Streit um Macht und Millionen

Moderation: Dieter Kassel · 22.01.2008
Das Hanseatische Oberlandesgericht hat einen vorläufigen Schlussstrich unter einen jahrelangen Erbstreit gezogen. Der Enkel, Axel Sven Springer, hatte gegen Friede Springer wegen der Erbaufteilung geklagt. Das Gericht gab der Witwe, die die fünfte Ehefrau des 1985 verstorbenen Medienunternehmers Axel Springer war, Recht.
Deutschlandradio Kultur sprach darüber mit dem Publizisten und Medienjournalisten Florian Felix Weyh. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Gespräch:

Dieter Kassel: Das ist ja ein Urteil, dass die meisten Medienbeobachter so klar nicht erwartet haben?

Florian Felix Weyh: Ich habe es auch nicht erwartet, aber wir sind ja Medienjournalisten, und das Ganze hat doch auch einen sehr exemplarischen Charakter. Es ist mal wieder so eine berühmte Sau durchs Mediendorf getrieben worden. Am ersten Prozesstag dieser Verhandlung, am 19. November, hat das in Hamburg nur ein Journalist vom "Managermagazin" verfolgt. (…) Nach dessen Veröffentlichung bei "Spiegel online" kam erst der Run der anderen Journalisten.

(…)

Kassel: Was sagt das Urteil über die Bedeutung für den Springer-Konzern? Es hieß ja, der ist in keinem besonders guten Zustand, und gerade deswegen sei der Prozess so heikel – das wäre er unter anderen Umständen vielleicht nicht?

Weyh: Das ist natürlich ein Prozess zu einem völlig falschen Zeitpunkt für den Springer Verlag. (…) Der Konzern ist sehr liquide, aber er hat dann ein paar strategische Fehlentscheidungen gemacht und der berühmteste ist die PIN AG, also dieser Postdienstleister, den man für 500 Millionen im letzten Sommer gekauft hat, und den man jetzt insolvent gehen lässt, nachdem vordergründig vorgeschoben der Postmindestlohn das Geschäftsmodell ruiniert hat, aber es war ohnehin schon ein sehr fragwürdiger Kauf.

Sie können das vollständige Gespräch mindestens bis zum 22.6.08 als MP3-Audio in unserem Audio-on-Demand-Player nachhören.
Florian Felix Weyh, Schriftsteller und freier Journalist in Berlin
Florian Felix Weyh© Katharina Meinel