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Studio 9 | Beitrag vom 23.07.2019

Strafen für Italien-TouristenBitte mehr davon!

Ein Standpunkt von Matthias Finger

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Zwei Touristinnen sitzen am Trevibrunnen in Rom. (picture alliance / dpa / Uwe Gerig)
Diese beiden Rom-Touristinnen machen es richtig: Am Trevi-Brunnen sitzen ist (noch) erlaubt, darin baden nicht. (picture alliance / dpa / Uwe Gerig)

Baden im Trevibrunnen? Kostet 500 Euro. Schlafen in einer Hängematte in Triest, 300 Euro. Drakonische Strafen für Touristen in Italien: Richtig so, meint unser Autor Matthias Finger, denn Dummheit gefährde das Überleben der Menschheit.

Das nenne ich mal eine super Idee: Touristen für vermeintlich ungebührliches Verhalten einfach bestrafen. Warum? Weil es bereits zu viele Touris gibt. 300 Euro für das Schlafen in einer Hängematte am Strand von Triest? Schadet dem Ruf Italiens und hält hoffentlich andere von der Reise dorthin ab. Gut so!

Da bleibt doch mehr Platz für mich. Auf Sizilien mussten wir unsere Sonnenliegen im letzten Strandabschnitt schon in Richtung Felsen drehen, um die Touristenmassen auszublenden. Als Deutscher möchte ich im Urlaub doch allein unter Einheimischen sein, um den fragilen Traum vom authentischen Auslandsurlaub zu leben. 

Baden im Trevibrunnen? Kostet 500 Euro und wäre auch in Berlin eine Ordnungswidrigkeit. Wer sich erwischen lässt, muss zahlen. Richtig so, denn Dummheit gefährdet – perspektivisch – das Überleben der Menschheit und gehört bestraft. Überhaupt wie jeder, der sich jetzt irrerweise in die Gluthölle Rom begibt: Alle Italiener weilen im Urlaub. Geschäfte, Galerien, Kneipen sind dicht. Wer baden will, soll nach Ostia fahren, 30 Minuten von der heißen Stadt entfernt. 

Strafzahlungen für einen guten Zweck

Natürlich übertreten Italiener auch gern Gesetze – allerdings muss man wissen, welche. Keine Parkgebühren zahlen? Ist o.k. Aber an der Rialto-Brücke mit dem Campingkocher Kaffee brühen, wie es zwei Berliner neulich gemacht haben? Das geht einfach nicht. Berlin und seine Einwohner sind bekanntlich arm. Aber ein Espresso kostet in Italien selten mehr als ein Euro. An der Bar im Stehen wohlgemerkt.

Als Faustregel gilt: Wenn kein anderer das macht, was ich gerade vorhabe, fange ich auch nicht damit an. Andere Länder, andere Sitten. Basta.

Sich in der Innenstadt von Venedig im Bikini sonnen? Geht eben nicht. Und wer doch mal Strafe zahlen muss, sollte das frohen Mutes tun: Italien ist ein gebeuteltes Land. Und jede Strafzahlung damit für einen guten Zweck.

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