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Fazit | Beitrag vom 07.01.2020

Streit um DirektorenpostenBerliner Bauakademie vorerst ohne Chef

Von Claudia van Laak

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Die im Jahr 2004 errichtete gedruckte Fassade der Schinkelschen Bauakademie in Berlin-Mitte wird derzeit abgebaut.  (imago images/ Volker Hohlfeld)
Die im Jahr 2004 errichtete gedruckte Fassade der Schinkelschen Bauakademie in Berlin-Mitte wird derzeit abgebaut. (imago images/ Volker Hohlfeld)

Die Bauakademie sollte Architekturzentrum im Geiste Schinkels sein, doch schon bei der Auswahl des Direktors gab es Streit. Jetzt hat das Arbeitsgericht geurteilt: Der designierte Chef Florian Pronold darf bis auf Weiteres nicht auf seinen Posten.

Die einstweilige Verfügung des Berliner Arbeitsgerichts ist eindeutig: der SPD-Politiker Florian Pronold darf seine Stelle als Gründungsdirektor der Bauakademie vorerst nicht antreten.

Von einem "mutmaßlichen Auswahlfehler" sprach die Richterin, es gäbe Hinweise darauf, dass das ganze Besetzungsverfahren nicht ordnungsgemäß durchgeführt worden sei. Gerichtssprecherin Lina Voss: "Der Bewerber hat damit nicht durchgesetzt, dass er selber es wird, das wird Gegenstand des Hauptsacheverfahrens sein. Bei diesem einstweiligen Rechtsschutz reicht es schon, wenn mögliche Fehler im Verfahren, formelle Fehler, die Möglichkeit offen lassen, dass vielleicht der andere Bewerber ausgewählt worden wäre."

Pronold ist nicht der einzige Bewerber

Der andere Bewerber – das ist kein Unbekannter in der Architektur- und Bauszene. Es handelt sich um Philipp Oswalt, einige Jahre Direktor der Bauhausstiftung Dessau, derzeit Professur für Architekturtheorie an der Universität Kassel – und erklärter Gegner von historischen Rekonstruktionen. Er beansprucht die Direktorenstelle der Bauakademie für sich, hält sich für besser geeignet als den SPD-Politiker Florian Pronold.

Philipp Oswalt hatte zuvor – gemeinsam mit knapp 600 anderen Architekten, Kunsthistorikern und Museumsleitern einen Offenen Brief gegen die Besetzung der Direktorenstelle mit Florian Pronold unterschrieben.

Sprecher dieser Initiative ist Peter Cachola Schmal. Für den Direktor des Frankfurter Architekturmuseums hat sogar die Demokratie Schaden genommen – durch die Besetzung der Stelle mit dem SPD-Politiker Pronold, der Jura studiert hat und seit vielen Jahren Berufspolitiker ist.

"Der Schaden für die Demokratie besteht darin, dass eine perfekt ausgeschriebene Stelle von einer großen Beratungsfirma als organisiertes Verfahren vollzogen wird, und alle möglichen Fachleute sich dort beworben haben und einem rigorosen Test unterworfen wurden, aber am Ende kommt jemand raus, der ein Jahr zuvor das Verfahren als Politiker geleitet hat", sagt Cachola Schmal.

Gegenangriff des SPD-Politikers

Florian Pronold selber ist nach wie vor der Ansicht, er sei genau der Richtige für dieses Amt. Er habe zwar nicht Architektur studiert und auch keine Erfahrung mit dem Kuratieren von Ausstellungen, aber:

"Ich erfülle sehr wohl die Kriterien, die in der Ausschreibung gefordert waren. Sonst wäre ich auch nicht von einer Findungskommission, der ja auch unabhängige Leute wie die Präsidentin der Bundesarchitektenkammer und der Präsident der Bundesingenieurkammer angehören, einstimmig ausgewählt worden. Also das ist doch ein Hinweis, dass ich nicht völlig der Falsche am falschen Platz sein kann."

SPD-Politiker Florian Pronold (Bernd von Jutrczenka/dpa)SPD-Politiker Florian Pronold (Bernd von Jutrczenka/dpa)

Der SPD-Politiker geht nun zum Gegenangriff über – trotz der heutigen Gerichtsentscheidung. Florian Pronold greift seine Kritiker an, sie würden mit gezinkten Karten spielen und falsche Fakten verbreiten.

"Die Verfasser des offenen Briefes haben viele Unterzeichnerinnen und Unterzeichner des Briefes getäuscht. Erstens ist es so, dass sie sich auf eine verkürzte Form der Ausschreibung beziehen, zweitens stellen sie falsche Tatsachenbehauptungen gegenüber meiner Person auf und drittens ist es so, dass sie auch noch eine Verschwörungstheorie entwickeln in dem Sinne, das ist ein Versorgungsjob", so Pronold.

Wird die Bauakademie auf Eis gelegt?

Wie geht es nun weiter? Die Stiftung Bauakademie könnte in die Berufung gehen. Ist sie sich ihrer Entscheidung ganz sicher, könnte sie den Direktorenposten auch kommissarisch mit Florian Pronold besetzen – das wäre allerdings ein Risiko.

Gut möglich, dass die Pläne für die Bauakademie vorerst auf Eis gelegt werden, auch die Entscheidung über eine mögliche Rekonstruktion verzögert sich. Ein halbes Jahr wird es mindestens dauern, bis das Berliner Arbeitsgericht über die eigentliche Konkurrentenklage von Philipp Oswalt entschieden hat. Und das ist erst die erste Instanz – weitere könnten folgen.

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