Seit 05:00 Uhr Nachrichten
Mittwoch, 04.08.2021
 
Seit 05:00 Uhr Nachrichten

Kulturnachrichten

Samstag, 15. Mai 2021

Synagoge zum Gedenken an Opfer von Babi Jar

Am Ort des von NS-Tätern im Zweiten Weltkrieg verübten Massakers von Babi Jar in der Ukraine ist eine Synagoge eingeweiht worden. Das Gotteshaus aus Holz hat die Form eines Buches, der Innenraum ist mit Gebetstexten ausgeschmückt. "Die symbolische Synagoge ist ein großer Schritt hin zum Gedenken an all jene, die an diesem Ort gestorben sind", sagte der ukrainische Ministerpräsident Denis Schmigal bei der Einweihung. Das Massaker in der Schlucht von Babi Jar nahe Kiew gehört zu den schlimmsten Einzelverbrechen, die nationalsozialistische Täter während des Zweiten Weltkriegs verübten. Am 29. und 30. September 1941 ermordeten SS-Kommandos zusammen mit ukrainischen Kollaborateuren mehr als 33.000 jüdische Kinder, Frauen und Männer. Die jetzt eröffnete Synagoge wurde vom Babyn Yar-Erinnerungszentrum errichtet. "Babyn Yar" ist ein anderer Name für die Schlucht. Das Zentrum erklärte, die Gestaltung des Gotteshauses lehne sich an die traditionellen Innenräume alter Synagogen in der West-Ukraine an, die während des Holocausts zerstört wurden.

Gregos leitet Museum in Athen

Die Kunsthistorikerin Katerina Gregos wird erste Direktorin des Nationalen Museums für Zeitgenössische Kunst, EMST, in Athen. Das gab die griechische Kulturministerin Lina Mendoni in der griechischen Hauptstadt bekannt. Das Museum, neben dem Nationalen Museum für Zeitgenössische Kunst in Thessaloniki einziges Museum für moderne Kunst in Griechenland, war vor zwanzig Jahren in einer historischen Brauerei im Zentrum Athens gegründet worden, nachdem Kulturaktivisten deren Abriss verhindert hatten. Die Wirtschaftskrise in Griechenland verhinderte die Öffnung. 2017 war das EMST Hauptausstellungsort der Documenta 14 von Adam Szymczyk. 2012 verantwortete Katerina Gregos im belgischen Mechelen die Ausstellung "The State of Newtopia" zum Jahrestag der Erklärung der Allgemeinen Menschenrechte. 2014 folgte im Brüsseler Museum Bozar die Ausstellung "No Country for Young Men", die sich mit der Wirtschaftskrise in ihrer Heimat beschäftigte. Gregos, die bislang in Brüssel wohnt, wird ihr Amt am 1. Juli antreten.

Schauspielerin Hüller: Theater-Strukturen hinterfragen

Die Schauspielerin Sandra Hüller findet es richtig, dass Theater ihre internen Strukturen auf den Prüfstand stellen. Vor dem Hintergrund der Diskussionen um Machtmissbrauch an mehreren deutschen Bühnen sagte Hüller im Deutschlandfunk Kultur, sie selbst habe bisher das Glück gehabt, an Häusern zu arbeiten, an denen "das Arbeitsklima in Ordnung war und ist". Das sei aber nicht überall so. Sie glaube, absolut alle Strukturen im Theater seien es wert, hinterfragt zu werden, so Hüller: "Ich glaube, je länger man an einem Haus ist, desto mehr schleifen sich Ungenauigkeiten miteinander ein. Und da braucht's eine große Wachheit." Theater sollten sich dieser Suche verschreiben, empfahl die Schauspielerin: "Nur daraus kann eine Arbeit entstehen, die die Welt so abbildet, wie sie aktuell ist". Sie sei froh darüber, an vielen Schauspielhäusern jetzt Bewegung zu sehen, betonte Hüller, die 2020 den Theaterpreis Berlin erhielt. Die Auszeichnung wird ihr am Sonntag beim Berliner Theatertreffen nachträglich verliehen, die Veranstaltung wird live gestreamt.

Deutschland will Völkermord in Namibia anerkennen

Nach jahrelangen Verhandlungen hat sich Deutschland mit Namibia auf ein Abkommen zur Wiedergutmachung deutscher Kolonialverbrechen verständigt. Darin erklärt sich Deutschland bereit, den Vernichtungskrieg gegen die Herero und Nama aus heutiger Sicht als Völkermord anzuerkennen. Ein gemeinsam erarbeitetes Dokument wurde nach Informationen des Deutschlandfunks am Samstag in Berlin von den Verhandlungsführern beider Delegationen paraphiert. In etwa zwei Wochen soll die Vereinbarung in Namibia von den Außenministern beider Länder unterzeichnet werden. Vereinbart wurde, dass Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zu einem Festakt im namibischen Parlament reisen wird, um dort offiziell um Entschuldigung zu bitten. Außerdem soll es eine materielle Entschädigung in Form von finanzieller Unterstützung für soziale Projekte in den Siedlungsgebieten der betroffenen Volksgruppen geben. Zwischen 1904 und 1908 töteten deutsche Kolonialtruppen nach einem Aufstand der Herero und Nama mehrere Zehntausend Menschen. Den Begriff des Völkermords hatte die Bundesregierung bislang zurückgewiesen - auch mit Blick auf mögliche Entschädigungsansprüche.

Historikerin sieht starken gesellschaftlichen Wandel

Die deutsche Gesellschaft erlebt den tiefgreifendsten Wandel seit Jahrzehnten - dieser Ansicht ist die Vorsitzende des Verbandes der Historiker und Historikerinnen, Eva Schlotheuber. "Deutungshoheiten werden gegenwärtig neu ausgehandelt", sagte sie der Neuen Osnabrücker Zeitung. Dies sei in der Bundesrepublik das letzte Mal in größerem Maßstab 1968 geschehen. Das jüngste Klimaschutz-Urteil des Bundesverfassungsgerichts, das Generationengerechtigkeit zum Faktor erkläre, markiere eine grundsätzliche Veränderung, sagte Schlotheuber. Mit der Freiheit künftiger Generationen habe ein ganz neuer Faktor Entscheidungskraft bekommen. Die Parameter des Denkens seien anders justiert worden. "Das kann man gut und gerne historisch nennen", so die Geschichtswissenschaftlerin. Sie ergänzte, die gesellschaftliche Relevanz bisher prägender Akteure, wie etwa der Kirchen, sinke. Der Verlust ihrer Deutungsmacht sei in der Corona-Krise offensichtlich geworden: "Die Kirche spielte hier keine wesentliche Rolle, die Sehnsucht nach Erklärung wurde auf andere Akteure projiziert - ein Christian Drosten als Prophet, wenn man so will." Schlotheuber lehrt Mittelalterliche Geschichte an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.

"Freitagnacht Jews" bald im Fernsehen

Die erste jüdische Late Night Show in Deutschland soll ab dem 18. Juni im WDR- Fernsehen ausgestrahlt werden. "Freitagnacht Jews" war bislang freitags ab 17 Uhr im Youtube-Kanal des WDR sowie in der ARD-Mediathek zu sehen. Eine Ausnahme war die Premieren-Sendung im April, die von 23.30 Uhr bis Mitternacht im WDR-Fernsehen ausgestrahlt wurde. Dies soll auch künftig der Sendeplatz sein, wie das Medienmagazin turi2 und der Mediendienst DWDL.de berichteten. "Freitagnacht Jews" sei bei Kritikern gut angekommen. Die Diskussionssendung zu den Themen Antisemitismus sowie jüdisches Leben in Deutschland war am 23. April an den Start gegangen. Gastgeber ist der Schauspieler und Musiker Daniel Donskoy. "Freitagnacht Jews" ist ein Beitrag des WDR zum diesjährigen Festjahr "1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland".

Der Tänzer Raimund Hoghe ist gestorben

Der Choreograph, Tänzer, Filmemacher und Autor Raimund Hoghe ist im Alter von 72 Jahren gestorben. Er sei einer der "wichtigsten Protagonisten des zeitgenössischen Tanzes" gewesen, teilte das Tanzhaus NRW in Düsseldorf mit. Hoghe sei in den 1980er Jahren als Dramaturg für die renommierte Wuppertaler Choreographin Pina Bausch tätig gewesen. Hoghes Stücke befassten sich mit gesellschaftspolitischen Themen, wie dem Umgang mit Geflüchteten. Für seine Arbeiten hat er zahlreiche Auszeichnungen erhalten. Im vergangenen Jahr wurde er mit dem Deutschen Tanzpreis geehrt.

Japanische Architektin Sejima leitet Biennale-Jury

Die Japanerin Kazuyo Sejima wird 2021 die Preisjury bei der Architekturbiennale in Venedig leiten. Das gaben die Veranstalter in der Lagunenstadt bekannt. Die Präsentation der 17. Internationalen Architekturbiennale unter dem Motto "How will we live together?" (Wie wollen wir zusammenleben?) startet am 22. Mai für das Publikum. Zur Ausstellung, die bis 21. November läuft, soll trotz Corona-Beschränkungen auch Publikum Zutritt haben. Sejima wurde 2010 mit dem renommierten Pritzker-Preis ausgezeichnet und war im selben Jahr selbst Kuratorin der Architekturbiennale. Die Fachjury vergibt unter anderem den Goldenen Löwen für den besten nationalen Beitrag und den Goldenen Löwen für den besten Teilnehmer der internationalen Schau.

Picasso-Bild für 103,4 Millionen Dollar versteigert

Bei einer Auktion in New York hat ein Bild des spanischen Malers Pablo Picasso für 103,4 Millionen Dollar (85,4 Millionen Euro) den Eigentümer gewechselt. Das 1932 vollendete Werk "Sitzende Frau am Fenster (Marie-Thérèse)" ist damit das fünfte Picasso-Werk, das die Marke von 100 Millionen Dollar überschritten hat. Der bisherige Eigentümer hatte das Gemälde erst vor acht Jahren erworben. Damals hatte er dafür in London weniger als die Hälfte des nun erzielten Preises gezahlt.

Aquarell von Kandinsky wieder aufgetaucht

Nach über 70 Jahren ist das Kunstwerk "Gebogene Spitzen" des russischen Malers Wassily Kandinsky wieder aufgetaucht. Experten konnten die Arbeit mit einem Schätzpreis von rund 300 000 Euro zweifelsfrei zuordnen, teilte das Münchner Kunst-Auktionshaus Ketterer Kunst mit. Das Aquarell stamme aus dem Nachlass einer rheinländischen Privatsammlung und soll nun Mitte Juni in der bayerischen Landeshauptstadt versteigert werden. Das Aquarell soll bereits zu Lebzeiten Kandinskys (1866-1944) ausgestellt gewesen sein - etwa in Berlin, Paris oder Stockholm. 1932 endete die Ausstellungshistorie, wie das Auktionshaus mitteilte. Später soll Kandinsky das Werk einem Kunsthändler gegeben haben, der es nach aktuellem Kenntnisstand der Experten 1949 verkaufte. Anschließend verlor sich die Spur des Kunstwerks.

Kulturnachrichten hören

Juni 2021
MO DI MI DO FR SA SO
31 1 2 3 4 5 6
7 8 9 10 11 12 13
14 15 16 17 18 19 20
21 22 23 24 25 26 27
28 29 30 1 2 3 4

App: Dlf Audiothek

Die neue Dlf Audiothek App ist ab sofort in den Appstores von Apple und Google zum kostenlosen Download erhältlich (Deutschlandradio)

Entdecken Sie mit der Dlf Audiothek die Vielfalt unserer drei Programme, abonnieren Sie Ihre Lieblingssendungen, wählen Sie aus Themenkanälen und machen daraus Ihr eigenes Radioprogramm.


Jetzt kostenlos herunterladen

Fazit

Ein Jahr nach der ExplosionEs geht abwärts in Beirut
Ali Eyal: Don’t let the beautiful colors fool you, who would draw Goofy inside the rooms of grownups? (Ali Eyal / Mousonturm)

Vor einem Jahr ereignete sich die Explosion in Beirut. Der Libanon steckt schon länger in einer Krise. Nun zeigen libanesische Künstler bei einem Festival in Frankfurt ihre Sicht auf ihr Land - und berichten von katastrophalen Zuständen.Mehr

weitere Beiträge

Kompressor

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur