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Fazit / Archiv | Beitrag vom 01.07.2015

Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung"Deutsche Geschichtspolitik hat einen Ruf zu verlieren"

Martin Schulze-Wessel im Gespräch mit Susanne Burkhardt

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Modell des geplanten Dokumentationszentrums der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung in Berlin (dpa / picture alliance / Rainer Jensen)
Modell des geplanten Dokumentationszentrums der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung in Berlin (dpa / picture alliance / Rainer Jensen)

Die Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung kommt nicht zur Ruhe. Auch der Vorsitzende des Historikerverbandes Martin Schulze-Wessel sieht die Entscheidung für den neuen Direktor Winfrid Halder kritisch.

Fünf von 15 Mitgliedern des wissenschaftlichen Beirats kehren der Stiftung Flucht, Vertreibung und Versöhnung den Rücken – just nachdem Winfrid Halder zum neuen Direktor ernannt wurde. Was Kulturstaatsministerin Grütters im Deutschlandradio Kultur mehr oder weniger als Zufall darzustellen versuchte, sieht der Deutsche Historikerverband kritisch. Sein Vorsitzender, Martin Schulze-Wessel, stuft die Haltung der Ministerin dazu als "salopp" ein:

"Ich weiß nicht, was die Motive der Kulturstaatsministerin sind: Man kann nur warnen vor einem allzu großen Pragmatismus. Wenn man das Thema Flucht und Vertreibung verschenkt, wenn man daraus kein eindrucksvolles Projekt macht, das attraktiv ist im Inland wie im Ausland, dann handelt man letztlich auch gegen die wohl verstandenen Interessen der Vertriebenen."

Wie Historiker aus Tschechien oder Polen gewinnen?

Als einen falschen Weg bezeichnete Schulze-Wessel hingegen das Bemühen, den Interessen der Vertriebenen-Verbände Folge leisten zu wollen, "damit das Projekt irgendwie realisiert wird".

Der Bund müsse sehr viel stärker auf Internationalität und Qualität setze. Doch allmählich werde es schwer, noch qualifizierte Historiker aus Polen und Tschechien für das Projekt zu gewinnen. Dies jedoch sei unverzichtbar, weil der Fokus beim Thema Vertreibung eben nicht nur auf den Deutschen, sondern auch auf anderen osteuropäischen Vertriebenen liegen müsse.

Schulze-Wessel sagte weiter: Aus Gründen der Fairness müsse man dem neuen Direktor eine gewissen Frist einräumen, um dessen Arbeit beurteilen zu können.

"Aber was man doch sagen muss, ist, dass die Geschichtspolitik in Deutschland einen guten Ruf zu verlieren hat."

 

Das Gespräch mit Martin Schulze-Wessel hören Sie in der Sendung "Fazit" ab 23.05 Uhr.

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