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Studio 9 | Beitrag vom 28.11.2019

StraßenverkehrK(l)eine Regelkunde für Radfahrer

Von Vladimir Balzer

Ein Fahrradfahrer fährt auf einem Gehweg zwischen Passanten in Berlin-Kreuzberg.  (imago/Jochen Tack)
Radfahrer in Berlin: Mal besser ein paar Verkehrsregeln lernen, sagt Vladimir Balzer. (imago/Jochen Tack)

"Nur weil wir mit einem klimaneutralen Verkehrsmittel unterwegs sind, heißt das noch lange nicht, dass wir uns benehmen können, als gäbe es kein Morgen", meint Kulturjournalist und Fahrradfahrer Vladimir Balzer.

Jetzt haben wir uns genug über Auto- und Lkw-Fahrer aufgeregt. Über ihr rücksichtsloses Fahren auf Deutschlands Straßen. Und, ja, es gibt viel Grund dazu. Oft fahren sie zu schnell, überholen zu eng, scheren sich wenig um andere Verkehrsteilnehmer.

Aber jetzt müssen wir einmal unter uns reden. Ich meine jetzt: wir Fahrradfahrer. So geht das nämlich nicht weiter. Nur weil wir mit einem klimaneutralen Verkehrsmittel unterwegs sind, heißt das noch lange nicht, dass wir uns benehmen können, als gäbe es kein Morgen.

Lieber für die Verkehrswende demonstrieren 

Wer hat uns erlaubt, auf Bürgersteigen zu fahren? Niemand. Es ist verboten.

Es sei denn, wir haben ein kleines Kind dabei. Was für höchstens 10 Prozent von uns gilt. Also: runter von den Bürgersteigen! Die sind eh schon vollgestellt mit Zivilisationsmüll und viel zu eng für Fußgänger. Da ist für uns Radler einfach kein Platz mehr.

Und wir können uns auch nicht rausreden, die Straße sei zu gefährlich. Wenn sie das ist, dann müssen wir unserer Abgeordneten die Bude einrennen und sichere Straßen einfordern. Wegen mir auch demonstrieren für die Verkehrswende. Aber nicht auf dem Bürgersteig fahren.

Wer hat uns erlaubt, andere Fahrradfahrer rechts zu überholen? Niemand. Es ist verboten. Es weiß vielleicht nicht jeder: wir haben in Deutschland Rechtsverkehr. Das heißt: Man überholt links. Alles andere ist gefährlich.

Rot heißt: Stehen bleiben

Wer hat uns erlaubt bei Rot zu fahren? Niemand. Es ist verboten.

Und bitte jetzt nicht schon wieder rausreden: Die Ampeln seien nur für die gefährlichen Autofahrer relevant, Fahrradfahrer würden das nicht brauchen, die sind super vorsichtig und achten auf alles und so. Sogar wenn es so wäre: Wer bei Rot fährt, ist eine Gefahr für Andere. Die Farbe Rot bedeutet nämlich seit 100 Jahren im Straßenverkehr: stehen bleiben. Darauf verlassen sich eine Menge anderer Leute.

Es ist nämlich so: Wir sind nicht alleine auf der Straße. Da können wir uns noch so sehr aufregen über ignorante LKW-Fahrer und den bösen Autoverkehr. Wir selbst sind Teil dieses Verkehrs. Wir sollten das beherzigen, oder will jemand von Euch, dass Fahrradfahrer einen eigenen Führerschein machen müssen? Genau. Also, gute Fahrt.


Über das Radfahren der Zukunft haben wir in unserer Sendung "Studio 9 - Kultur und Politik am Morgen" mit dem Bundesgeschäftsführer des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs ADFC gesprochen. Burkhard Stork meint, der Raum in den Städten müsse unter allen Verkehrsteilnehmern gerechter verteilt werden. Und er lobt das Klimapaket der Bundesregierung: Für Bahn und Fahrrad stünden da "großartige Dinge" drin. 

Über Verkehrsminister Scheuer (CSU) sagt Stork: "Für uns alle überraschend - aber es wirkt stark so, als ob der Minister wirklich Spaß an dem Thema hat."

Der Bundesgeschäftsführer des ADFC, Burkhard Stork, im Hintergrund Demonstranten der Umweltschutzorganisation Greenpeace (picture alliance/Soeren Stache/dpa)Der Bundesgeschäftsführer des ADFC, Burkhard Stork (picture alliance/Soeren Stache/dpa)

Das vollständige Gespräch mit Burkhard Stork hören Sie hier:
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