Dienstag, 02.03.2021
 

Im Gespräch | Beitrag vom 13.02.2021

Stromfresser InternetWie viel Energie verbrauchen Google, Netflix & Co.?

Moderation: Katrin Heise

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Die Logos der Streaming Dienste Amazon Prime Video, Netflix, amazon music und youtube sind auf einem Fernseher zu sehen. (imago / photothek.de / Thomas  Trutschel)
Streaming ist bequem, verbraucht aber viel Energie: Etwa 80 Prozent des Stromverbrauchs des Internets geht nach Zahlen eines deutschen Forschungsinstituts auf Video-Streaming zurück. (imago / photothek.de / Thomas Trutschel)

Corona hat einen Teil unseres Lebens ins Netz verlagert: Statt Meetings gibt es Videokonferenzen, Unterricht läuft über Videochat, Streaming ersetzt Kino. Und jede Aktion im Internet verbraucht Energie. Wie passt das zum Klimaschutz?

Das Internet ist für viele nicht mehr wegzudenken: Wir googeln, chatten, streamen Filme und Musik, treffen uns per Videokonferenz oder zum Spielen. Corona hat dies alles noch einmal verstärkt durch Homeoffice und Homeschooling. Das treibt den Energieverbrauch rasant in die Höhe: Etwa 80 Prozent des Stromverbrauchs des Internets wird mittlerweile allein durch Video-Streaming verursacht.

Jeder gestreamte Film verursacht Kohlendioxid

"Hinter dem Netz stehen Riesen-Rechenzentren", sagt Ralph Hintemann vom Borderstep Institut für Innovation und Nachhaltigkeit. "Jede Email, die wir schreiben, wenn wir eine Wetter-App benutzen, eine Navigations-App, das läuft alles über Rechenzentren." Und das habe Folgen für den Energieverbrauch und die Umwelt: "Eine Stunde Video-Streaming in Full-HD-Auflösung benötigt 220 bis 370 Wattstunden elektrische Energie, abhängig vom verwendeten Endgerät. Das verursacht etwa 100 bis 175 Gramm Kohlendioxid, also ähnlich wie die Emissionen eines Kleinwagens bei einem Kilometer Autofahrt."

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Auch durch das Wachstum der Streaming-Branche steigt die Zahl der Rechenzentren. Schon heute ist Frankfurt am Main ein Hotspot. "Frankfurt ist der größte Internetknoten weltweit. Und jedes dieser Rechenzentren hat einen Stromverbrauch einer Kleinstadt. Sie machen zusammen 25 Prozent des Stromverbrauchs der Stadt Frankfurt aus. Und es ist ja nicht nur die IT, die Server. Da entsteht auch viel Wärme, die mit Hilfe von Kälteanlagen gekühlt werden muss."

Hintermann mahnt: "Wenn sich die aktuelle Situation so fortsetzt, dann steigt der Energiebedarf der Rechenzentren in den nächsten zehn Jahren weltweit um mehr als 60 Prozent an." Und immer mehr Strom für Rechenzentren bedeute, "dass wir die Ziele der Energiewende nicht so leicht erreichen können."

Tipps zum Daten- und Energiesparen

Was können wir tun, um unseren Datenverbrauch im Netz und damit die Umweltbelastung zu verringern? Mit diesen Fragen beschäftigt sich Martin Gobbin, Technik-Redakteur bei der Stiftung Warentest. Sein Tipp: Nicht jeder Film müsse gestreamt werden, wenn er auch im Fernsehen laufe. "Wenn zehn Millionen Menschen einen Film im Fernsehen schauen, löst das nur eine einzige Ausstrahlung aus. Wenn aber zehn Millionen Menschen einen Film streamen, löst das auch zehn Millionen Übertragungen aus. Das verursacht also einen massiv höheren Stromverbrauch."

Bei vielen Nutzungen lasse sich der Datenverbrauch problemlos reduzieren: "Ganz wichtig: Man sollte die Autoplay-Funktion ausschalten, zum Beispiel bei Youtube. Ganz viele Programme starten das nächste Video, auch, wenn ich das nicht will. Man kann die Auflösung der Geräte heruntersetzen, man muss nicht alles mit 4K sehen. Viele hören auch Musik auf Youtube, ohne dass sie dabei die Videos anschauen. Das verbraucht zu viel Datenvolumen. Besser ist, dafür Musikstreaming-Dienste zu nutzen. Und bei Videos, die man gern sieht: Lieber einmal runterladen, als dass man immer neu streamt."

Stromfresser Internet: Wie viel Energie verbrauchen Google, Netflix & Co.?
Darüber diskutiert Katrin Heise am Samstag, 13. Februar, von 9:05 Uhr bis 11 Uhr mit Ralf Hintemann vom Borderstep Institut und Martin Gobbin von der Stiftung Warentest. Hörerinnen und Hörer können sich beteiligen unter der Telefonnummer 0800 2254 2254 sowie per E-Mail unter gespraech@deutschlandfunkkultur.de. Besuchen Sie uns auch auf Facebook, Instagram und Twitter!

(sus)

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