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Samstag, 15.12.2018
 
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Kulturnachrichten

Montag, 22. Oktober 2018

Streit überschattet tschechische Staatspreise für Kultur

Zwei Auszeichnungen konnten nicht vergeben werden

Die Verleihung der diesjährigen tschechischen Staatspreise für Kultur ist von einer Kontroverse überschattet worden. Bei der Zeremonie am Sonntagabend wurde der Preis in den Kategorien Film und Literatur nicht vergeben. Die Familie des Regisseurs Evald Schorm (1931-1988) hatte dessen Ehrung in memoriam aus Protest gegen die Duldung der derzeitigen Prager Minderheitsregierung durch die Kommunisten abgelehnt. Der Schriftsteller Jiri Hajicek wiederum, Autor des Romans "Fischblut", wollte die Auszeichnung nicht entgegennehmen, weil sie zu politisiert sei. Der tschechische Kulturminister warf der Jury vor, die Kontroverse mit "möglicherweise unbedachten" Äußerungen vergrößert zu haben. Zu den früheren Preisträgern zählen so renommierte Schriftsteller wie Jachym Topol, Milan Kundera und der vor drei Jahren gestorbene Ludvik Vaculik.

Deutschlands größte Kinokette mit neuem Eigentümer

Cinestar kommt in britische Hände

Die Kinogruppe Cinestar, Deutschlands größter Kinobetreiber, wechselt den Besitzer. Der britische Kinobetreiber Vue International, dem bereits die Kette CineMaxx gehört, hat die Cinestar-Gruppe von dem australischen Entertainmentunternehmen Event Hospitality & Entertainment Limited (EVT) erworben. Wenn das Bundeskartellamt dem Kauf zustimmt, befänden sich die beiden größten deutschen Kinobetreiber unter demselben Konzerndach. Der Kaufpreis beträgt nach Angaben von Vue umgerechnet rund 220 Millionen Euro. "Der Kauf von Cinestar passt zu unseren geschäftlichen Zielen, die darauf ausgerichtet sind, weltweit Spitzen-Kinohäuser aufzubauen und zu führen", hieß es in einer Pressemitteilung des Unternehmens. Die Cinestar-Gruppe betreibt bundesweit 55 Kinocenter. Auf die Standorte und die rund 2700 Mitarbeiter hat der Verkauf nach Angaben Vues keine Auswirkungen.

Oscar-Gewinner Del Toro verfilmt Pinocchio

Netflix will Geschichte der Holzpuppe als animierten Spielfilm produzieren

Der mexikanische Oscar-Preisträger Guillermo del Toro verfilmt die Geschichte von Pinocchio für die Streaming-Plattform Netflix. Es wird der erste animierte Spielfilm des 54 Jahre alten Regisseurs sein, teilte Netflix mit. Die Geschichte der Holzpuppe mit der Nase, die bei jeder Lüge wächst, soll im Italien der 1930er Jahre spielen."Seitdem ich denken kann, wollte ich diesen Film machen. Mit keiner Figur hatte ich eine tiefere persönliche Verbindung als mit Pinocchio", sagte Del Toro. Er will das Drehbuch für den neuen Film gemeinsam mit Patrick McHale ("Adventure Time") schreiben. Pinocchio soll in Stop-Motion-Technik gedreht werden. Dabei werden Puppen hintereinander in verschiedenen Positionen abgefilmt und die einzelnen Bilder später zu einem Film zusammengefügt. Del Toro hatte im März für seinen Film "Shape of Water - Das Flüstern des Wassers" einen Oscar für die beste Regie gewonnen.

Bauhaus Dessau bekräftigt Konzertabsage

Dafür Einladungen für Feine Sahne Fischfilet aus Berlin und Weimar

Auch nach wachsendem Druck hält die Stiftung Bauhaus Dessau an ihrer Absage eines Konzerts der linken Punkband Feine Sahne Fischfilet fest. Neonazis habe man keine Plattform bieten wollen, erklärte die Stiftung. Rechte Gruppierungen hatten im Internet zum Protest gegen das Konzert der Band aufgerufen. In den beiden Bauhaus-Städten Berlin und Weimar hatte man allerdings kein Verständnis für die Absage des Konzerts. Auch darum, weil die Absage eine linke Musikgruppe treffe, die sich gegen Rechtsextremismus und Rassismus engagiert. Berlins Kultursenator Klaus Lederer, als Vorsitzender des Bauhaus-Verbundes, und der Thüringer Bauhaus-Professor Max Welch Guerra setzen ein politisches Signal: aus Berlin und Weimar kamen zwei demonstrative Einladungen für Feine Sahne Fischfilet. Auch das Anhaltische Theater Dessau hat seinen Kurs geändert - von Ablehnung in der vergangenen Woche hin zur Zusicherung jeglicher Unterstützung.

Neue Kategorie beim Festival Max Ophüls Preis

Künftig wird ein Publikumspreis für den besten Dokumentarfilm vergeben

Beim 40. Filmfestival Max Ophüls Preis im Januar kommenden Jahres können junge Dokumentarfilmer erstmals einen Publikumspreis gewinnen. "Der Dokumentarfilm stellt ein bedeutendes Ausdrucksmittel der jungen Generation dar, ihre Sicht auf unsere Welt filmisch zu beschreiben" sagte Oliver Baumgarten, der Programmleiter des Festivals und unterstrich die Wichtigkeit des Genres. Die Unternehmen Dillinger Hütte und Saarstahl stiften den mit 5.000 Euro dotierten neuen Preis, wie das das Festival in Saarbrücken mitteilte. Der Max Ophüls Preis gilt als eines der bedeutendsten Filmfestivals für Nachwuchsfilmer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Benannt ist es nach dem in Saarbrücken geborenen Regisseur Max Ophüls (1902-1957). Bisher wurden jährlich 15 Preise unter anderem in den Kategorien Spiel- Dokumentar- und Kurzfilm mit einem Gesamtwert von mehr als 100.000 Euro vergeben.

Ruhrtriennale-Chefin Carp bleibt

Sie soll sich an eine Resolution zum Umgang mit der BDS-Bewegung halten

Die Ruhrtriennale-Intendantin Stefanie Carp bleibt trotz Kritik an ihrem Umgang mit einer israelkritischen Band planmäßig weitere zwei Jahre im Amt. Allerdings solle sie einen Stellvertreter zur Seite gestellt bekommen, der die Organisationsabläufe verbessert, teilte der Aufsichtsrats nach einer außerordentlichen Sitzung mit. Vize wird ab sofort Jürgen Reitzler, der bislang künstlerischer Betriebsdirektor am Staatsschauspiel Dresden war. Mit Blick auf ihren künftigen Umgang mit der israelkritischen BDS-Boykott-Kampagne, sicherte Carp zu, sich an eine Resolution zu halten, die der NRW-Landtag nach dem Eklat verabschiedet hatte. Darin verurteilen die Landtags-Fraktionen die Bewegung als "klar antisemitisch". Sie solle keine Unterstützung finden. Carp wegen ihres Umgang mit der Band "Young Fathers" unter Druck geraten. Die Musiker unterstützen die Boykott-Kampagne BDS. Carp hatte die schottische Band erst ein, dann aus- und schließlich wieder eingeladen.

Baugenehmigung für Kathedrale Sagrada Familia

Die Kathedrale soll bis 2016 fertig gestellt werden

Barcelonas Wahrzeichen, die Kathedrale Sagrada Familia, kann endlich offiziell fertiggestellt werden - mehr als 130 Jahre nach Baubeginn. Stadtrat und Kirchenverwaltung schlossen eine entsprechende Kooperationsvereinbarung, wie die Gemeinde auf ihrer Webseite mitteilte. Demnach soll die Kathedrale bis zum 100. Todestag ihres Erbauers Antoni Gaudi fertiggestellt sein. Der Jugendstilkünstler starb am 10. Januar 1926 nach einem Tram-Unfall. Neben der offiziellen Baugenehmigung beinhaltet die Einigung auch, dass die Kirchenverwaltung 36 Millionen Euro an die katalonische Metropole zahlen soll. Damit sollen Maßnahmen zur besseren Verkehrsanbindung der Kathedrale sowie zur Sanierung von Nebenstraßen um die Sagrada Familia finanziert werden. Ebenso gehe es um die Verbreiterung der Eingänge zu der Kirche, die jährlich Millionen Menschen anzieht.

Wolfgang-Hahn-Preis für Jac Leirner

Die brasilianische Künstlerin ist die erste südamerikanische Preisträgerin

Der mit bis zu 100 000 Euro dotierte Wolfgang-Hahn-Preis geht im nächsten Jahr an die brasilianische Konzeptkünstlerin Jac Leirner. Die 57-Jährige arbeitet mit Alltagsobjekten wie Aufklebern, Geldscheinen oder Spuckbeuteln aus Flugzeugen, die sie zu Collagen zusammensetzt. "Zum ersten Mal zeichnen wir eine südamerikanische Künstlerin für ihr international relevantes Oeuvre aus", sagte Yilmaz Dziewior, Direktor des Museums Ludwig und Mitglied der Jury. Der Wolfgang-Hahn-Preis wird 2019 zum 25. Mal verliehen. Für das Preisgeld in Höhe von maximal 100 000 Euro erwirbt das Museum Ludwig Werke der Preisträgerin. Ihren Namen hat die Auszeichnung von dem Kölner Sammler und Restaurator Wolfgang Hahn (1924-1987).

Dreyfus für Lebenswerk als Comedy-Darstellerin geehrt

Die Auszeichnung wird seit 1997 verliehen

Julia Louis-Dreyfus ist für ihr Lebenswerk als Comedy-Schauspielerin mit dem Mark-Twain-Preis für Amerikanischen Humor geehrt worden. Für die 57-Jährige gab es in Washington eine Gala im Kennedy-Zentrum für Darstellende Kunst.
Louis-Dreyfus ist die 21. Preisträgerin. Kollegen und Weggefährten überschlugen sich mit Lob für die Schauspielerin, die mit der Kultsitcom "Seinfeld" in den 90ern Erfolge in der Rolle als Elaine Benes feierte und in jüngeren Jahren als US-Vizepräsidentin Selina Meyer in der Serie "Veep".

Afrikanische Filmemacher wollen Klischees bekämpfen

Das Projekt wird auch vom Entwicklungsministerium unterstützt

Eine Gruppe afrikanischer Dokumentarfilmer will mit Filmen verbreitete Klischees über Migration bekämpfen. Gefördert wird das Projekt "Generation Africa" vom Bundesentwicklungsministerium, der Robert Bosch Stiftung sowie der Deutschen Welle. Alle 45 Filmemacher stammen aus afrikanischen Ländern. Bisher seien Filme über Migration überwiegend von Europäern produziert worden, so die Initiatoren. Ein verbreitetes Klischee beziehe sich auf die Zielländer von Migranten: Die größte stattfindende Bewegung sei die Migration innerhalb Afrikas. Aber darüber werde kaum gesprochen, so die Initiatoren. An westliche Länder solle das Projekt die Botschaft senden, "dass die Stärke und Energie der afrikanischen Jugend eine viel wichtigere Geschichte ist als jene von Menschen, die beim Versuch nach Europa zu gelangen, sterben", so die Macher. Ab sofort sollen die Dokumentarfilme produziert und bis 2020 auch im deutschen Fernsehen ausgestrahlt werden.

Nachlass von Stephen Hawking wird versteigert

Der Erlös geht an Wohltätigkeitsgruppen

Das Auktionshaus Christie's versteigert 22 Gegenstände aus dem Nachlass von Stephen Hawking. Dazu gehörten ein Rollstuhl, komplexe Forschungsarbeiten sowie ein Drehbuch der Kultserie "Die Simpsons". Zu den Verkaufsschlagern dürfte Hawkings Doktorarbeit über die Ursprünge des Universums zählen, deren Schätzwert bei umgerechnet mindestens 113 000 Euro liegt. Die Erlöse gehen an Wohltätigkeitsgruppen. Gebote bei der Online-Versteigerung können zwischen dem 31. Oktober und 8. November abgegeben werden. Hawking starb am 14. März im Alter von 76 Jahren. Der Brite galt als einer der größten Wissenschaftler der Welt.

44 Millionen Dollar Schadenersatz

R&B-Sänger Usher muss Songschreiber bezahlen

Daniel Marino aus Philadelphia erhält 44 Millionen Dollar Schadenersatz, weil er an Einnahmen eines Hits für R&B-Sänger Usher übergangen wurde. Das berichtete der "Philadelphia Inquirer" nach einem Gerichtsurteil sowie einer Einigung der Beteiligten vergangene Woche. Der Songschreiber Marino hatte den Titel "Club Girl" mit zwei anderen Musikern geschrieben, bevor Usher ihn 2004 auf seinem Album "Confessions" unter dem Titel "Bad Girl" veröffentlichte. Marino hatte unter anderem Gitarren-Akkorde und Tempo verfasst, während seine Kollegen Beats und Text beisteuerten. Obwohl das Trio sich geeinigt hatte, Einnahmen an dem Song zu teilen, wurde Marino heimlich übergangen, als ein Mitarbeiter Ushers sie wegen des Titels kontaktierte. Usher gehört zu den erfolgreichsten R&B-Sängern. Besonders bekannt sind seine Titel "Yeah!", "Burn" und "U Got It Bad".

Karikaturist wird Ehrenlegionär

Orden für Schriftsteller und Illustrator Ungerer

Dem gebürtigen Straßburger Tomi Ungerer wird heute von Präsident Macron der Orden des Kommandanten der Ehrenlegion verliehen. Damit wird sein Beitrag zum französischen Kulturgut geehrt. Ungerers Werk ist nicht in einem Wort zu beschreiben. Von erotischer Satire über Werbeplakate bis hin zu zauberhaften Kindergeschichten kommt alles aus Ungerers Feder. In einem nach ihm benannten Museum in Straßburg sind viele seiner Bilder zu sehen, die auch seine Wirkungsgeschichte in Frankreich, Deutschland und den USA zeigen.

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Fazit

"Staatssicherheitstheater"Ein Ventil für Gegenwartsekel
Drei Männer lesen einen Stadtplan Berlin, den sie auf den Rücken eines vierten Mannes gelegt haben, der vor ihnen sitzt. (Harald Hauswald/Volksbühne Berlin)

In Leander Haußmanns "Staatssicherheitstheater" sieht unser Kritiker viele Männer mit Handtäschchen in krustigen Klamotten. Deren Stasi-Tätigkeit taugt Haußmann, um Abscheu über die Gegenwart auszudrücken. Doch mit dem Jahr 2018 hat das wenig zu tun.Mehr

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