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Lesart | Beitrag vom 06.02.2019

T. C. Boyle über Donald Trump "Das tue ich mir künstlerisch nicht an"

Moderation: Joachim Scholl

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T.C. Boyle in der Lesart im Deutschlandfunk Kultur, live im Studio. (DLF Kultur / Malte E. Kollenberg)
T. C. Boyle war eine Stunde live zu Gast in der Sendung "Lesart" im Deutschlandfunk Kultur. (DLF Kultur / Malte E. Kollenberg)

Der US-Autor T. C. Boyle will sich US-Präsident Donald Trump literarisch nicht widmen. Stattdessen bekämpfe er ihn über Twitter, sagte der Schriftsteller im Studio von Deutschlandfunk Kultur. In seinem neuen Roman „Licht“ schreibt er lieber über den LSD-Guru Timothy Leary.

Der US-Schriftsteller T. C. Boyle hat gerade seinen 70. Geburtstag gefeiert, im Durchschnitt veröffentlicht er alle zwei Jahre einen Roman. In seinem neuen Buch "Das Licht" nähert er sich literarisch dem LSD-Guru Timothy Leary. Da T. C. Boyle in Deutschland eine so große Fangemeinde hat, erscheint das Werk sogar zuerst auf Deutsch. Heute kam der Kult-Autor zu Deutschlandfunk Kultur ins Studio - und widmete sich ausführlich zahlreichen Fragen von Hörern.

Zu Gegenwartsfragen nehme er vor allem in seinem Kurzgeschichten Stellung, sagte  T. C. Boyle im Deutschlandfunk Kultur. Sie seien leider bislang nicht auf Deutsch übersetzt. "Aber ein Buch wie 'America', das ist heute relevanter als vor 25 Jahren", sagte der Schriftsteller über seinen Roman aus dem Jahr 1995, in dem er sich mit den amerikanischen Werten und Ängsten auseinandersetzt. 

Coup rechtsgerichteter Politiker

Nachdem die rechtsgerichteten Politiker einen Coup gelandet hätten und die USA übernommen hätten, wolle er nicht über den US-Präsidenten Donald Trump schreiben. "Das tue ich mir künstlerisch nicht an", sagte Boyle. "Ich tue genug gegen Trump, in dem ich gegen ihn täglich twittere, in dem ich Stellung beziehe, aber ein Buch schreiben werde ich nicht."

Der Autor sagte, es gebe eine neue Spaltung in den USA. "Viele Intellektuelle schreiben über die Arbeiterklasse ohne irgendetwas über  Arbeiter zu wissen – bei mir ist das anders, ich stamme aus der Arbeiterklasse." Er sei der erste in seiner Familie, der sich durch Bildung habe weiter entwickeln können. Das verdanke er den öffentlichen Schulen in den USA.  "Ich liebe Arbeiter, auch wenn sie sehr rechts gerichtet sind." Er könne den Rest seines Lebens damit verbringen, mit ihnen zu diskutieren. "Ich würde leider ihre Meinung nicht ändern."

Interesse an Timothy Leary 

Zu seinem neuen Buch "Licht" sagte Boyle,. Die Hauptfigur seines Buches Timothy Leary sei ihm als jungen Menschen zunächst nicht wichtig  erschienen und viel älter gewesen. "Damals wussten wir nicht wirklich, wer Timothy Leary war", erinnerte sich T. C. Boyle an den legendären Psychologie-Professor. "Damals war er eher so ein Clown für uns." Er habe in seinen weißen Anzügen dekadent gewirkt und wie ein Angeber.

In "Licht" sei es ihm darum gegangen zu zeigen, herauszufinden, wer Leary gewesen sei, bevor er zu diesem Guru wurde. Schließlich sei er Anfang der 1960er in Harvard ein anerkannter Psychologie-Professor gewesen.  Persönlich getroffen habe er Leary nie.

(gem)


Hören Sie hier das "Studio 9" mit T. C. Boyle über illegale Einwanderung, die Mauer an der Grenze zu Mexiko und US-Präsident Trump: 
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