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Länderreport | Beitrag vom 30.11.2018

Streit mit Deutscher JournalistenschuleDominieren Kritiker die Debatte über den Islam?

Von Michael Watzke

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Eine Teilnehmerin fotografiert das Podium mit Serap Güler (l-r, CDU), Staatssekretärin für Integration im Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration, Bülent Ucar, deutsch-türkischer Islamwissenschaftler und Religionspädagoge, Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland, und Horst Seehofer (CSU), Bundesminister des Innern (Kay Nietfeld/dpa)
Die Initiative „The Muslim Story“ will nach eigener Aussage nur erreichen, dass ausgewogener über den Islam berichtet wird. (Kay Nietfeld/dpa)

Wie kann man fair über den Islam berichten? Darum ging es in einem Seminar der Initiative "The Muslim Story" an der Deutschen Journalistenschule. Darin wurde angeblich vor liberalen Islamkritikern gewarnt. Nun fordern die namentlich Genannten eine Klarstellung.

Auf dem Facebook-Account von Ahmad Mansour berichtet der liberale Muslim derzeit von zwei Dingen: seiner Teilnahme an der Islamkonferenz in Berlin und seinem Streit mit der Deutschen Journalistenschule in München. Mansour beklagt...

"... dass eine journalistische Schule, die eigentlich renommiert ist, die für einen ausgewogenen, professionellen Journalismus steht, erlaubt, dass in ihren Reihen über uns diffamierend gesprochen wird. Dass unsere Expertise in Frage gestellt wird. Ohne dass wir die Möglichkeit haben, darauf zu reagieren und unsere Sicht zu schildern."
Ahmad Mansour, Psychologe und Programmdirektor der European Foundation for Democracy (Imago / Jens Jeske)Ahmad Mansour – ihm wird vorgeworfen, keine Kritik auszuhalten. (Imago / Jens Jeske)

Das hat Mansour nun in den sozialen Medien getan. Manche werfen ihm dort vor, er kritisiere gern, halte aber selbst keine Kritik aus.

"Es geht nicht darum, dass wir keine Kritik aushalten können. Im Gegenteil. Ich finde es wichtig, dass man uns kritisiert. Dass man mit unserem Argument umgeht, dass wir bestimmte Probleme haben, die wir ansprechen müssen. Und zwar vertieft, sachlich und differenziert. Aber zu sagen, dass man sie ‚erlösen sollte von Experten, die keine sind‘ – und dass man ‚über den Islam positive Geschichten erzählt‘ statt über die Realität und das, was eigentlich in der Welt passiert – das hat meiner Meinung nach mit Journalismus nichts zu tun."

War es eine Warnung?

Die Gründerin von "The Muslim Story", Nabila Abdel Aziz, sitzt im Foyer des Bayerischen Rundfunks. Dort arbeitet die 29-Jährige als freie Journalistin. Sie sagt, sie habe im DJS-Seminar nie vor Mansour und seinen Kollegen gewarnt. 
 
"Die drei Namen sind gefallen, weil wir darüber diskutiert haben: Wer ist Islam-Experte und wer ist Islam-Kritiker? Wie wir es formuliert haben: Erlöst uns von Experten, die keine sind. Das ist eine Formulierung, die anecken kann. Was wir damit meinen, ist, bei jeder konkreten Fragestellung sich zu überlegen: Mit wem spricht man da am besten? Wer ist für diese konkrete Fragestellung Experte?"

Abdel Aziz wehrt sich gegen Mansours Behauptung, sie sei eine "Islam-Lobbyistin". Sie wolle mit "The Muslim Story" nur erreichen, dass Medien in Deutschland über den Islam gerechter berichteten.

"Und wir finden, eine faire Islam-Berichterstattung kann so erreicht werden, indem mehr Stimmen gehört werden. Mehr unterschiedliche Stimmen. Auch z.B. die von Atheisten, die gar nicht gläubig sind, aber unter anti-muslimischem Rassismus leiden, weil sie Ali heißen oder dunkle Haare haben."

Die Schulleiterin will sich nicht äußern

Die Deutsche Journalistenschule sagt, ihre Schüler ließen sich von niemandem etwas in den Block diktieren. Auch nicht von Dozenten. Zu näheren Hintergründen des Streits möchte sich Schulleiterin Henriette Löwisch nicht öffentlich äußern, weil...

"... das, was in Schulveranstaltungen gesagt wird, vertraulich ist. Damit eine sehr offene Diskussion stattfinden kann. Das andere ist, dass wir uns nicht an der Verbreitung von Gerüchten oder ehrverletzenden Diskussionen beteiligen."  

Ahmad Mansour ist mit dieser Erklärung unzufrieden. Ihn ärgert...

"... wie die Schule und die Leiterin mit der Situation umgeht. Denn sie hätte natürlich mit uns sprechen und das ein bisschen erklären können. Aber auch in ihrer Erklärung von ‚Ehrenverletzung‘ zu sprechen und von ‚unsachlicher Kritik‘, das ist viel zu wenig für eine journalistische Schulleiterin."

Bald wollen sich die beiden Seiten treffen

Mansour und seine Kollegen haben inzwischen "The Muslim Story" kontaktiert. Man habe sich geeinigt. Mansour hat auf seinem Facebook-Account ein Foto gelöscht, das die "Muslim Story"-Gründerinnen mit DJS-Schulleiterin Löwisch zeigt. Und Nabila Abdel Aziz zieht den Vorwurf zurück, Reporter Constantin Schreiber habe bei seinem "Moschee-Report" unsauber recherchiert. Demnächst wollen sich beide Seiten treffen. Vielleicht sogar an der Journalistenschule?

"Wir haben definitiv nichts dagegen, aber das muss im Endeffekt die Schulleitung entscheiden."

"Das DJS-Team entscheidet immer ganz unabhängig, wen wir zu Veranstaltungen einladen. Mir ist es wichtig, Referentinnen und Referenten vorher persönlich zu sprechen."

"Ich muss nicht hingehen, wenn die Schule mich nicht haben will. Was ich will, ist eine Garantie, dass in Journalistenschulen ausgewogen über so ein sensibles und wichtiges Thema gesprochen wird. Ich bin kein Heiliger und erwarte nicht, dass man mit mir kritiklos umgeht. Ich freue mich auf Kritik, auf sachliche Kritik. Und deshalb ist mir wichtig, mit ‚The Muslim Story‘ darüber zu reden."   

Länderreport

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