Seit 18:00 Uhr Nachrichten

Sonntag, 21.04.2019
 
Seit 18:00 Uhr Nachrichten

Feiertag - Kirchensendung / Archiv | Beitrag vom 24.12.2017

"Stille Nacht, Heilige Nacht"Die bewegte Geschichte des ewigen Weihnachtsliedes

Von Martin Korden, Köln

Blick auf die verschneite Stille-Nacht-Kapelle in Oberndorf in Österreich. In dieser Kapelle wurde 1818 zum ersten Male das Weihnachtslied "Stille Nacht, heilige Nacht" gesungen. (picture-alliance / dpa)
Blick auf die verschneite Stille-Nacht-Kapelle in Oberndorf in Österreich. In dieser Kapelle wurde 1818 zum ersten Male das Weihnachtslied "Stille Nacht, heilige Nacht" gesungen. (picture-alliance / dpa)

Es ist das weltweit bekannteste Weihnachtslied. Es gehört zum Kulturerbe, weil es laut UNESCO die Art und Weise repräsentiert, wie und warum man Weihnachten feiert. Doch was ist das Geheimnis hinter Melodie und Text von "Stille Nacht, Heilige Nacht", dass es in der Heiligen Nacht in über 300 Sprachen weltweit erklingt? Martin Korden geht der bewegten Geschichte des ewigen Weihnachtsliedes auf den Grund.

"Ich denke, 'Stille Nacht, heilige Nacht!' wäre als das Welt-Friedenslied prädestiniert wie kaum ein anderes Lied auf dieser Erde!" (1)

Das sagt kein geringerer als der große spanische Opernsänger Placido Domingo. Stille Nacht, Heilige Nacht - heute, am Heiligen Abend, wird dieses Lied weltweit von zweieinhalb Milliarden Menschen auf fünf Kontinenten gesungen. In mehr als 350 Sprachen und Dialekte wurde das Lied bislang übersetzt. Auf der Südseeinsel Samoa wird es heute genauso selbstverständlich gesungen, wie bei den Innuit in der Arktis, wo die erste Zeile in etwa so lautet: "Jutdlime Kimsugtut".

Zweifelsohne ist die Melodie von "Stille Nacht" die bekannteste auf der ganzen Welt. Die UNESCO hat das Lied darum in die Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Stille Nacht, Heilige Nacht stehe repräsentativ für das Feiern von Weihnachten, so die Begründung.

Entstanden ist das Lied vor fast genau 200 Jahren in Österreich, genauer gesagt in Oberndorf, einem kleinen Ort im Salzburger Land. Dort hat es der Pfarrer gemeinsam mit dem Organisten der Kirche zum ersten Mal aufgeführt – wie sollte es anders sein – in der Christmette der Heiligen Nacht im Jahr 1818. Heute steht dieses Lied wie kein anderes für eine ganz besondere Stimmung, die man zum einen mit dem Weihnachtsfest verbindet, die zum anderen aber auch eine Art Sehnsucht nach Frieden und Geborgenheit auslöst. Diese Wirkung muss jedenfalls schon bei den ersten Hörern des Liedes groß gewesen sein – anders ist die rasante Verbreitung des Weihnachtsliedes nicht zu erklären. Denn schon wenige Jahre später wird das Lied in Leipzig vorgetragen, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts taucht es bereits in Gesangbüchern in Schweden, England und Britisch-Indien auf. Und in Amerika wird "Silent Night" zu diesem Zeitpunkt schon als das Weihnachtslied schlechthin gesungen, so dass man dort bis in die 1940er Jahre weitestgehend annimmt, es handle sich um ein einheimisches Volkslied.

Zahlreich sind die Legenden und Deutungen rund um den christlichen Welterfolg, die davon erzählen, wie Pfarrer und Organist in dem kleinen österreichischen Dorf überhaupt darauf kamen, diese Melodie mit den im Original dazugehörenden sechs Strophen zu erfinden. Oft erzählt und verfilmt ist die Begebenheit, die sich in den Schützengräben des Ersten Weltkrieges zugetragen haben soll, am Heiligen Abend 1914, als die verfeindeten Parteien plötzlich gemeinsam über die Gräben hinweg "Stille Nacht" sangen und sich daraufhin auf einen wenn auch nur kurz währenden Weihnachtsfrieden einigten.

Es lohnt sich also, der bewegten Geschichte und dem Geheimnis dieses Friedens- und Weihnachtsliedes auf den Grund zu gehen und hinzuhören, auf die verschiedenen Versionen von Stille Nacht, Heilige Nacht. Wie etwa die von US-Sänger Bing Crosby: Sein "Silent Night" gehört mit 30 Millionen Exemplaren bis heute zu den meist verkauften Tonträgern aller Zeiten.

Ein Lied gegen die Hoffnungslosigkeit

Heute vor genau 199 Jahren erklang es zum ersten Mal: Das "Stille Nacht, Heilige Nacht". Während der Christmette am Heiligen Abend in der Kirche St. Nikolaus in Oberndorf. Es muss eine besonders schwere Zeit gewesen sein: Halb Europa ächzte unter den Folgen der Kriege, mit denen Napoleon den Kontinent überzogen hatte. Die Ernten waren schlecht, Bäcker mussten das Brot mit Sägemehl strecken, viele Säuglinge starben. Die Salzschifffahrt, von der die Männer in Oberndorf an der Salzach vorwiegend leben, kommt zum Erliegen. Der Ort selbst liegt an der Grenze zwischen Bayern und Österreich, wird mal dem einen, mal dem anderen Teil zugeschlagen. Die Sehnsucht nach besseren Zeiten ist in Oberndorf groß – aber auch die Hoffnungslosigkeit.

Mitten in diese Zeit hinein ist es vor allem dem Zusammenkommen zweier Menschen an diesem trostlosen Ort zu verdanken, dass das bekannteste Weihnachtslied der Welt entsteht. Der eine ist Joseph Mohr. 26 Jahre alt und seit einem Jahr Hilfspriester in Oberndorf. Der andere ist der Organist der St. Nikolaus Kirche und der Lehrer im Ort: Franz-Xaver Gruber, 31 Jahre alt. Beide eint nicht nur der Glaube sondern auch das musikalische Talent. Mohr soll schon zur Schulzeit Gesangs- und Violinunterricht bekommen haben. Zudem ist er ein begeisterter Gitarrenspieler. Gruber wiederum soll schon seit seinem 11. Lebensjahr an der Orgel gesessen haben. Der Priester und der Organist schienen sich also gegenseitig beflügelt zu haben, als es unmittelbar vor der Christmette 1818 in Oberndorf zur Komposition von "Stille Nacht, Heilige Nacht" kam. Der österreichisch-deutsche Fernsehfilm "Das ewige Lied" thematisiert die schaurig-schöne Sternstunde. Nach mehreren schweren Schicksalsschlägen in Oberndorf steht das bevorstehende Weihnachtsfest unter keinem guten Stern. Die Orgel in der Kirche ist ausgefallen. So sitzt Priester Mohr, gespielt von Tobias Moretti, mit seiner Gitarre in der Stube, daneben am Spinett der Organist Gruber, gespielt von Heio von Stetten. Die zaghaften Versuche des Priesters, das herzerwärmende Lied der Hoffnung zu erfinden, versucht der Organist zeitgleich in eine musikalische Form zu gießen und auf dem Notenblatt festzuhalten.

Der Priester spielte das Lied auf der Gitarre und sang dazu

Soweit die filmische Ausgestaltung. Nachforschungen haben ergeben, dass es tatsächlich nicht ganz so spontan zuging bei der Komposition des Liedes. Denn eine eigenhändige Niederschrift von Joseph Mohr belegt, dass der junge Priester den Text des Liedes bereits zwei Jahre zuvor niedergeschrieben hatte, auf seiner vorigen Stelle. Organist Mohr soll am Heiligen Abend 1818 die Melodie dazu verfasst haben – so ergibt es sich aus jenem alten Schriftstück von Mohr, auf dem der Notensatz zum Lied mitsamt der Strophen zu sehen ist. Das Besondere dabei: Neben der Melodiestimme findet sich dort eine zweite Singstimme sowie  eine Begleitung für die Gitarre. Daraus hat man dann geschlossen, dass möglicherweise die Orgel in Oberndorf defekt gewesen sein muss, warum sollte man ein Kirchenlied ausgerechnet mit der Gitarre begleiten? Doch hier verweisen manche Beobachter auf die Jahreszahl: 1818, das waren schon die Anfänge der Romantik – eine Gitarre zur Begleitung eines Liedes, das möglicherweise bewusst zu Herzen gehen sollte, muss von daher nicht ungewöhnlich gewesen sein. Fakt ist – so beweisen es heute vor allem die erhaltenen Niederschriften des Organisten Gruber, dass er und Priester Mohr das Lied erstmals in jener Heiligen Nacht zusammen sangen und Mohr dazu auf der Gitarre spielte. Die Ausführungen zu dieser denkwürdigen Christmette in der Oberndorfer Kirche schließt Franz-Xaver Gruber mit diesen Worten ab:

"Die Ergriffenheit derer, die an der Messe teilgenommen haben, war eine echte." (2) 

Sechs Strophen – von denen es nur drei in die Liederbücher schaffen

Von der damals gesungenen Orginal-Version des Liedes haben es im Allgemeinen nur drei Strophen in die Liederbücher geschafft. Joseph Mohr verfasste jedoch sechs. Der junge Priester, dem eine große Volksnähe nachgesagt wurde, wollte darin vor allem den Trost des Weihnachtsfestes leicht verständlich in die deutsche Sprache bringen.

Stille Nacht! Heilige Nacht! Alles schläft. Einsam wacht
Nur das traute heilige Paar. Holder Knab’ im lockigten Haar,
Schlafe in himmlischer Ruh! Schlafe in himmlischer Ruh!

Stille Nacht! Heilige Nacht! Gottes Sohn! O! wie lacht
Lieb’ aus deinem göttlichen Mund, Da uns schlägt die rettende Stund’.
Jesus! in deiner Geburt! Jesus! in deiner Geburt!

Stille Nacht! Heilige Nacht! Die der Welt Heil gebracht,
Aus des Himmels goldenen Höh’n Uns der Gnade Fülle läßt seh’n
Jesum in Menschengestalt! Jesum in Menschengestalt!

Stille Nacht! Heilige Nacht! Wo sich heut alle Macht
Väterlicher Liebe ergoß Und als Bruder huldvoll umschloß
Jesus die Völker der Welt! Jesus die Völker der Welt!

Stille Nacht! Heilige Nacht! Lange schon uns bedacht,
Als der Herr vom Grimme befreyt, In der Väter urgrauer Zeit
Aller Welt Schonung verhieß! Aller Welt Schonung verhieß!

Stille Nacht! Heilige Nacht! Hirten erst kundgemacht
Durch der Engel "Halleluja!" Tönt es laut bey Ferne und Nah:
"Jesus der Retter ist da!" "Jesus der Retter ist da!" (3)

Wer genau hingehört hat, dürfte erkannt haben, dass man von diesem Original heute üblicherweise die 1. Strophe, dann die 6. und abschließend die 2. Strophe singt.

Die 3.- 5. lässt man meistens weg – dabei sind es eigentlich diese drei ausgelassenen Strophen, die die theologische Aussage des Liedes von Priester Mohr über das Weihnachtsgeschehen am stärksten wiedergeben: In dem da geborenen Kind ist es Gott selbst, der auf die Welt kommt. In Jesus umschließt die Liebe Gottes die Völker der Welt brüderlich. Hier wird wahr, was die Gläubigen schon lange ersehnten: Denn Gott sagt den Menschen in diesem Kind zu, ich bin einer von euch und einmal wird alles gut sein.

Für die Ergriffenheit der Oberndorfer, von der Organist Gruber berichtete, sorgte sicher nicht nur dieser Text sondern wohl mehr noch dessen Vertonung. Musikanalytiker sehen das Erfolgsrezept von "Stille Nacht, Heilige Nacht" in den selig machenden Terzen, dem wiegenden Sechs-Achtel-Takt und der schlichten harmonischen Folge von Tonika, Dominante und Subdominante. Für weniger geschulte Ohren ist es schlicht und ergreifend eine Melodie für die Ewigkeit, die schnell im Ohr bleibt und tief ins Herz geht. Das muss jedenfalls der Grund gewesen sein, warum sich das Lied so schnell verbreitet hat. Als ein paar Jahre nach der Uraufführung der Orgelbauer Carl Mauracher aus Tirol nach Oberndorf kommt, um in der St. Nikolauskirche ein neues Orgelwerk einzubauen, wird er aufmerksam auf das hier gern gesungene Weihnachtslied. Er lässt sich vom Organisten die Noten geben und von da an gibt es kein Halten mehr.

Tiroler Sängerfamilien tragen das Lied in die Welt

Ein Grund dafür ist auch, dass angesagte Konzerthäuser im benachbarten Deutschland damals besonders gerne echte Tiroler Gesangskunst buchen. Auf Tour geht so auch die Handschuhmacherfamilie Strasser aus dem Zillertal. In Leipzig führt sie um 1830 ein Weihnachtskonzert auf und hat dabei auch das Lied aus Oberndorf im Repertoire. Die Zuhörer sind so begeistert, dass sie die Familie gleich für das nächste Jahr wieder buchen, mit der Auflage, dass dieses neue Weihnachtslied wieder dabei sein muss. Daraufhin erscheint in Leipzig die erste offizielle Druckversion von "Stille Nacht, Heilige Nacht" in einer Sammlung unter dem Titel: "Vier ächte Tyroler Lieder". Eine weitere Tiroler Familie nimmt das Lied sogar mit zu Auftritten in die USA und vor die englische Königsfamilie. Der Erfolg ist überall der gleiche und 20 Jahre später ist "Stille Nacht, Heilige Nacht" ein weit bekanntes Weihnachtslied. Zugeschrieben wird es damals jedoch meist dem Salzburger Komponisten Johann Michael Haydn. Die königliche Hofkapelle in Berlin hat daran so ihre Zweifel. Sie will es genau wissen und fragt 1854 das Benediktinerstift in Salzburg um Angaben zur Herkunft des Liedes. Dort weiß man tatsächlich besser Bescheid und bittet jenen Franz-Xaver Gruber, der mittlerweile mit fast 70 Jahren hochbetagt ist, um eine Niederschrift seiner Erinnerungen. Der frühere Oberndorfer Organist kommt diesem Wunsch dann auch nach:

"Am 24. Dezember des Jahres 1818 überreichte der damalige Hilfspriester bei der neu errichteten Pfarre St. Nicola in Oberndorf dem Organisten Franz Gruber ein Gedicht, mit dem Ansuchen eine hierauf passende Melodie für 2 Solostimmen samt Chor und eine Gitarre-Begleitung schreiben zu wollen. Gruber überreichte noch am 24. Dezember dem Musik kundigen Mohr seine Komposition. Da diesem das Lied gefiel, wurde es noch am selben Abend in der Christmette gesungen. Mohr sang dabei Tenor und übernahm die Begleitung mit der Gitarre, Gruber sang Bass." (4)

"Stille Nacht, Heilige Nacht". Kein anderes Lied steht so für das Gefühl der Weihnacht. Doch was ist das eigentlich für ein Gefühl, das über das Singen dieses Liedes anscheinend transportiert wird? Die UNESCO schreibt in der Begründung für die Aufnahme des Liedes in das Kulturerbe: Es repräsentiere die Art, wie das Weihnachtsfest gefeiert wird. Es thematisiere den Wunsch der Menschen nach allumfassendem Frieden. "Stille Nacht, Heilige Nacht" vermittele ein Gefühl der Zusammengehörigkeit und fördere den zwischenmenschlichen Austausch und das gegenseitige Verständnis.

So mancher mag da protestieren gegen die anscheinend wundertätige Wirkung, die diesem Lied hier zugeschrieben wird. Denn nicht wenige empfinden "Stille Nacht, heilige Nacht" auch gerade als kitschig, die dabei erzeugte Atmosphäre als aufgesetzt. Und doch könnte sich die UNESCO mit ihrer Begründung berufen auf ein Ereignis am Heiligen Abend im Jahr 1914.

Legendärer Weihnachtsfrieden von 1914 eine Folge dieses Liedes?

Damals im Ersten Weltkrieg soll es an der Westfront im heutigen Grenzgebiet zwischen Belgien und Frankreich zu einer Art spontanem Weihnachtsfrieden gekommen sein. Dass zu Weihnachten Kampfhandlungen auch teilweise eingestellt wurden, hat man zu allen Zeiten immer wieder gehört. Doch hier soll es zwischen den Schützengräben von Deutschen, Briten und Franzosen weit darüber hinausgegangen sein. Aus mehreren Tagebucheinträgen von Soldaten wird dabei oft von Geschehnissen rund um den Ort Ypern in Flandern berichtet. Am Abend des 24. Dezember soll plötzlich aus den deutschen Schützengräben das "Stille Nacht, Heilige Nacht" angestimmt worden sein. Als das Lied beendet war sollen die Briten auf der anderen Seite applaudiert und ihrerseits gesungen haben, worauf die Deutschen wiederum kleine geschmückte Tannenbäume auf die Gräben stellten, sichtbar für den Gegner. So kam eines zum anderen, Deutsche und Engländer sollen schließlich aus ihren Gräben heraus aufeinander zu gekommen sein, gemeinsam Tabak und Getränke ausgetauscht haben. Die Aufzeichnungen berichten sogar von einem gemeinsamen Gottesdienst am Heiligen Abend. Dabei sei der biblische Psalm 23 gebetet worden: "Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen", zuerst auf Englisch vom deutschen Regimentspfarrer gesprochen, dann auf Deutsch von einem englischen Studenten. Der britische Lieutenant Arthur Pelham Burn schrieb in seinem Tagebuch:

"Die Deutschen standen auf der einen Seite zusammen, die Engländer auf der anderen. Die Offiziere standen in der vordersten Reihe, jeder hatte seine Kopfbedeckung abgenommen. Ja, ich glaube dies war ein Anblick, den man nie wieder sehen wird." (5)

Andere Berichte sprechen sogar von einem gemeinsamen Fußballspiel, das Engländer und Deutsche im sogenannten Niemandsland, dem Gebiet zwischen den Frontlinien, ausgetragen haben sollen. Die britische Band The Farm hatte 1991 ihren größten Hit mit einem Song, der diese Ereignisse beschrieb: "All together Now".

Am Anfang des Weihnachtsfriedens von 1914 in Flandern stand das spontane Singen von "Stille Nacht, Heilige Nacht". Für Placido Dominguez ist es das ideale Welt-Friedenslied. Vielleicht, weil es die Sehnsucht nach Frieden weckt. Die Sehnsucht nach Liebe. Die Sehnsucht nach Licht in der Dunkelheit. All das vereint die christliche Hoffnung im Weihnachtsfest: Die Hoffnung, dass in dem holden Knaben im lockigen Haar, dessen Geburt die Christen in der Heiligen Nacht feiern, das Licht zu finden ist. Wenn Gott sich selbst ausgerechnet in der Gestalt dieses wehrlosen Kindes schenkt, dann zeigt er, dass er die Menschen liebt – und wiederum geliebt werden will. Nicht ein mächtiger König, kein großer Herrscher vermittelt glaubhafte Hoffnung, sondern ein Kind. Das Wunder der Geburt eines Kindes zeigt, dass die Liebe letztlich siegt. Das ist die Sehnsucht von Weihnachten, die der Priester Mohr und der Organist Gruber in ein Lied für die Ewigkeit einhüllten. Und wer es singt, mag spüren, was der deutsche Benediktinerpater Anselm Grün so formuliert:

"In meiner Sehnsucht nach Liebe ist schon Liebe.
In meiner Sehnsucht nach Licht ist schon Licht.
In meiner Sehnsucht nach Frieden ist schon Frieden." (6)

______________

Die redaktionelle und inhaltliche Verantwortung für diesen Beitrag liegt bei Martin Korden, Senderbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für Deutschlandfunk Kultur.

Zitate:

(1) zitiert nach: http://www.stillenacht.at/de/welt-friedenslied.asp

(2) zitiert nach: http://www.nachrichten.at/nachrichten/kultur/Stille-Nacht-Heilige-Nacht;art16,525880

(3) zitiert nach: https://de.wikipedia.org/wiki/Stille_Nacht,_heilige_Nacht#Originaltext_und_gebr%C3%A4uchliche_Fassung

(4) vgl.: Franz Xaver Gruber: Authentische Veranlassung, 30. Dezember 1854, Hallein; Stille-Nacht-Archiv.

(5) zitiert nach: https://de.wikipedia.org/wiki/Weihnachtsfrieden_(Erster_Weltkrieg)#cite_note-1

(6) aus: Franziskaner in Bardel: Bardeler Adventsmeditationen 2017; Verlag Dom Buchhandlung, Osnabrück 2017, 22.

Mehr zum Thema

Zehn Buchempfehlungen - Die besten Weihnachts- und Winterbücher für Kinder
(Deutschlandfunk Kultur, Lesart, 13.12.2017)

Warum wir Weihnachten so sehr lieben
(Deutschlandfunk Kultur, Religionen, 22.12.2012)

Weihnachten - Die Schönheit des Glaubens
(Deutschlandfunk Kultur, Aktuell, 24.12.2014)

Feiertag

ÜbersichtKirchensendungen im Deutschlandfunk Kultur
Ein Paar Kopfhöhrer liegt auf einer Bibel (imago / fotoimedia)

Beiträge aus den katholischen und evangelischen Kirchensendungen finden Sie in unserer Mediathek zum Nachhören. Zusätzliche Informationen gibt es im Internet auf den Seiten des Medienbeauftragten der evangelischen Kirche in Deutschland sowie den Seiten der Hörfunkbeauftragten der Katholischen Kirche.Mehr

Organspende, eine Herzenssache?Wenn der Tod Leben rettet
Portemonnaie mit Organspendeausweis (imago/Steinach)

Organspenden gehen zurück, gleichzeitig steigt der Bedarf. Das Thema wird nicht nur aufgrund des Skandals manipulierter Wartelisten schärfer diskutiert. Stefan Förner spricht im Feiertag über die Erfahrung mit einer Organspende im Freundeskreis.Mehr

weitere Beiträge

Religionen

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur