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Fazit | Beitrag vom 27.02.2021

Streit um Kandinsky-Gemälde in den NiederlandenStadtverwaltung will Raubkunst-Fall erneut prüfen

Kerstin Schweighöfer im Gespräch mit Marietta Schwarz

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Wassily Kandinskys "Bild mit Häusern" (picture alliance / akg-images)
Wassily Kandinskys "Bild mit Häusern" wurde 1940 für 176 Gulden vom Direktor des Amsterdamer Stedelijk Museums ersteigert. Seitdem hängt es dort. (picture alliance / akg-images)

Das Amsterdamer Stedelijk Museum darf Wassily Kandinskys "Bild mit Häusern" behalten, obwohl es im Verdacht steht, ein Fall von NS-Raubkunst zu sein. So entschied es kürzlich ein Gericht. Doch die Amsterdamer Bürgermeisterin will den Fall neu aufrollen.

Ende 2020 schien der Fall klar: Ein Gericht gab der niederländischen Restitutionskommission recht, die entschieden hatte, dass Wassily Kandinskys "Bild mit Häusern" nicht an die Erben des ursprünglichen jüdischen Eigentümers Robert Lewenstein zurückgegeben wird. Stattdessen soll es weiter im Amsterdamer Stedelijk Museum hängen, das das Gemälde auf einer Auktion 1940 ersteigert hatte - für lediglich 176 Gulden. Doch nun formiert sich Widerstand. Abonnieren Sie unseren Kulturnewsletter Weekender. Die wichtigsten Kulturdebatten und Empfehlungen der Woche. Ab jetzt immer freitags per Mail. (@ Deutschlandradio)

"Dieses Bild, dieser Fall Kandinsky liegt vor allem den Stadtvätern im Rathaus sehr, sehr schwer im Magen", berichtet unsere Korrespondentin Kerstin Schweighöfer. Diese fänden es nicht in Ordnung, ein Kunstwerk zu behalten, dessen Herkunft nicht einwandfrei geklärt worden sei.

Zwar war laut Schweighöfer die niederländische Restitutionskommission 2018 zu dem Schluss gekommen, dass es nicht genügend Hinweise darauf gebe, dass der Verkauf des Gemäldes unfreiwillig geschehen sei. Die Anwälte der Erben machten jedoch geltend, dass bei einem Verkauf 1940, wenige Monate nach dem Einmarsch der Deutschen in die Niederlande, von Freiwilligkeit nicht die Rede sein könne. Zumal auch die Kaufsumme von 176 Gulden nach Ansicht der Erben "ein Witz" sei, denn der Wert des Bildes sei schon damals auf zwischen 2000 und 3000 Gulden beziffert worden. 

"Außerdem – und dieser Grund hat wirklich sehr viel Empörung ausgelöst – hat die Restitutionskommission gesagt, sei das Bild für die Erben ja nicht so wichtig wie für das Stedelijk Museum. Die hätten keinerlei emotionale Bindung mit dem Werk, und deshalb solle es im Museum bleiben", so unsere Korrespondentin.

"Vernichtendes Urteil" für die Rückgabepraxis der Niederlande

Vor diesem Hintergrund wolle die Stadt Amsterdam jetzt zur Vorreiterin werden und den Fall noch einmal aufrollen, "und zwar anhand neuer Kriterien und neuer Richtlinien, die gerade von einer Untersuchungskommission aufgestellt worden sind." 

Diese Kommission hatte im Auftrag des Kultusministeriums die bisherige Restitutionspraxis in den Niederlanden untersucht und war, so Schweighöfer, dabei zu einem "vernichtenden Urteil" gekommen: "Die hat nämlich gesagt, dass die bisherige Art und Weise, wie man Kriegskunst zurückgegeben hat, viel zu formalistisch, viel zu wenig empathisch, also ohne Mitgefühl verlaufen sei." Denn eigentlich müsse doch die Wiederherstellung des Rechts ein vorrangiges Prinzip sein und nicht die Wichtigkeit von Museumskollektionen.

"Das Fazit dieser Kommission war wirklich, die Richtlinien müssen schleunigst angepasst und entsprechend geändert werden. Und die Bürgermeisterin von Amsterdam hat diese Woche gesagt, wir möchten das umgehend tun, wir möchten eigentlich gar nicht darauf warten, wie die Kultusministerin jetzt auf diesen Abschlussbericht reagiert." Auch der Direktor des Stedelijk habe sich gemeldet und gesagt, er würde es nur begrüßen, wenn das Ganze jetzt endlich zügig geklärt werden könne.

Parallelfall in Deutschland

Die Angelegenheit hat möglicherweise auch Konsequenzen für einen Restitutionsfall in Deutschland, mit dem sich die Limbach-Kommission demnächst beschäftigen wird. Denn im Münchner Lenbachhaus hängt ein zweiter Kandinsky aus der Sammlung der Lewensteins: "Das bunte Leben".

Dieses Gemälde sei auf der derselben Auktion verkauft worden wie das "Bild mit Häusern", sagt Schweighöfer. Allerdings sei es nicht an ein Museum gegangen, sondern in den Besitz eines jüdischen Privatsammlers gekommen. "Das muss anders interpretiert werden, aber trotzdem bin ich mir ziemlich sicher, dass die Menschen in Deutschland oder in München im Lenbach-Haus den Fall hier  mit Argusaugen mitverfolgen werden."

(ckr/uko)

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