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Thema / Archiv | Beitrag vom 02.06.2014

Syrien"Allen ist bewusst, die Wahl ist eine Farce"

NGO-Mitarbeiterin kritisiert Manipulationen bei der Präsidentschaftswahl

Nicht zu übersehen: Wahlwerbung für Baschar al-Assad. (picture alliance / dpa / EPA / Youssef Badawi)
Nicht zu übersehen: Wahlwerbung für Baschar al-Assad. (picture alliance / dpa / EPA / Youssef Badawi)

Bei den Auslandswahlen zur syrischen Präsidentschaft im Libanon sollen massive Fälschungen stattfinden. NGO-Mitarbeiterin Christin Lüttichs berichtet von illegalen Wahlzentren und Drohungen gegen die wahlberechtigten Flüchtlinge.

Nach Ansicht Christin Lüttichs, deutsche Mitarbeiterin der syrischen Nichtregierungsorganisation "Bidayyat" in Beirut, finden bei den Auslandswahlen zur syrischen Präsidentschaft im Libanon massive Manipulationen statt. Zurzeit leben dort mehr als eine Million syrische Flüchtlinge. 

Im Deutschlandradio Kultur berichtete sie am Montag von illegalen Wahlzentren, die im Libanon eröffnet worden seien. Eigentlich hätten die Flüchtlinge nur in der syrischen Botschaft in Beirut wählen dürfen.

Sie habe aber gehört, dass sehr viele junge syrische Arbeiter "in ihren Unterkünften aufgesucht wurden und gezwungen wurden von Pro-Regime-Parteien, die hier im Libanon für das Assad-Regime den langen Arm spielen, ihre Stimmen abzugeben".

"Die Wahl wird natürlich mit Baschar al-Assad als Gewinner enden"

Außerdem würden viele Gerüchte gestreut, um die syrischen Flüchtlinge an die Wahlurnen zu bringen:

"Es wurde gesagt, wer nicht wählen geht, wird auf einer Liste stehen und die Familienmitglieder, die noch in Syrien sind, werden bestraft." 

Ferner drohe man ihnen damit, ihre Pässe einzuziehen, falls sie nicht zur Wahl gingen.

So versuche das Regime mit einem Klima der Angst, die Wahlbeteiligung "künstlich nach oben zu drücken", um der Wahl den Anschein von Legitimität zu geben, sagte Lüttich. Jedem Syrer, ob im Land oder außerhalb, sei jedoch bewusst, "dass diese Präsidentenwahl eine Farce ist".

So gebe es zum Beispiel keinen ernstzunehmenden Gegenkandidaten zu Assad und kein Kandidat repräsentiere die oppositionellen Strömungen. Und das Ergebnis steht Lüttich zufolge bereits fest:

"Die Wahl wird natürlich mit dem 'überraschenden' Kandidaten Baschar al-Assad als Gewinner enden. Das ist ganz klar."

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31.05.2014 | RADIOFEUILLETON - IM GESPRÄCH
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