine Umgebung mit Schimpfwörtern überzieht. Die wunderbare Marisa Tomei wiederum lehrt in einer Nebenrolle als durchtriebene Politreporterin das Fürchten.

Und dann ist da noch der Shooting-Star der Saison: Ryan Gosling. Er lernt schnell, dass man sich bei diesen Machtkämpfen nicht in die Karten schauen lassen darf. Immer mehr versteinert sein Gesicht und dennoch lässt er den Zuschauer an seinen moralischen Konflikten, an seinen seelischen Nöten teilhaben.

Zur Filmhomepage The Ides of March - Tage des Verrats

Links bei dradio.de:

Hinter den Kulissen der amerikanischen Präsidentschaftswahl <br> George Clooneys Film "The Ides of March - Tage des Verrats" im Kino (DLF)

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