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Kulturnachrichten

Montag, 30. November 2015

Studie: Wenig Internet-Regeln für Kinder

Ein Drittel der Eltern lässt Kindern bei Inhalten freie Hand

Rund die Hälfte der Eltern in Deutschland stellt ihren Kindern laut einer Studie keine Regeln zur Internet-Nutzung auf. In knapp jeder dritten Familie werde auch nicht festgelegt, welche Inhalte sie sich im Netz ansehen dürfen, ergab eine heute veröffentlichte Umfrage im Auftrag der Krankenkasse DAK-Gesundheit. Für sie befragte das Meinungsforschungsinstitut Forsa im Sommer 1000 Eltern in Deutschland. Demnach verbringt im Schnitt jedes Vierte Kind im Alter zwischen 12 und 17 Jahren an einem gewöhnlichen Wochentag rund eine Stunde im Internet, bei 29 Prozent sind es zwei Stunden. Am Wochenende sei jeder Fünfte sechs Stunden oder länger im Netz. Die populärsten Aktivitäten sind der Studie zufolge das Ansehen von Videos und Online-Spiele.

Marokkanische Feministin und Schriftstellerin gestorben

Fatima Mernissis Thema war die Rolle der Frauen im Islam

Die Schriftstellerin und "Grande Dame" der marokkanischen Demokratiebewegung, Fatima Mernissi, ist tot. Wie die französische Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf den Verlag Albin Michel mitteilte, starb die Autorin am Montag im Alter von 75 Jahren. Ihr Thema war vor allem die Rolle der Frau im Islam. Die studierte Soziologin wurde vor allem mit "Geschlecht, Ideologie, Islam" bekannt. Das 1975 erstmals auf Französisch erschienene Werk gilt als Standardwerk der interkulturellen Geschlechterforschung und wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt. "Der politische Harem" ist ein weiteres auf Deutsch erschienenes Buch. Darin argumentiert die mehrfach ausgezeichnete und in Marokko geborene Autorin, dass der Koran keine Frauenunterdrückung rechtfertige.

Berlinale: Goldener Ehrenbär für Michael Ballhaus

Filmfestspiele widmen dem Kameramann eine Hommage

Den Goldenen Ehrenbären für sein Lebenswerk erhält in diesem Jahr der Kameramann Michael Ballhaus. Die 66. Berlinale wird ihm eine Hommage widmen, teilte die Festspielleitung mit. Der 80jährige Ballhaus ist international einer der bedeutendsten Kameramänner. Er machte sich in Deutschland einen Namen, bevor er 25 Jahre lang in den USA Erfolge feierte. In der Zusammenarbeit beispielsweise mit dem Autorenfilmer Rainer Werner Fassbinder verhalf er dem Jungen deutschen Film zu künstlerischer Freiheit. An der Seite von Regiegrößen wie Martin Scorsese prägte er die Bildsprache des amerikanischen Kinos und dessen Lichtdramaturgie mit Filmen wie Goodfella, Zeit der Unschuld und Gangs of New York. Die Preisverleihung wird am 18. Februar im Berlinale Palast stattfinden

"SZ"-Überschrift ist beste Schlagzeile 2015

"Der Mann, der die Mauer niederstammelte" gewann

Die Schlagzeile des Jahres 2015 lautete nach Meinung deutscher Sprachexperten "Der Mann, der die Mauer niederstammelte" und war in der "Süddeutschen Zeitung" zu lesen. Sie bezieht sich auf den früheren SED-Funktionär Günter Schabowski, der bei einer Pressekonferenz am 9. November 1989 mit einem gestotterten Satz dafür gesorgt hatte, dass unverzüglich Reisen in den Westen möglich wurden und wenig später die Mauer fiel. Die Schlagzeile habe die dramatische Gemengelage damals besonders treffend zusammengefasst, teilte der Verein Deutsche Sprache e.V. in Dortmund mit. Die "Süddeutsche Zeitung" hatte sie am Tag nach Schabowskis Tod Anfang November 2015 gedruckt. Seit fünf Jahren kürt der Verein Deutsche Sprache die besten Schlagzeilen aus Zeitungen und Zeitschriften. Auf Platz zwei landete der Spiegel mit "Letzte Ausfahrt Grexit" über einen möglichen Euro-Austritt Griechenlands. Platz drei ging an den "Bild"-Titel "Winterkorn hat sich verdieselt" über den Skandal der manipulierten Abgaswerte bei VW.

Die „Forschungsstelle Entartete Kunst" steht vor dem Aus

Sie wurde 2003 von der Ferdinand-Möller Stiftung aufgebaut

Das renommierte Projekt der Freien Universität Berlin findet keine Finanzierung mehr – weder die Universität noch das Land Berlin werden es übernehmen. Der Kunsthistoriker Christoph Zuschlag von der Uni Koblenz Landau sagte dazu gegenüber Deutschlandradiokultur: "In meinen Augen wäre es fatal, ohne dass ich irgendjemandem die Schuld dazu geben möchte, wenn das jetzt endete. Die Causa Gurlitt hat gezeigt, wie eng doch teilweise Raubkunst und Entartete Kunst zusammen spielen. Denn in diesem Sammlungsbestand gibt’s eben beides." Die Forschungsstelle hat in den zwölf Jahren ihres Bestehens eine der wichtigsten Datenbanken zur Provenienzforschung aufgebaut, die von Wissenschaftlern, Anwälten und Museumsleuten international genutzt wird. Die Wartung und der technische Support können mangels Finanzierung nicht mehr durchgeführt werden.

Deutscher Computerspielpreis wird kräftig aufgestockt

Grund ist die wachsende Bedeutung von Computerspielen

Der Deutsche Computerspielpreis bekommt mehr Geld - und Anerkennung. Die Preisgelder werden in diesem Jahr um 85 000 Euro auf 470 000 Euro aufgestockt. Darauf verständigten sich laut einer Mitteilung die Branchenverbände mit dem Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI). "Computerspiele gewinnen weiter rasant an gesellschaftlicher Bedeutung", sagte Staatssekretärin Dorothee Bär. Der Förderpreis solle künftig ein Gütesiegel und eine verlässliche Orientierungshilfe sein. Wie die Träger bekanntgaben, wird der Förderpreis am 7. April in München vergeben.

Geschwister-Scholl-Preis für Achille Mbembe

Ausgezeichnet wird "Kritik der schwarzen Vernunft" des Kameruner Historikers

Der Historiker und politische Philosoph Achille Mbembe aus Kamerun erhält den Geschwister-Scholl-Preis 2015. Die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung wird ihm für sein Buch "Kritik der schwarzen Vernunft" heute im Rahmen des Münchner Literaturfests überreicht. Es handele sich dabei um nicht weniger als "eine Neuvermessung der Geschichte des Kapitalismus und der Globalisierung". Hauptthese ist laut Jury, dass die globalen Waren- und Kapitalströme ohne die Etablierung einer Asymmetrie zwischen den Weltteilen nicht möglich gewesen wären. Mbembe gilt als Vordenker des Postkolonialismus. Der Geschwister-Scholl-Preis wird jedes Jahr von der Stadt München und dem bayerischen Landesverband des Deutschen Buchhandels vergeben. Dabei wird jeweils ein aktuelles Buch ausgezeichnet, "das von geistiger Unabhängigkeit zeugt und geeignet ist, bürgerliche Freiheit, moralischen, intellektuellen und ästhetischen Mut zu fördern".

Russische Regie-Legende gestorben

Eldar Rjasanow wurde 88 Jahre alt

Der beliebte russische Regisseur Eldar Rjasanow ist im Alter von 88 Jahren gestorben. Er sei in der Nacht einer schweren Herzinsuffizienz erlegen, berichtete die Agentur Tass unter Berufung auf Angehörige. Rjasanow hinterlässt rund 30 Filme, von denen viele in Russland als Klassiker gelten. Zu seinen berühmtesten Werken gehört "Die Ironie des Schicksals" von 1975. Das russische Fernsehen zeigt die ulkige Verwechslungskomödie seit Jahrzehnten traditionell an Silvester. Andere bekannte Filme sind "Karnevalsnacht" (1956), "Liebe im Büro" (1977) und "Bahnhof für zwei" (1983). Der am 18. November 1927 in der Stadt Samara geborene Filmemacher erhielt für sein Wirken zahlreiche sowjetische und russische Auszeichnungen. Umfragen zufolge gilt er als einer der angesehensten Regisseure des Landes.

Konzertveranstalter verteidigt Naidoo-Anzeige

In der Annonce solidarisierten sich Promis mit dem Sänger

Der Konzertveranstalter Marek Lieberberg wehrt sich gegen Vorwürfe, seine Zeitungsannonce für den umstrittenen Sänger Xavier Naidoo sei eine Marketingaktion. "Jedes kleine Kind weiß, dass ich im Feuilleton der 'FAZ' kein Marketing für Hip-Hop-Künstler machen kann", sagte Lieberberg. Unter der Überschrift "Menschen für Xavier Naidoo" war am Samstag in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" eine ganzseitige Anzeige erschienen, unterzeichnet von 121 Künstlern und Bands wie Die Prinzen, Mario Adorf, Jan Delay, Jan Josef Liefers und Til Schweiger. Zuvor hatte der Norddeutsche Rundfunk Naidoo erst als deutschen Vertreter für den Eurovision Song Contest auserkoren, die Nominierung aber zwei Tage später wegen heftiger Kritik zurückgezogen.

Weisse und Rehberg als beste Schauspieler geehrt

Auszeichnung gilt als Gegenentwurf zum Deutschen Fernsehpreis

Die Deutsche Akademie für Fernsehen hat zum dritten Mal Fernsehmacher aus Deutschland geehrt. Als beste Schauspielerin wurde in Köln Ina Weisse ausgezeichnet. Als bester männlicher Kollege ging Hans-Michael Rehberg aus dem Rennen. Weisse setzte sich bei den Frauen am Samstag gegen Martina Gedeck und Christina Große durch, Hans-Michael Rehberg bei den Männern gegen Bernhard Schütz und Yasin el Harrouk. Rund 700 Akademiemitglieder wählten die Sieger für die 21 nicht dotierten Auszeichnungen. Die Verleihung fand im Filmforum NRW im Museum Ludwig in Köln statt. Die Deutsche Akademie für Fernsehen versteht sich als Gegenentwurf zum Deutschen Fernsehpreis, der zuletzt vor allem Schauspieler und Formate ehrte, 2015 pausierte und am 13. Januar generalüberholt zurückkehrt.

Thema Raubkunst: Parzinger für Stärkung der Forschung

Auch internationale Vernetzung solle ausgebaut werden

Der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger, hat dazu aufgerufen, die Forschung zur Herkunft von Kunstwerken zu stärken. "Deutschland ist vorangekommen, es gibt jetzt mit dem Deutschen Zentrum Kulturgutverluste einen zentralen Ansprechpartner", erklärte Parzinger in Berlin. "Bund, Länder und kommunale Spitzenverbände arbeiten gut zusammen. Wir haben exzellente Forscherinnen und Forscher, aber wir haben leider nicht genug von ihnen oder nicht genügend Mittel, um sie zu beschäftigen." Parzinger war als Redner zu einer Tagung des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste geladen. Das Magdeburger Zentrum ist der zentrale Ansprechpartner zu Fragen von NS-Raubgut, fördert die Herkunftsforschung (Provenienzrecherche) und dokumentiert Kunstverluste in der «Lost Art»-Datenbank. Parzinger plädierte dafür, die Ausbildung von Provenienzforschern als wichtigen Bestandteil des Studiums der Kunstgeschichte zu etablieren und mehr Geld in die Recherche und internationale Vernetzung zu investieren.

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