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Fazit / Archiv | Beitrag vom 08.08.2020

Stiftung Preußischer KulturbesitzDroht ein neuer "Museumskrieg" in Berlin?

Nikolaus Bernau im Gespräch mit Gabi Wuttke

Reiterstandbild Friedrich Wilhelms IV. von Preußen vor der Alten Nationalgalerie auf der Museumsinsel. (imago images / POP-EYE / Christian Behring)
Auch die Alte Nationalgalerie auf der Museumsinsel ist von der Reform der Stiftung Preußischer Kulturbesitz betroffen. (imago images / POP-EYE / Christian Behring)

Von einem Hilferuf der Direktorinnen und Direktoren der Staatlichen Museen zu Berlin spricht der Kulturjournalist Nikolaus Bernau. Ihr offener Brief zur Reform der Stiftung Preußischer Kulturbesitz sei der Versuch, ihre Interessen ins Spiel zu bringen.

Unter einem Dach, aber von unten nach oben sollte die Stiftung Preußischer Kulturbesitz reformiert werden. Das sagte Friederike Seyfried, Direktorin des Ägyptischen Museums und der Papyrussammlung, in unserem Programm. Sie ist eine der Direktorinnen und Direktoren der Staatlichen Museen zu Berlin, die sich gemeinsam in einem offenen Brief für mehr Autonomie und Freiheit ihrer Häuser bei der geplanten Reform ausgesprochen haben. Mitte Juni hatte der Wissenschaftsrat in einem Gutachten empfohlen, die Stiftung aufzulösen, zu der die Staatlichen Museen gehören.

"Das ist auch in gewisser Weise ein Hilferuf der Direktoren der Staatlichen Museen", sagt der Museumsfachmann Nikolaus Bernau. Denn am 19. August soll eine Kommission berufen werden, deren Mitglieder bis auf eines bereits feststehen: Neben Stiftungspräsident Hermann Parzinger und Kulturstaatsministerin Monika Grütters sollen der Verwaltungschef der Stiftung, Gero Dimter, sowie eine weitere, noch zu benennende Person über die Zukunft der Kultureinrichtungen entscheiden, wie Bernau berichtet. "Deswegen auch dieses unglaubliche Vorgehen."

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Vergleichbar mit dem "Museumskrieg" in den 1990ern

Dass man sich direkt mit einem offenen Brief auf der Webseite der Staatlichen Museen an die Öffentlichkeit wendet, "hat es tatsächlich noch nie gegeben und ist alleine, wenn überhaupt, vergleichbar mit den offenen Briefen, die in den 1990er-Jahren im sogenannten Berliner Museumskrieg öffentlich gemacht wurden", so Bernau. 

Dass die Museumsfachleute nicht in den Beratungsprozess über die Zukunft ihrer Einrichtungen einbezogen worden seien, stimme so allerdings nicht. Der Wissenschaftsrat habe sie interviewt, sagt Bernau. Außerdem habe es eine "sehr breite Datengrundlage" für das Gutachten gegeben.

Offensichtlich befürchteten die Beschäftigten nach ihren bisherigen Erfahrungen, dass "wieder ein Akt von oben nach unten" stattfinde. Die Politik oder das Präsidium der Stiftung hätten den Beschäftigten immer wieder "Leute von draußen" vorgesetzt. "Dagegen will man sich jetzt schon mal im Voraus wehren", sagt Bernau.

Mehr Autonomie bedeutet Kontrolle über die Finanzen

Deswegen werde in der Stellungnahme mehr Autonomie für die Stiftung einerseits und ihre Museen andererseits gefordert. "Mehr Autonomie bedeutet auch mehr Kontrolle über das Geld", so Bernau. Doch diese Kontrolle habe das Führungspersonal der Museen eigentlich schon seit 1880. "Nur nehmen sie diese Autonomie nicht wahr, sie kämpfen sich eben nicht durch bis jetzt gegen Herrn Parzinger, gegen Frau Grütters." Die Kontrolle über das Geld liege faktisch bei Letzteren. "Das heißt, die Direktoren können ihre Macht, die sie theoretisch haben, praktisch gar nicht ausüben. Und das ist genau dieses Wechselspiel, in dem sie gerade agieren und versuchen, ihre eigenen Interessen doch noch ins politische Spielfeld zu bringen."

(ckr)

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