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Fazit | Beitrag vom 30.09.2020

Studie zu Berlinale-Gründer Alfred BauerTrotz NS-Vergangenheit unbehelligt

Tobias Hof im Gespräch mit Johannes Nichelmann

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Berlinale-Leiter Alfred Bauer stößt 1965 mit der Schauspielerin Gina Lollobrigida an. (dpa/ picture-alliance/ Konrad Giehr )
Von 1951 bis 1976 war er Leiter der Internationalen Filmfestspiele Berlin: Alfred Bauer 1965 beim Sekt mit Gina Lollobrigida. (dpa/ picture-alliance/ Konrad Giehr )

Alfred Bauer war der erste Leiter der Berlinale. Aber auch vor 1945 war er schon im Filmgeschäft. Jetzt wird klar: Seine Rolle im NS-Staat war wohl größer, als bisher bekannt. Und er unternahm offenbar einiges, um diesen Umstand vergessen zu machen.

Der Gründungsdirektor der Berlinale, Alfred Bauer, habe seine Rolle in der NS-Propaganda systematisch verschleiert, sagt Tobias Hof. Der Historiker hat im Auftrag der Berlinale am Münchner Institut für Zeitgeschichte eine Studie über die Vergangenheit Bauers erstellt.

Der erste Leiter der Internationalen Filmfestspiele Berlin sei sehr geschickt darin gewesen, sein Wirken während der Zeit des Nationalsozialismus nur als eine Art künstlerische Tätigkeit zu präsentieren, sagt Hof: "Er blies ins gleiche Horn wie viele andere Kulturschaffende, die immer strikt darauf bestanden: Kultur war getrennt von Politik, von Propaganda, von wirtschaftlichen Fragen."

Bauer blieb im Hintergrund

Außerdem verstand es Alfred Bauer, im Hintergrund zu bleiben, so Hof. Bei der Berichterstattung über die erste Berlinale im Jahr 1951 sei sein Name kaum erwähnt worden. Und man dürfe den Kontext des Kalten Krieges, gerade in der "Frontstadt West-Berlin" nicht vergessen: "Ich würde sagen, man hatte da auch andere Sorgen." Auch die guten Verbindungen Bauers zur britischen und amerikanischen Besatzungsmacht seien hilfreich gewesen.

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So habe es Alfred Bauer geschafft, bis zu seinem Tod 1986 unbehelligt zu bleiben, sagt Hof: "Er wurde mehr oder weniger nicht mit seiner Nazi-Vergangenheit konfrontiert." Zwar habe es vereinzelt Kritik gegeben, aber seiner Vergangenheit stellen, musste sich Bauer nie.

Ein neuer Preis muss her

Die Entscheidung der Berlinale, den nach Bauer benannten Preis nicht mehr zu vergeben sei richtig gewesen, betont Hof: "Ich denke, man sollte hier einen neuen Preis vergeben und den an bisherige Preisträger ausgeben."

Wichtig sei es jetzt, sich nicht nur mit Bauer als der Personifizierung eines bestimmten NS-Filmfunktionärs auseinandersetzen, sondern den Blick zu weiten: "Er war ja nicht der Einzige, der ab 1942 Karriere machte und die dann eigentlich mehr oder weniger ungehindert fortsetzen konnte."

(beb) 

 

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