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Kulturnachrichten

Dienstag, 21. Mai 2019

Stiftung gibt NS-Raubkunst zurück

Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz hat fünf Werke aus den Sammlungen der Staatlichen Museen zu Berlin an die Erben des von den Nazis verfolgten jüdischen Kunsthändlers Heinrich Ueberall (1869-1939) zurückgegeben. Die Werke gehörten zu einem Konvolut von über 4.000 Kunstwerken, die der preußische Staat 1935 von der Dresdner Bank ankaufte und kurz darauf an die Staatlichen Museen zu Berlin übergab, wie die Stiftung mitteilte. Heinrich Ueberall starb 1939 im KZ Sachsenhausen. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz erforscht nach eigenen Angaben seit 2018 die Herkunft der Werke aus dem Konvolut. Der Deutschen Bank hätten die Kunstwerke größtenteils als Kreditsicherheiten gedient, erklärte die Stiftung weiter. Im Falle von Heinrich Ueberall habe es für den Entzug der Kunstwerke keine anderen Hinweise als seine Verfolgung durch das NS-Regime gegeben.

Internationaler Man Booker Preis für Jokha Alharthi

Die Gewinnerin des Internationalen Man Booker Preises steht fest. Jokha Alharthi aus dem Oman gewinnt die mit 50.000 Pfund dotierte Auszeichnung für ihren Roman "Celestial Bodies". Sie teilt sich den Gewinn mit der Übersetzerin Marilyn Booth, die das Werk aus dem Arabischen ins Englische übersetzt hat. Das bei Sandstone Press erschienene Buch erzählt die Geschichte dreier Schwestern, die im Oman nach dem Kolonialismus heranwachsen, als sich das Land neu definieren muss. Die Jury Vorsitzende Betty Hughes sagte bei der Bekanntgabe mit Blick auf Englands koloniale Vergangenheit: "Jokha Alharthis Buch überzeugt Kopf und Herz gleichermaßen. Es führt uns in eine Gemeinschaft, in der wir uns tiefgreifenden Fragen nach Zeit und Sterblichkeit und verstörenden Aspekten unserer gemeinsamen Geschichte stellen." Der Internationale Man Booker Preis wird seit 2016 vergeben. Ausgezeichnet wird jährlich ein fremdsprachiger, ins Englische übersetzter und im Vereinigten Königreich veröffentlichter Roman oder Kurzgeschichtenband.

Europäischer Kulturerbe-Preis bekanntgegeben

Das europäischen Kulturerbenetzwerk Europa Nostra und die Europäischen Kommission haben die Gewinner des Europäischen Kulturerbe-Preises bekanntgegeben. Unter den Preisträgern sind drei Projekte aus Deutschland: das "RomArchive" – ein Online Portal, das die Künste und Kulturen von Sinti und Roma dokumentiert; das digitale Geschichtsbuch „DENKMAL EUROPA" sowie "Stewards of Cultural Heritage", ein Ausbildungsprogramm für vertriebene Kulturerbe-Spezialisten aus Syrien. Der Präsident von Europa Nostra, Plácido Domingo, sagte über die Gewinner: "Ihre Arbeit zur Wiederherstellung, Erhaltung, Unterstützung oder Förderung von Europas Kulturerbestätten und immateriellen Kulturerbes ist von höchster Qualität. Die Auszeichnungen sind ein Beweis für die enormen Auswirkungen, die Kulturerbeprojekte auf unsere Wirtschaft, unsere Umwelt, unsere Kultur und unsere Lebensqualität haben. Europas Kulturerbe ist ein Schlüsselfaktor für Europas Zukunft und für unseren Wohlstand." Die Gewinner des Europäischen Kulturerbepreises werden bei einem Festakt am 29. Oktober in Paris geehrt.

Netflix dreht Serie "Unorthodox"

Netflix plant eine vierteilige Serie auf der Grundlage von Deborah Feldmans Erfolgsroman "Unorthodox" mit Shira Haas in der Hauptrolle. Weitere Rollen übernehmen Jeff Wilbusch und Amit Rahav, Regie führt Maria Schrader. Die Dreharbeiten in Berlin haben bereits begonnen, wie der Streamingdienst mitteilte. In dem 2012 veröffentlichten Bestseller der 32-jährigen Autorin aus einer jüdischen Familie im New Yorker Stadtteil Williamsburg geht es um eine junge Frau, die vor einer arrangierten Ehe aus New York nach Berlin flieht, um sich auf die Suche nach ihrer Identität zu machen. Nach dem Drehbuch von Anna Winger ("Deutschland 83/86/89") und Alexa Karolinski wird die Serie in jiddischer und englischer Sprache gedreht.

Online-Bibliothek zu Kunstfreiheit

Das Institut für Kulturpolitik der Universität Hildesheim hat die nach seinen Angaben weltweit umfassendste auf Kunstfreiheit und Künstlerschutz ausgerichtete Online-Bibliothek eröffnet. Die "Arts Rights Justice Library" (www.arj-library.de) sei eine offen zugängliche Plattform, teilte die Hochschule mit. Sie enthalte eine Auswahl der wichtigsten Publikationen über Kunstfreiheit, Menschenrechte und globale Gerechtigkeit. Die Dokumente sollen vor allem Künstlern, Kulturmanagern, Menschenrechtsaktivisten, Rechtsanwälten und Forschern zugänglich gemacht werden, hieß es. Ziel sei es, nach und nach alle Dokumente in der Datenbank der Universität Hildesheim zu lagern. So soll das Wissen gebündelt bereitgestellt und langfristig für Forschung und praktische Zwecke gesichert werden.

Salzburg verlängert Vertrag mit Hinterhäuser

Markus Hinterhäuser bleibt auch nach dem Sommer 2021 Intendant der Salzburger Festspiele. Das Kuratorium des Festivals hat in seiner Sitzung den Vertrag mit dem 61-Jährigen um weitere fünf Jahre bis 2026 verlängert. Die Wiederbestellung hatte sich bereits abgezeichnet, weil das Kuratorium schon Hinterhäusers Ankündigung, sich wieder zu bewerben, "mit großer Freude" aufgenommen hatte. Der laufende Vertrag mit dem Kulturmanager und Pianisten endet zwar erst mit 30. September 2021, wegen des 100-Jahre-Jubiläums der Festspiele im kommenden Jahr entschloss sich das Kuratorium aber für die rasche Ausschreibung, um das Jubiläumsjahr frei von Personaldebatten zu halten. Die Entscheidung für Hinterhäuser fiel einstimmig.

Wird Island vom ESC 2020 ausgeschlossen?

Nach der politisch motivierten Aktion der isländischen Gruppe Hatari beim Eurovision Song Contest (ESC) in Tel Aviv fordern Tausende im Netz den Ausschluss Islands von dem Wettbewerb 2020. Die antikapitalistische Performance-Gruppe hatte bei der Punktevergabe Palästinenserfahnen in die Kamera gehalten. Eine entsprechende Petition auf der Website Change.org hatten bis zum Dienstagnachmittag mehr als 33 000 Menschen unterzeichnet. Die Europäische Rundfunkunion als Veranstalterin (EBU) prüft nach eigenen Angaben Schritte gegen Island. Auch bei einem Auftritt von Superstar Madonna während der Show hatten zwei Tänzer auf ihren Rücken eine israelische und eine palästinensische Fahne gezeigt. Die beiden hielten sich an der Hand. Die EBU betonte anschließend, dieser Teil der Show sei nicht abgesprochen gewesen. Israel hat 1967 während des Sechs-Tage-Krieges unter anderem das Westjordanland, den Gazastreifen und Ost-Jerusalem erobert. Die Palästinenser fordern dagegen die Gebiete für einen eigenen Staat Palästina mit Ost-Jerusalem als Hauptstadt.

Wechsel am Bucerius Kunst Forum

Franz Wilhelm Kaiser, Direktor des Bucerius Kunst Forums, verlässt das Hamburger Ausstellungshaus zum Ende des Monats. Der 62-Jährige werde sich neuen Aufgaben zuwenden, teilte das Forum mit. Die kommissarische künstlerische Leitung übernimmt Kuratorin Kathrin Baumstark. Kaiser war seit 2016 Direktor und kuratierte Ausstellungen wie "Anton Corbijn. The Living and the Dead" und "Die Geburt des Kunstmarktes. Rembrandt, Ruisdael, van Goyen und die Künstler des Goldenen Zeitalters". Zuvor leitete er 27 Jahre lang das Gemeentemuseum Den Haag.

Richard Wagner digital

An der Sächsischen Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden werden 78 Opernhandschriften des Komponisten Richard Wagner aus dem Bestand des Staatsopern-Notenarchivs digitalisiert. Zum Auftakt des großangelegten Projekts sind mit "Tannhäuser" und "Die Meistersinger von Nürnberg" die ersten Aufführungsmaterialien frei zugänglich, wie Bibliothek und Semperoper mitteilten. Sie ergänzen künftig die schon im Internet verfügbaren Hofopernbestände mit 1200 Handschriften zu 650 Opern von 1765 bis 1900 und führen das Opernarchiv virtuell zusammen.Im "Meistersinger"-Stimmenmaterial ist auch die Gesamtaufnahme unter Herbert von Karajan in der Dresdner Lukaskirche von 1970 ist vermerkt. Ab 2020 sollen die Materialien zu dem Komponisten Richard Strauss folgen.

Buchbranche vergibt künftig Sachbuchpreis

Im kommenden Jahr wird die deutsche Buchbranche erstmals einen Deutschen Sachbuchpreis vergeben. Die mit insgesamt 42 500 Euro dotierte Auszeichnung wird bei der Premiere am 16. Juni 2020 im Humboldt Forum in Berlin verliehen. Dies kündigte der Börsenverein des Deutschen Buchhandels in Frankfurt an. Der Preis prämiert in deutscher Sprache verfasste, nicht-fiktionale Bücher mit Bezug zum Zeitgeschehen. Mit der Auszeichnung wolle man die Aufmerksamkeit auf das Sachbuch als Wissensvermittler und Impulsgeber für den öffentlichen Diskurs lenken, hieß es. Wie beim Deutschen Buchpreis, den der Börsenverein alljährlich für die beste literarische Neuerscheinung des Jahres vergibt, sollen die Preisträger in einem mehrstufigen Auswahlprozess von einer Jury gekürt werden. Deren Mitglieder werden von einem Gremium gewählt. Hauptförderer des neuen Preises, dessen Gewinner 25 000 Euro erhält, ist die Deutsche Bank Stiftung.

Keine Auktion für israelische Staatsurkunden

Handschriftliche Entwürfe der israelischen Unabhängigkeitserklärung von 1948 dürfen nicht versteigert werden. Das oberste israelische Gericht urteilte, dass die Dokumente staatliches Eigentum sind und dem Nationalarchiv übergeben werden sollen, wie die Tageszeitung "Haaretz" berichtete. Bei den Entwürfen handelt es sich um die Niederschriften, die der Jerusalemer Anwalt Mordechai Beham 1948 im Auftrag des späteren israelischen Justizministers Pinchas Rosen verfasste. Die Söhne des Anwalts hatten die Handschriften in einem Jerusalemer Auktionshaus zum Verkauf angeboten. Das Startgebot war auf umgerechnet 221.000 Euro festgelegt worden. Die Entwürfe seien Teil des Kulturguts des Staates Israel sowie Teil der kollektiven Identität, urteilte das Gericht. Es beendete damit einen seit 2015 andauernden Rechtsstreit über das Eigentum der Entwürfe.

Whitney Houston bald als Hologramm?

Sieben Jahre nach ihrem Tod steht Whitney Houston möglicherweise vor einer Wiederauferstehung als Hologramm. Das Unterhaltungsunternehmen Primary Wave Music Publishing gab bekannt, dass es den Erben der Pop-Sängerin 50 Prozent ihres Besitzes abgekauft habe. Nach Angaben von Houstons Schwägerin sind nun zahlreiche Vermarktungsprojekte geplant, darunter eine Tournee mit Houston als Hologramm aus Laserstrahlen. Primary Wave erhält dem Vertrag zufolge künftig unter anderem Tantiemen aus Houstons Musik und ihren Filmauftritten. Gemeinsam mit den Erben wolle die Firma ihr Erbe weiter verbreiten. Houston war einer der erfolgreichsten Popstars der 90er Jahre. Sie verkaufte zu Lebzeiten mehr als 170 Millionen Platten und ist bis heute für Songs wie "I Will Always Love You" bekannt.

Aachener Karnevalsverein jetzt mit Frauen

Für die Verleihung des "Ordens wider den tierischen Ernst" ist der Aachener Karnevalsverein (AKV) bundesweit bekannt - 160 Jahre lang durften dort nur Männer Mitglied sein. Damit ist jetzt Schluss. Frauen können künftig beitreten. Das hat eine außerordentliche Mitgliederversammlung beschlossen. Im Kern geht es um diesen Satz: "Mitglied des Vereins kann jede unbescholtene männliche Person werden, die das 18. Lebensjahr vollendet hat." Das Wort "männliche" wurde gestrichen. In der Aussprache gab es nach AKV-Angaben nur Fürsprecher für die Änderung. Auslöser für den Öffnungsprozess war den Angaben nach eine Entscheidung des Bundesfinanzhofs im Jahr 2017: Demnach war eine Freimaurerloge, die Frauen von der Mitgliedschaft ausgeschlossen hatte, nicht gemeinnützig. "Das spielte bei der jetzigen Entscheidung der Mitglieder aber keine Rolle", sagte AKV-Präsident Werner Pfeil: Vielmehr sei der Ausschluss von Frauen nicht mehr als zeitgemäß gesehen worden.

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Fazit

"Comeback" in der Kunsthalle TübingenDas Neue im Alten
Eine Marmorstatue mit Sonnenbrille und Handy, Bild von Léo Caillard: Hipster in Stone XII, 2017 (Léo Caillard)

Aneignen, Zitieren, Kopieren, Verfremden – der kreative Rückgriff auf kunsthistorische Vorbilder hat Konjunktur. Die Tübinger Kunsthalle greift die Retrowelle auf und versammelt rund hundert Werke zu einem aufschlussreichen "Comeback". Mehr

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