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Buchkritik | Beitrag vom 13.12.2019

Susan Kreller: "Elektrische Fische""Man zieht nicht in diese Gegend, man zieht hier weg"

Von Sylvia Schwab

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Das Buchcover zeigt einen rosa erleuchteten Himmel über einem ruhigen Gewässer, in dem kniehoch eine Frau steht, die melancholisch ins Weite blickt. (Cover: Carlsen Verlag / Collage: Deutschlandradio)
In "Elektrische Fische" erzählt Susan Kreller unpathetisch von großen Gefühlen. (Cover: Carlsen Verlag / Collage: Deutschlandradio)

Susan Kreller wurde bereits dreimal für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert. 2015 erhielt sie ihn für "Schneeriese". Ihr neuer Roman über die Suche nach Heimat ist wieder preisverdächtig.

Die etwa zwölfjährige Emma, ihre kleine Schwester Aoife, ihr attraktiver großer Bruder Dara und die vom Leben gebeutelte Mutter ziehen aus dem trubeligen Dublin zurück aufs Land, genauer nach Mecklenburg-Vorpommern.

Im halb verlassenen Dorf nahe der Ostsee leben die Eltern von Emmas Mutter, von hier aus ging sie vor zwanzig Jahren als Au-Pair-Mädchen nach Irland und nach diesem Dorf sehnte sie sich jahrelang. Inzwischen ist das Dorf aber zu einem tristen, heruntergekommenen Ort verkommen.

Das triste Leben auf dem Land

Es leiden vor allem die drei Frauen: Emma sehnt sich nach ihren geliebten irischen Großeltern. Die deutschen, in deren Haus die kleine Familie beengt mit wohnt, verhalten sich kühl und fast ablehnend. Außerdem vermisst die Teenagerin ihre Freundinnen und Freunde und die englische Sprache. Die kleine Aoife ist so verstört, dass sie zu sprechen aufhört. Die Mutter verfällt in eine Depression. Nur Dara scheint den Sprung ins neue Leben zu schaffen.

Mit Hilfe ihres Mitschülers Levin schmiedet Emma schließlich einen Fluchtplan, weg aus dem ungeliebten Land. Doch je länger sie planen, umso enger wird die Freundschaft, die sie bald verbindet. Denn auch Levins Leben - die Mutter ist schizophren - ist kompliziert und trostlos. Als es zu einer unvorhersehbaren Katastrophe kommt, ist Emma dann auch plötzlich klar, wo sie nun hingehört.

Wie kann Fremde zur Heimat werden?

Susanne Krellers "Elektrische Fische" erzählt unpathetisch von großen Gefühlen. Von Emmas Heimweh nach Irland etwa - das sich nicht an spektakulären Dingen festmacht, sondern am ganz normalen irischen Alltag -, von dem Gefühl nicht dazu zu gehören und von der Frage, was überhaupt Heimat ist? Diese Frage stellt sich indirekt immer wieder, und: wie kann Fremde zur Heimat werden?

Für Emma und ihre Schwester spielt die Sprache dabei eine wichtige Rolle. Englisch ist ihr Zuhause, darin fühlen sie sich geborgen. Auf den Sprachverlust reagiert die Kleine mit Schweigen, die Große mit Verwunderung und Wut.

Poetisch und stark erzählt

Auch dieser neue Jugendroman von Susan Kreller, die schon drei Mal für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert war und ihn 2015 auch gewann, ist unbedingt preisverdächtig. Nicht nur wegen seiner bewegenden Geschichte, sondern auch, weil er zart und zugleich stark erzählt ist. Leise poetisch im Emotionalen, präzise in der Schilderung seiner Figuren und bestürzend klar in Emmas Blick auf die Familienmisere.

Zugleich wirkt dieses Buch aber auch unglaublich tröstlich, denn hier empfindet und spricht ein sensibles Mädchen, das nicht nur wuchtige Sätze formuliert, sondern auch alle seine Sinne intensiv spürt. Düfte, Gerüche, Geräusche, Gefühle, Bilder - fast ein ganzes Jahr mit seinem Wechsel der Jahreszeiten und den familieninternen Veränderungen wird so spürbar.

Emma erlebt ihre neue Heimat förmlich. Und das alles ist gebettet in eine Sprache, die mal ruhig, mal bewegt, mal wuchtig daher kommt - mit wechselndem Klang und feinen und lebendigem Spiel der Farben.

Susan Kreller: "Elektrische Fische"
Carlsen Verlag, Hamburg 2019
192 Seiten, 15 Euro
ab 12 Jahren

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