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Fazit | Beitrag vom 11.06.2019

"stopantisemitismus"-InitiativeGewappnet gegen den Antisemitismus im Alltag

Nina Smidt im Gespräch mit Vladimir Balzer

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Der mit Graffiti verunzierte Eingang zum Jüdischen Friedhof an der Schönhauser Allee in der Nähe des Kollwitzplatzes im Prenzlauer Berg in Berlin, aufgenommen 2007 (picture-alliance/ ZB/Peer Grimm)
Die Hilflosigkeit bei Antisemitismus im Alltag betreffe nicht nur Juden, sondern auch Außenstehende, die solche Konflikte mitbekämen, sagt Nina Smidt. (picture-alliance/ ZB/Peer Grimm)

Hilfe gegen Antisemitismus im Alltag bietet eine Initiative vom Bund und der Zeit-Stiftung. Auf einer Webseite versammelt sie mögliche Reaktionen auf antisemitische Äußerungen. Es gehe darum, Flagge zu zeigen, sagt Stiftungsmitarbeiterin Nina Smidt.

Strategien gegen Antisemitismus im Alltag will die gemeinsam Online-Initiative "stopantisemitismus" der Zeit-Stiftung * und des Antisemitismusbeauftragen der Bundesregierung, Felix Klein, entwickeln. Seit einem Jahr arbeite man mit einer Gruppe unterschiedlicher Experten und Institutionen zusammen, die sich ganz konkret im Alltag mit dem Thema "Antisemitismus bekämpfen" beschäftigen, sagt Nina Smidt im Deutschlandfunk Kultur. Smidt ist Mitarbeiterin der Zeit-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius.

Zur Expertengruppe zählten etwa die Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus und die Bildungsstätte Anne Frank. Bei den gemeinsamen Beratungen mit den Experten sei dann die Webseite "stopantisemitismus" entstanden, "auf der wir 35 Zitate vorstellen für antisemitische Äußerungen aus dem Alltag. Wir sagen, was steckt dahinter, wie kann man reagieren und wo bekommt man Hilfe."

Nicht nur Juden sind betroffen

Die Hilflosigkeit bei Antisemitismus im Alltag betreffe nicht nur Juden, sondern auch Außenstehende, die solche Konflikte mitbekämen. Dazu zählten beispielsweise Schulhofkonflikte mit "Scheiß Jude"-Tiraden ebenso wie negative antisemitische Stereotypen, bei denen bestimmte Eigenschaften mit dem Judentum verbunden würden – etwa der Behauptung, Juden müssten keine Steuern zahlen, sagt Smidt.

"Die Webseite ist ein Versuch, das Thema stärker sichtbar zu machen und zu zeigen, in welcher Fülle diese Äußerungen tagtäglich vorgebracht werden – und wie man sich da entsprechend positionieren kann."

Mehr Konflikte durch Zuwanderung

Dass antisemitische Taten zunehmen, habe zum einen mit einer Verrohung im Umgangston weltweit zu tun, erklärt Smidt. Vor dem Hintergrund zugewanderter Menschen sei Deutschland zudem ein Land, in dem ganz unterschiedliche Kulturen und Geschichten existierten. Dass Zugewanderte eben nicht nur positive Einstellungen gegenüber Israel und Juden hätten, damit müsse sich Deutschland kritisch auseinandersetzen.

Man wolle auch ein Bewusstsein dafür schaffen, das manche antisemitischen Äußerungen so tief in Deutschland verwurzelt sind, dass sie gar nicht mehr als judenfeindlich wahrgenommen würden.

"Ich bin der festen Überzeugung, das einzige, was wir tun können als zivilgesellschaftliche Akteure, ist Flagge zeigen, Kante zu zeigen. Wir wollen, dass es ein stärkeres Bewusstsein über diesen Sachverhalt gibt. Wir wollen pragmatisch gucken, was kann man eigentlich tun, welche Lösungsansätze kann man bieten und wie kann man sich entsprechen vernetzen."

Im Alltag bleibe im konkreten Moment einer antisemitischen oder sexistischen Äußerung immer die Frage, wann man aktiv werde. "Ich glaube in dem Augenblick, wo man besser gewappnet ist, besser vorbereitet ist, ist die Wahrscheinlichkeit, dass man etwas sagt, größer. Und wenn wir dazu beitragen können, ist das ein Erfolg."

(mle)

* Hier haben wir unsere Angabe zu den Trägern der Initiative präzisiert.

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