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Tonart | Beitrag vom 22.02.2018

StreamingdiensteSchmeißt Spotify die Ladenhüter aus dem Angebot?

Marcus Kleiner im Gespräch mit Martin Böttcher

Die App Spotify ist auf einem iPad zu sehen.  (dpa / picture alliance / Ole Spata)
Die App Spotify ist auf einem iPad zu sehen. (dpa / picture alliance / Ole Spata)

Der Großteil der Musik, die Streamingdienste wie Spotify anbieten, wird gar nicht gehört. Wäre es nicht wirtschaftlich sinnvoll, diese Musik aus dem Angebot zu streichen? Ja, findet der Medienwissenschaftler Marcus Kleiner. Denn den Diensten gehe es allein um den Mainstream.

90 Prozent des Musikkatalogs von Spotify werden im Grunde nicht gehört. Für ein wirtschaftlich orientiertes Unternehmen macht es daher keinen Sinn, diese Titel im Programm zu haben. Die Folge: mehr Hithits, weniger Nischenmusik. Das behauptete zumindest vor einer Woche unser Gesprächspartner Damon Krukowski.

Die Faulheit der digitalen Nutzer

Der Medienwissenschaftler Marcus Kleiner hält es für wahrscheinlich, dass ein Anbieter wie Spotify tatsächlich sein Angebot reduziert. Es sei Realität, dass die Nutzer der Dienste nur wenige Bands und Songs auswählten. Digitale Nutzer seien faul. Auch wenn sie theoretisch die Möglichkeit hätten, viel Neues zu entdecken, seien sie doch mehrheitlich darauf aus, die größten Hits der Charts vorgesetzt zu bekommen, am besten schon in einer vorausgewählten Liste. "Man hat gar keine Lust, keine Zeit, sich auf 40 Millionen Songs einzulassen, weil das ja eine Lebensaufgabe wäre, sich da durchzuhören."

Wie sichern wir unsere Pop-Kultur?

Die Frage, wie man Pop-Archive sichere, stelle sich daher natürlich auch. "Das kann nicht rein digital stattfinden", sagt Kleiner. Pop-Kultur sei eine bewahrenswerte Kultur, es sei aber nicht klar, wie sie erhalten werden könne, so dass sie noch in Hundert Jahren zugänglich sei. Es heiße, im Netz sei alles vorhanden. Die Frage, was passiere, wenn die Cloud abgeschaltet werde, sei aber nicht beantwortet. Hier sieht er die Kulturpolitik in der Verantwortung.

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