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Tonart | Beitrag vom 09.07.2019

"Stranger Things" und SpotifySymbiose zwischen Serien und Playlisten

Von Mike Herbstreuth

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Ein Gruppe von Jugendlichensteht im Dunklen und schaut nach vorn. (Netflix)
Der gebannte Blick auf die mobilen Endgeräte - die dritte Staffel der Netflix-Serie "Stranger Things". (Netflix)

Die dritte Staffel der Streamingserie „Stranger Things“ ist raus. Der Kult hat durchschlagende Folgen auf Spotify: Schauspieler und tausende User legen entsprechende Listen an: mit Filmmusik, scheinbaren Lieblingssongs der Figuren und Podcastreihen.

Den RechteinhaberInnen der Musik von "The Clash" hätte wahrscheinlich nichts besseres passieren können als die Netflix-Serie "Stranger Things".

Der Clash-Hit "Should I Stay Or Should I Go" spielt eine zentrale Rolle in der ersten Staffel der Serie – und direkt nach der Premiere im Juli 2016 sind die Streamingzahlen des Songs laut Spotify weltweit um 30 Prozent angestiegen.

Aber auch Songs wie "Every Breath You Take" von "The Police" oder "Time After Time" von Cyndi Lauper, die in der zweiten Staffel der Serie prominent platziert sind, gehören auf Spotify zu den meistgehörten Songs in den unzähligen, von Userinnen und Usern selbst erstellten "Stranger Things"-Playlisten.

Und es müsste schon mit dem Teufel zugehen, wenn durch die neue, dritte Staffel "Stranger Things" nicht die Klickzahlen des 1984er Hits "NeverEnding Story" von Limahl durch die Decke gehen.

Ein Song, der in der neuen Staffel "Stranger Things" nicht einfach nur im Radio oder Hintergrund läuft, sondern sogar von Charakteren in der Serie gesungen wird – einmal in einer Szene, die fast wie ein Musikvideo gedreht ist.

Minutiöse Musikauswahl

Die Macher der Show, die Brüder Matt und Ross Duffer, haben also nicht übertrieben, als sie im Interview mit dem Online-Magazin "Complex" über die Wichtigkeit der Musik in "Stranger Things" gesprochen haben – wozu natürlich auch der unheilvolle Synthie-Score der Serie gehört.

"Wir waren früher ziemlich große Filmsoundtrack-Fans. Musik ist einer der Gründe, warum wir uns überhaupt in Filme verliebt haben", sagte Matt Duffer dem Magazin. "Deshalb hat es mich auch immer frustriert, wenn in Fernsehserien der Soundtrack stiefmütterlich behandelt wurde. Wenn entweder keine Musik lief oder nur sehr uninspirierte. Wir wussten, wie wichtig es ist, dass bei 'Stranger Things' die Musik perfekt ist. Daran hing der ganze Erfolg der Serie."

Das hat offensichtlich geklappt. Auch wenn die Gebrüder Duffer es mit der Pophistorie nicht immer ganz genau genommen haben: Da liefen zum Beispiel in der ersten Staffel, die 1983 spielt, schon mal Songs im Radio, die erst 1984 veröffentlicht wurden.

Mehr Klicks für Bands

Aber der Effekt zählt, und der ist laut Spotify extrem groß: über 17 Millionen Stunden sollen die Userinnen und User des Streaming-Diensts damit verbracht haben, die Musik der Serie zu hören. Was auch zeigt, wie lukrativ es mittlerweile für Musikerinnen, Musiker und Bands ist, einen Song prominent in einer Serie wie "Stranger Things" zu platzieren.

Da kann selbst ein Lied wie "Never Ending Story" aus der Versenkung in den Zeitgeist katapultiert werden – und in die Listen der meistgeklickten Songs der Streamingdienste.

Deshalb dürfte wohl schon jetzt jede Band, die 1986 einen halben Hit hatte, bei den "Stranger-Things"-Machern Sturm klingeln – in dem Jahr müsste die vierte Staffel der Serie spielen, wenn die Gebrüder Duffer ihren Rhythmus beibehalten.

Symbiose Netflix - Spotify

Und auch Spotify dürfte sich schon jetzt auf die nächste Staffel "Stranger Things" freuen. Denn "Spotify Hörer lieben die Musik von 'Stranger Things'", wie der Streamingdienst in einer Pressemitteilung stolz verkündet hat. Es ist mittlerweile zu so etwas wie einer Symbiose zwischen Netflix und Spotify geworden: Mehr Songs in einer beliebten Netflix-Serie, mehr Klicks für die Songs in den Playlisten zur Serie auf Spotify.

Das ging sogar so weit, dass Spotify letztes Jahr kurze Zeit einen "Stranger Things"-Modus eingeführt hat: Sobald man einen Song des Soundtracks der ersten beiden Staffeln der Serie abgespielt hat, hat sich das Design der Spotify-App verändert: Plötzlich sah man auf dem Bildschirm das Licht einer Taschenlampe und überall schwebten Sporen herum – wie im Upside-Down der Serie.

So ein Gimmick gab es dieses Jahr zur dritten Staffel nicht. Vielleicht, weil es nicht mehr nötig ist. Schließlich lieben Spotify-Hörer die Musik von "Stranger Things" ja schon.

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