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Tonart | Beitrag vom 05.08.2019

Superstars featuren SuperstarsEinfallsloser Einheitsbrei

Juliane Reil im Gespräch mit Vivian Perkovic

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Auf dem Bild sind die Künstler Ed Sheeran und Beyoncé zu sehen. (Getty Images North America / Kevork Djansezian)
Ed Sheeran und Beyoncé spielen zusammen auf einem Konzert zu Ehren von Stevie Wonder: Ihre Kollaboration heißt "Perfect Duet". (Getty Images North America / Kevork Djansezian)

Billie Eilish mit Justin Bieber, Beyoncé mit Pharell Williams und Ed Sheeran mit allen: Die Superstars der Musik featuren sich gegenseitig - und das inflationär. Heraus kommen langweilige und vorhersehbare Produktionen.

Früher ging es beim musikalischen Feature einmal um Starthilfe für eine junge Künstlerin oder einen jungen Künstler. Und nicht nur das: Man holte sich auch Inspiration bei ganz anderen Genres. "Walk This Way" von Run-DMC und Aerosmith ist so ein Beispiel, oder "Stan" von Eminem und Dido. Beide Songs gingen bei ihrem Erscheinen durch die Decke, beide Parteien profitierten von der ungewöhnlichen Zusammenarbeit. Und die Fans bekamen neue, ungewöhnliche Musik zu hören.

Heute featuren sich die großes Stars hauptsächlich gegenseitig – und das inflationär. Der künstlerische Wert ist dabei eher zweitrangig. Was im Streaming-Zeitalter vor allem zu zählen scheint, sind die Namen und die damit verbundene Marktwerte und hohen Klickzahlen.

Auf Biegen und Brechen alle miteinander kombinieren

Mit der Unterstützung für einen Nachwuchskünstler oder eine -künstlerin hat das Feature nicht mehr all zu viel zu tun, findet die Musikjournalistin Juliane Reil. Aber: "Der Gedanke, dass das Feature eine große Werbefläche ist, der ist geblieben." Bei Kollaborationen wie der aktuellen von Billie Eilish und Justin Bieber würden Werbeflächen multipliziert: "Die Fans von Eilish können Bieber entdecken und natürlich umgekehrt. Aus Sicht der Industrie ist das eine Win-Win-Situation. In künstlerischer Hinsicht ist das nicht besonders spannend." Bieber singt in Eilishs Song lediglich eine Strophe und einen Refrain. Der Song klingt dadurch nur unwesentlich anders als das Original.

Das Problem sei die schiere Zahl der Features, glaubt Reil: "Angesichts der Flut von Features – gerade in den letzten Wochen – bekommt man den Eindruck, dass die Musiklabel und -konzerne die Stars auf Biegen und Brechen miteinander kombinieren. Ohne, dass man sich wirklich überlegt: Wer könnte mit wem eine interessante, vielleicht sogar eine überraschend gute Mischung abgeben."

Ganze Alben funktionieren nach dem Prinzip Feature: "Beyoncé hat das auf ihrem aktuellen Album getan. Und auch der ewige Langweiler Ed Sheeran hat sich das auf seinem neuen Album geleistet. Sage und schreibe 22 verschiedene Künstlerinnen und Künstler aus ganz verschiedenen Genres hat er sich auf dieses Album geladen. Das klingt sehr gewollt."

Selbst Beyoncé wirkt blass

Man könne sich regelrecht fragen, ob Sheeran jemals eine eigene musikalische Handschrift hatte, kritisiert Reil. Und falls es einen individuellen Stil gebe, gehe er bei dieser Form von Zusammenarbeit verloren. Selbst eine Künstlerin wie Beyoncé wirkt da blass: "Abgesehen von ihrer Stimme hat die Musik auf ihrem aktuellen Album einfach keinen Wiedererkennungswert."

Features seien immer schon Marketing gewesen, glaubt Reil. Aber wie im Fall der Rapper von Run-DMC mit den weißen Rockern von Aerosmith, könne eine Zusammenarbeit darüber hinaus einen echten politischen und künstlerischen Mehrwert haben.

(aba)

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