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Interview / Archiv | Beitrag vom 27.06.2017

Studie zur Reichweite "Twitter ist in den USA weiter verbreitet"

Jan-Hinrik Schmidt im Gespräch mit Ute Welty

Offizielle Twitter Seite von Donald J. Trump, @realDonaldTrump, Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika (imago/imagebroker)
Medienforscher Jan-Hinrik Schmidt betont die Unterschiede zwischen der Twitter-Nutzung in den USA und in Deutschland. Kein deutscher Politiker erreicht wie US-Präsident Trump über den Kurznachrichtendienst ein solches Millionenpublikum. (imago/imagebroker)

Selbst prominente Politiker oder Stars hätten in Deutschland über Twitter nicht die Möglichkeit, wie in den USA, Followerzahlen in Millionenhöhe zu erreichen, sagt der Medienforscher Jan-Hinrik Schmidt. Eine neue US-Studie sei deshalb nur begrenzt übertragbar.

Manche Posts mit politischem Inhalt gehen in sozialen Netzwerken viral, andere erzielen kaum Reichweite. US-Wissenschaftler sind jetzt in einer Studie der Frage nachgegangen, wie es dazu kommt. Sie haben dafür 560.000 Beiträge beim Kurznachrichtendienst Twitter analysiert. Nun schreiben die Forscher in ihrer Studie, dass Tweets mit  moralisch-emotionalen Wörtern wie "Pflicht", "Angst" oder "Gier" eher eine besonders hohe Reichweite erzielten. Pro Wort aus dieser Kategorie würden sie bis zu 20 Prozent häufiger geteilt als Tweets mit vergleichbarem Inhalt ohne emotional-moralische Begriffe,
berichten die Forscher in den «Proceedings» der US-nationalen Akademie der Wissenschaften (PNAS).

Nur wenige Deutsche aktiv

Für den Internet-Experten Jan-Hinrik Schmidt, wissenschaftlicher Referent für digitale interaktive Medien und politische Kommunikation am Hans-Bredow-Institut in Hamburg, sind diese Erkenntnisse nicht ganz überraschend, aber im Detail interessant. Er weist aber darauf hin, dass die Übertragbarkeit auf Deutschland an ihre Grenzen stoße, da Twitter in den USA einen ganzen Stellenwert habe als in der Bundesrepublik. "Die Stellung die Twitter in der politischen Kommunikation und generell in der öffentlichen Diskussion hat, ist in den USA anders als in Deutschland", sagte Schmidt im Deutschlandfunk Kultur. "Twitter ist in den USA weiter verbreitet." In Deutschland sei nur ein kleiner Teil der Nutzer bei Twitter aktiv.  "Es hat nicht die Reichweiter, wie es beispielsweise Facebook oder Whats-App hat." Selbst prominente Politiker oder Stars hätten über Twitter nicht die Möglichkeit, wie in den USA Followerzahlen in Millionenhöhe zu erreichen.

Viele Meinungsführer vertreten

Mit Blick auf den Bundestagswahlkampf könne er keiner Partei raten, ihren Etat vor allem in Twitter zu investieren, sagte Schmidt. Aber das tue auch niemand.  "Der Wert von Twitter hier in Deutschland liegt darin, dass dort eine ganz bestimmte Gruppe aktiv ist", sagte der Medienforscher. Es seien dort viele Meinungsführer vernetzt, seien es Journalisten Medienorganisationen, Wissenschaftler, Blogger und Netzaktivisten.  "Das sind alles Multiplikatoren." Wenn man es schaffe auf Twitter Themen zu platzieren, könne man darauf hoffen, dass  diese Themen aufgegriffen würden und Tweets auch mal viral gingen. Auf diese Weise könnten sich bestimmte Botschaften auch über Twitter hinaus verbreiten und wieder den Weg in die klassischen Medien fänden.

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