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Im Gespräch | Beitrag vom 28.04.2018

Stressfaktor KrachWenn Lärm krank macht 

Brigitte Schulte-Fortkamp und Parwis Mir-Salim im Gespräch mit Matthias Hanselmann

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Portait einer schreienden Frau, die sich die Ohren zuhält (Chris Adams / imago/Westend61)
Schrei vor Lärm: Krach stresst unseren Körper nachhaltig. (Chris Adams / imago/Westend61)

"Lärm muss nicht unbedingt laut sein", sagt die Psychoakustikerin Brigitte Schulte-Fortkamp. Der Arzt Parwis Mir-Salim sieht, wie Klubs und Kopfhörer den Job als Ursache für Schwerhörigkeit ablösen. Sie diskutieren mit Matthias Hanselmann darüber, was Lärm mit uns macht.

Verkehrsgetöse, Baustellengeräusche, Nachbars Ghettoblaster – in Europa leiden fast 128 Millionen Menschen unter potenziell schädlichem Lärm. 60 Prozent der Deutschen sind von Verkehrslärm betroffen. Und auch wenn wir ihn oft ausblenden, unsere Ohren nehmen ihn ständig wahr. Aber Krach nervt nicht nur – er stresst unseren Körper nachhaltig. Die Folge: Hörschäden, Schädigung des Kreislaufsystems, Schlaf- und Konzentrationsstörungen. Darauf machte in dieser Woche der "Tag gegen Lärm" aufmerksam. 

Lärm ist Schall, der stört

"Lärm muss nicht unbedingt laut sein. Deswegen ist Lärm ja auch so definiert, dass es Schall ist, der stört", sagt Brigitte Schulte-Fortkamp, Professorin für Psychoakustik und Lärmwirkung an der TU Berlin und Aktionsleiterin des "Tages gegen Lärm", den sie 1998 mit ins Leben gerufen hat. Ob ein Geräusch oder eine Musik als Lärm empfunden werden, sei sehr subjektiv: "Ungefähr 30 Prozent Schalleinwirkung sind physikalisch erklärbar, die restlichen 70 Prozent lassen sich psychologisch erklären."

Eine laute Straße – so die Psychologin – nerve einfach nur. Das ebenso laute Rauschen eines Wasserfalls störe dagegen viel weniger. Es sei positiv besetzt, mit Assoziationen wie Natur, Freiheit, Frische. Diese Erkenntnisse der Wahrnehmungspsychologie nutzt sie in ihren "Soundscape"-Projekten, um störende Geräusche mit angenehmeren zu überdecken. Zum Beispiel in der Stadtplanung: Auf verkehrsumtosten Plätzen kann Brunnengeplätscher Autolärm überdecken, gezielte Begrünung dient als Schallschutz. Ihr geht es auch darum, etwaige Lärmquellen von vornherein zu vermeiden oder ihre Intensität zu mindern, in dem zum Beispiel dämmende Straßenbeläge verwendet oder Häuser mit schallschluckenden Wänden versehen werden.

Erfahrungen eines HNO-Arztes

"Die Hauptursache für den Hörverlust ist nach wie vor das Alter, daneben ist die Lärmschwerhörigkeit getreten", sagt Dr. Parwis Mir-Salim, Leiter des Hörzentrums Berlin am Vivantes Klinikum im Friedrichshain. "Früher ging Lärmschwerhörigkeit vorwiegend auf Lärm am Arbeitsplatz zurück. Das ist dank der Lärmschutzbestimmungen stark zurückgegangen. Viel häufiger geworden ist die Lärmbelastung durch Musik, in Clubs oder Konzerten. Dort wirken oft 85 Dezibel auf das Gehör; wenn man direkt vor einem Lautsprecher steht, können es bis zu 95 Dezibel sein. Schon nach zehn Minuten besteht dann die Gefahr einer Hörschädigung."

Der Mediziner befürchtet, dass die Zahl jüngerer Hörgeschädigter zunehmen wird, auch durch übersteuerte und falsche Kopfhörer. "Die Kopfhörer, die besonders gefährlich sind, sind die, die den Gehörgang abdichten. Da wird der Schalldruck besonders dicht auf das Trommelfell und das Innenohr getragen. Die sollte man meiden. Alles andere, was nur auf dem Ohr draufsitzt, ist weniger gefährlich."

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