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Literatur | Beitrag vom 18.11.2018

Symposium für den Schriftsteller Michael Wildenhain Chronist des Berliner Häuserkampfes

Von Jörg Plath

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Michael Wildenhain: Zum Beispiel K (picture alliance / dpa / Jens Kalaene / Montage: DLF Kultur)
Wildenhain schreibt eine im Stakkato dem Augenblick hinterherhetzende, intensive Prosa, angereichert mit Zitaten von Expressionisten. (picture alliance / dpa / Jens Kalaene / Montage: DLF Kultur)

Auch junge Wilde werden älter. Der Schriftsteller Michael Wildenhain galt als "Chronist des Berliner Häuserkampfes“, in diesem Jahr wurde er 60. Das Berliner Literaturforum widmete ihm ein Symposium. Zu den Gästen zählte auch der Schriftsteller selbst.

Anfangs galt er als Chronist des Berliner Häuserkampfes, inzwischen hat sich Michael Wildenhain nach und nach anderen Themen zugewandt, den Vätern etwa, dem Terrorismus und dem Nationalsozialismus. 1983 erschien sein Debüt "zum beispiel k." über einen jungen Berliner Hausbesetzer auf der Suche nach Lebenssinn, Intensität und Gemeinschaft.

Mehr als 30 Werke

35 Jahre später hat Wildenhain mehr als 30 Werke vorgelegt. So genau weiß er es selbst nicht, denn nicht nur Romane, Erzählungen, Gedichte, Jugendromane und Theaterstücke, auch Kinderbücher sind darunter. Die Referenten der Tagung im Berliner Literaturforum im Brecht-Haus, die von dem in New York lehrenden Literaturwissenschaftler Thomas Wild kuratiert wurde, bezogen sich auf wenige Prosatexte Wildenhains, zuweilen unterbrochen von lauten Lachern des Urhebers, der Fragen an ihn gern beantwortete und manche biographische Episode beglaubigte.

Ein dichtender Hausbesetzer

Gabriele Dietze, Anfang der 1980er-Jahre Literaturlektorin im Rotbuch Verlag in der Potsdamer Straße, erinnert sich an die erste Begegnung mit dem Schriftsteller:

"Auftritt Wildenhain. Wahrscheinlich schlurft er, allerdings mit einem gewissen Federn im Gang. Signalement Jungfreak, hat eine Kladde unterm Arm, sagt, er sei Haubesetzer. Aha, denke ich, die Stadt vibriert, es sind schon fast 100 Häuser besetzt, auch Rotbuch hat eine Patenschaft für ein Haus in der Potsdamer Straße übernommen. Er hätte ein Buch geschrieben, sagt der Besucher."

(mw)

Das Manuskript zur Sendung als pdf-Datei und im txt-Format.

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