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Studio 9 | Beitrag vom 22.03.2018

Südafrikanische AktivistinNonhle Mbuthuma kämpft gegen Titan-Riesen

Von Leonie March

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Pondoland-Aktivistin Nonhle Mbuthuma steht mit wehendem Schal vor einem Holzzaun (Leonie March/Deutschlandradio)
Lässt sich nicht einschüchtern: Pondoland-Aktivistin Nonhle Mbuthuma. (Leonie March/Deutschlandradio)

Im südafrikanischen Pondoland wehren sich Bürger seit Jahren gegen Bergbaukonzerne. Die Unternehmen wollen Titan abbauen. Der Streit ist eskaliert, vor zwei Jahren wurde ein Aktivist vor seinem Haus erschossen. Nonhle Mbuthuma führt seinen Widerstand weiter - auch wenn es ihr eigenes Leben gefährdet.

Zügig, mit entschlossenen Schritten folgt Nonhle Mbuthuma einem Trampelpfad durch die sanfte Hügellandschaft. Die 39-Jährige ist unterwegs zu ihren Eltern, die hier in einer der traditionellen Rundhütten leben. Ziegen und Kühe grasen am Wegesrand. Frauen arbeiten auf ihren kleinen Maisfeldern. So wie eh und je.

Nonhle Mbuthuma: "Das Land ist unsere Lebensgrundlage. Es ernährt uns. Unsere Häuser sind aus dem Lehm der Erde gebaut. Aber es bedeutet noch viel mehr: Unsere Vorfahren liegen hier begraben. Unsere Kultur ist untrennbar mit dem Land verbunden. Es ist ein Teil unserer Identität. Wenn man uns also unser Land nimmt, dann verlieren wir nicht nur unsere Existenzgrundlage, sondern auch unsere Identität."

Pondoland mit titanhaltigen Dünen (Leonie March/Deutschlandradio)Die noch recht unberührte Natur von Pondoland wird von Bergbaukonzernen bedroht, die in den Hügeln Titan schürfen wollen. (Leonie March/Deutschlandradio)

Entwicklung muss nachhaltig sein

Nonhle Mbuthamas Vorfahren haben schon einmal um ihr Land gekämpft. In den 50er und 60er Jahren während der sogenannten Pondo-Revolte. Damals wollte die Apartheid-Regierung die Landbevölkerung in Dörfer nach westlichem Vorbild umsiedeln. Heute bedrohen Bergbau-Pläne das traditionelle, selbstbestimmte Leben der Pondo.

Nonhle Mbuthuma: "Wir leben jetzt zwar in einer Demokratie, aber im Grunde hat sich nichts geändert. Die Regierung schert sich noch immer nicht darum, was wir Bürger sagen, sondern verfolgt ausschließlich wirtschaftliche Interessen.

Wir betonen schon lange, dass wir den Bergbau nicht wollen. Denn der Titanabbau ist nur auf zwei Jahrzehnte angelegt, ebenso wie die Jobs, die er schafft. Wir sind nicht gegen Entwicklung, aber sie muss nachhaltig sein. Wir brauchen hier keine Großprojekte, die außerhalb unserer Kontrolle liegen."

Die sozialen und ökologischen Konsequenzen des Bergbaus wären verheerend, betont sie. Die noch unberührten Sanddünen an der Küste würden abgetragen, Wasser aus den Flüssen gepumpt. Es wäre das Ende der jahrhundertealten Kulturlandschaft und des Ökotourismus, der vielen Pondos ein kleines Einkommen sichert.

Auf der Todesliste

Doch nicht alle denken so wie Nonhle Mbuthama. Die ländliche Gemeinschaft ist tief gespalten. Die Befürworter und Gegner der Bergbaupläne stehen sich verfeindet gegenüber und schrecken auch vor Gewalt nicht zurück.

Trauriger Höhepunkt des Konflikts war der weiterhin ungeklärte Mord an Sikhosiphi "Bazooka" Rhadebe vor zwei Jahren. Er war der Vorsitzende des "Amadiba Crisis Committee", dem auch Nonhle Mbuthama angehört.

Es gebe eine Todesliste, auf der auch ihr Name stehe, sagt sie. Deshalb ist sie nur noch in Begleitung eines Bodyguards unterwegs. Ein kräftiger Mann, der ihr wie ein Schatten folgt.

Nonhle Mbuthuma: "Ich hasse dieses Leben, das ich momentan führen muss. Die Zeiten sind vorbei, in denen ich mich frei bewegen konnte und keine Angst vor meinen Nachbarn haben musste. Ich kann nicht einmal mehr allein meine Eltern besuchen. Aber ich fühle verpflichtet den Kampf weiterzuführen."

Nonhle Mbuthama und ihr Bodyguard an der Küste des Pondolands (Leonie March/Deutschlandradio)Frei bewegen kann sie sich nicht mehr - selbst wenn sie zum Strand geht, muss Nonhle Mbuthuma sich von einem Bodyguard begleiten lassen. (Leonie March/Deutschlandradio)

Für ihre Kinder vor Gericht

Nach dem Tod ihres Mitstreiters hat das Bergbauministerium die Genehmigungsverfahren für den Titanabbau erstmal auf Eis gelegt. Doch das Moratorium läuft bald aus.

Unterstützt von anderen zivilgesellschaftlichen Gruppen bereitet Nonhle Mbuthama gerade die nächste Phase des Kampfes vor: Sie haben die zuständigen Ministerien für Bergbau und ländliche Entwicklung verklagt. Dabei berufen sie sich auf ihre gesetzlich verankerten traditionellen Landrechte. Der Prozess beginnt in einem Monat vor dem Obersten Gerichtshof in Pretoria.

Nonhle Mbuthuma: "Wir werden alles daran setzen, um den Bergbau zu verhindern. Damit das Opfer unserer Vorväter während der Pondo-Revolte und der Tod von Bazooka nicht umsonst waren. Wir tun das nicht für uns selbst, sondern für unsere Kinder und Enkel. Unser Traum wäre, dass unsere Gegend zum Kultur- und Naturerbe erklärt wird. Denn in Südafrika sind Gemeinschaften, die so ursprünglich leben wie wir, mittlerweile sehr selten."

Nonhle Mbuthuma trifft in den traditionellen Rundhütten ihrer Eltern ein. Sie ist selbst Mutter eines kleinen Sohns und möchte, dass er einmal so aufwachsen kann wie sie selbst. In unberührter Natur und tief verwurzelt in seiner Kultur.

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