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Tonart | Beitrag vom 25.06.2018

Stimmung zur Fußball-WM Schlecht gelaunte Musiker

Von Marcel Anders

Sänger Robbie Williams und Sopranistin Aida Garafullina bei der Eröffnungsfeier der WM am 14.06.2018 in Moskau. (imago/Marc Schüler)
Von Robbie Williams Auftritt, hier mit Sopranistin Aida Garafullina, während der Eröffnungsfeier waren nicht alle begeistert. (imago/Marc Schüler)

Robbie Williams Auftritt zur WM-Eröffnung fanden viele geschmacklos, es gehe nur noch ums Geld und die Spiele seien auch enttäuschend. Bei Musikern wie Elton John kommt keine WM-Stimmung auf. Andere sind da entspannter.

"Vom internationalen Fußball habe ich die Nase voll. Ich schaue mir lieber Club–Fußball an – der ist besser. Die Nationalmannschaften spielen heute alle gleich und mit demselben System. Ganz abgesehen davon, gibt es nicht mehr die großen, individuellen Fußballer, die andere auf sich ziehen und wirklich torgefährlich sind. Es ist von Anfang bis Ende langweilig."

Eigentlich ist Elton John begeisterter Fußball-Fan. Doch über die WM in Russland rümpft er die Nase. Da gehe es nur ums Geld, es würde systematisches Staatsdoping betrieben, der Sport für die Politik instrumentalisiert und die Spielweise der meisten Nationalteams sei schlichtweg überholt. Kollegen wie Noel Gallagher, Tom Smith von den Editors oder Paul Weller sehen es ähnlich – gerade im Hinblick auf das englische Team.

"Sie sind halt immer so schlecht, dass es eine riesige Enttäuschung ist. Von daher mache ich mir nicht allzu viel Hoffnung. Ich schaue mir die WM an, bis sie rausfliegen. Aber vielleicht überraschen sie uns ja auch – selbst, wenn ich nicht daran glaube. Schließlich reden wir immer noch von 1966 oder wann das war."

Extra nach Moskau geflogen

Echte Begeisterung klingt anders. Bei einer WM ohne Großkaliber wie Italien oder Holland kein Wunder. Zumal die Veranstaltung bislang kaum Überraschungsteams oder Achtungserfolge vermeintlicher Underdogs aufweist. Dafür sind die Favoriten dieselben wie immer: Brasilien, Spanien, Frankreich und Deutschland. Für die Vorrunden-Auftritte von Jogis Jungs ist Johannes Strate, Sänger von Revolverheld, sogar eigens nach Moskau geflogen.

"Ich glaube, wir haben dieses Jahr ein Superteam. Also mit Toni Kroos, Özil und gerade – bei ManCity – mit Gündogan. Das sind wirklich Weltklassespieler. Und ich traue uns auf jeden Fall einen Titel zu. Klar, das muss der Anspruch sein."

Bei Strate stimmt der Spirit. Und auch für erklärte Fußballfanatiker wie Ricky Martin, Robert Smith von The Cure oder Jim Kerr von den Simple Minds ist die WM längst nicht nur reiner Kommerz, sondern immer noch ein Event. Ein vierwöchiges Fest, das man – so sagt Kerr – am besten mit Freunden und Familie genießt, und das im Grunde mehrere Sieger verdient.

"Meine Enkelkinder sind aus London und sagen zu mir: ´Großvater, du willst doch bestimmt, dass England gewinnt. Oder?` Da kann ich nur antworten: ´Na ja…` Aber gleichzeitig denke ich auch: ´Deutschland war immer gut zu mir – was wäre meine Karriere ohne dieses Land? Ich unterstütze Deutschland!` Und da mein Neffe Franzose ist, fiebre ich mit Frankreich. Ich will, dass alle gewinnen."

Gewinner sind schon jetzt Putin und die FIFA

Egal, wer Weltmeister wird: Gewinner sind schon jetzt Putin und die FIFA. Die Macher der WM, die sich resistent gegen jede Form von Kritik zeigen, sich ungeniert die Taschen vollmachen und einfach schlechten Geschmack beweisen. Sei es bei der Eröffnungsfeier mit Robbie Williams, aber auch beim offiziellen WM-Song. Der sorgt nicht nur beim britischen Singer/Songwriter Jonathan Jeremiah für Entsetzen. Der Barde hatte sich für die WM in Brasilien an einer gehaltvolleren Hymne versucht – wurde aber abgelehnt.

"Als ich vor ein paar Jahren in Berlin war, wurde mir angeboten, den WM-Song 2014 zu schreiben. Also habe ich sämtlich Fan- und Schlachtgesänge der letzten 300 Jahre recherchiert – und wunderbare Stellen in einigen Nationalhymnen gefunden. Sachen, die man aus voller Kehle mitsingen kann. Doch als ich das meinem Auftraggeber vorspielte, meinte er: ´Ich verstehe nicht, was du da tust – das sind zu viele Worte.` Seine Theorie war, dass Musik heute selbst von meinem Hund verstanden werden muss. Das Vokabular darf also nicht mehr als acht Worte betragen. Das ist es, was sie wollen."

Tonart

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