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Interview | Beitrag vom 01.03.2019

Studie untersucht Konflikte am PflegebettViele Missverständnisse in internationalen Pflegeteams

Christa Larsen im Gespräch mit Julius Stucke

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Pflegerin Janette Dela Cruz (l.) von den Philippinen wird im Caritas Altenheim St. Nikolaus in München von einer Kollegin eingewiesen. (imago/epd/Rudolf Stumberger)
Pflegerin Janette Dela Cruz (l.) von den Philippinen wird im Caritas Altenheim St. Nikolaus in München von einer Kollegin eingewiesen. (imago/epd/Rudolf Stumberger)

In der Krankenpflege ist die Zahl der ausländischen Fachkräfte stark gestiegen. Unterschiedliche Vorstellungen über den Pflegeberuf bringen Konflikte in die Teams. Eine Studie der Uni Frankfurt/M. bringt diese ans Licht und zeigt Lösungen auf.

Krankenhäuser und Altenpflegeeinrichtungen stellen zunehmend Pflegerinnen und Pfleger ein, die ihren Berufsabschluss im Ausland erworben haben. So ist die Zahl der Fachkräfte für Gesundheits- und Krankenpflege, die jährlich aus dem Ausland nach Deutschland kommen, zuletzt auf fast das Sechsfache gestiegen: Von knapp 1.500 im Jahr 2012 auf gut 8.800 im Jahr 2017. Größtenteils stammen sie aus ost- und südeuropäischen Staaten außerhalb der EU oder von den Philippinen.

Die Probleme, die eine solche internationale Zusammensetzung von Pflegeteams im Arbeitsalltag verursacht, nimmt eine Studie des Instituts für Wirtschaft, Arbeit und Kultur der Goethe-Universität Frankfurt am Main in den Blick.

"Frustration auf beiden Seiten"

Christa Larsen, Geschäftsführerin des Instituts, spricht im Deutschlandfunk Kultur von "Frustration auf beiden Seiten", die zur Fehlinterpretation des eigentlichen Problems führe. Dies liege in unterschiedlichen Arbeitszuschnitten im Pflegebereich in Deutschland und in den Herkunftsländern.

Der albanische Krankenpfleger Samed Qoshja bereitet in der Neurochirurgie der Charité am Campus Benjamin Franklin eine Infusion vor.  (Kristin Bethge/dpa)Der albanische Krankenpfleger Samed Qoshja bereitet in der Neurochirurgie der Charité am Campus Benjamin Franklin eine Infusion vor. (Kristin Bethge/dpa)

Die im Ausland angeworbenen Fachkräfte verfügten oft über sehr lange Berufserfahrungen und brächten eher ein Selbstverständnis als medizinische Fachkraft mit, sagt Larsen. In Deutschland sei das Berufsbild der Pflegekraft hingegen eher auf die sogenannte Grundpflege bezogen. 

"Das heißt Unterstützung von Patienten beim Waschen, beim Essen anreichen, das Bett machen und solche Dinge."

Sprachprobleme verschärfen Thematik

Der Arbeitsalltag in der Pflege sei sehr verdichtet, so Larsen, so dass es kaum Zeit und Freiräume für eine Klärung der unterschiedlichen Erwartungen gebe. Hinzu kämen Sprachprobleme, die die Thematik verschärften. 

Larsen erklärt: "Eine wichtige Erkenntnis aus unserer Studie ist, dass die Beteiligten, wenn wir mit ihnen gesprochen haben, sich sehr beklagen über die Kolleginnen der anderen Seite und das ganz schnell auch mit persönlichen Charakteristika, ethnischen Charakteristika, unterlegt und begründet wird."

Es sei Aufgabe der Führungskräfte, die "fundamentalen fachlichen Unterschiede" im Bereich der Pflege in den verschiedenen Ländern in einem ersten Lösungsschritt zum Thema zu machen.

(huc)

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