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Kompressor | Beitrag vom 26.07.2018

Streit um neue Serie "Insatiable" Macht sich Netflix über Dicke lustig?

Jenni Zylka im Gespräch mit Timo Grampes

Szene aus der Netflix-Serie "Insatiable" mit Debby Ryan. Sie steht vor einem Schließfach in der Highschool. (Tina Rowden/Netflix)
Patty (Debby Ryan) aus der Netflix-Serie "Insatiable", nachdem sie abgenommen hat. (Tina Rowden/Netflix)

Mehr als 100.000 Menschen haben eine Petition unterzeichnet, die Netflix auffordert, die neue Serie "Insatiable" zu stoppen. Denn: Das Format unterstütze "Fatshaming". Jenni Zylka hält dagegen: "Die Serie hat nichts mit Realismus zu tun".

Die übergewichtige Patty wird an ihrer Highschool gemobbt. Als ein Obdachloser ihr ins Gesicht schlägt, wird ihr im Krankenhaus der Kiefer verdrahtet, so dass sie nichts mehr essen kann. So nimmt sie sie zwangsweise ab. Als sie nach den Ferien in die Schule zurückkehrt, hat sich ihr Aussehen stark verändert und sie wird mit einem Mal sehr beliebt. Patty beschließt, ihren neuen Status auszunutzen und sich an ihren ehemaligen Peinigern zu rächen.

Das Szenario der neuen Netflix-Serie "Insatiable" (dt: Unersättlich) ruft Kritiker schon vor der Ausstrahlung auf den Plan: Es betreibe "Fatshaming", lästere also über übergewichtige Menschen, kritisieren 100.000 Unterzeichner einer Petition. Die Serie unterstütze ein toxisches Schönheitsideal, weil Patty erst den Mut zur Rache findet, als sie dünn wird.

Unsere Kritikerin Jenni Zylka wirft ein, dass es ja nicht um eine realistische Darstellung gehe:

"Das ist eine klassische Highschool-Comedy a la 'American Pie' mit sehr brachialem Humor. Ihre Rache ist sehr übertrieben und parodistisch, sehr überzogen und grotesk, das hat nichts mit Realismus zu tun."

Dass so stark auf die Serie reagiert wird, habe mit einer gewachsenen Sensibilität in den USA für Themen wie "fat acceptance" und "fat shaming" zu tun, gerade weil es hier sehr viele übergewichtige Menschen gebe und zugleich ein starkes normatives Schönheitsideal, dass man schlank sein müsse.

Zahlreiche Serien gehen besser mit dem Thema um

Die Kritik an der Serie findet sie dennoch schwierig:

"Man muss ja auch fiktional erzählen dürfen, dass jemand mit seinem übergewichtigen Körper unzufrieden ist, ohne gleich erzählt zu bekommen: 'Das ist aber fatshaming, das darf man nicht erzählen'."

Andererseits gebe es viele Beispiele von Serien und Filmen, die sich des Themas viel behutsamer annähmen als "Insatiable", zum Beispiel die Serie "This is us" über ein ungleiches Geschwisterpaar oder die Serie "Love" mit einem übergewichtigen Protagonisten.

(abu/abr)

Die Serie "Insatiable" soll ab dem 10. August auf Netflix verfügbar sein. Zu den Vorwürfen, die Serie betreibe Bodyshaming, hat sich Netflix noch nicht geäußert.

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