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Thema / Archiv | Beitrag vom 22.11.2013

Stiftung Bauhaus DessauNeuer Direktor noch vor Sommer 2014

Kultusminister schweigt über Gründe für fehlendes Vertrauen zu Philipp Oswalt

Stephan Dorgerloh, Kultusminister von Sachsen-Anhalt (picture alliance / dpa)
Stephan Dorgerloh, Kultusminister von Sachsen-Anhalt (picture alliance / dpa)

Philipp Oswalts Vertrag als Stiftungsdirektor sei nicht verlängert worden, damit die Stelle nicht mitten im Bauhaus-Jubiläumsjahr 2019 neu ausgeschrieben werden müsse, so die offizielle Begründung von Sachsen-Anhalts Kultusminister. Über die Gründe für das fehlende Vertrauen zu Oswalt schwieg er.

Stephan Karkowsky: Im Jahr 2019 wird das Bauhaus 100 Jahre alt. 1919 hatte Walter Gropius seine Weimarer Kunstschule gegründet. Sechs Jahre später zog man um nach Dessau. Und da ist wenige Jahre vor dem großen Jubiläum nun ein Personalstreit ausgebrochen und zwar gegen den Protest von Kunst- und Architekturmanagern aus dem In- und Ausland. Warum sein Vertrag nicht verlängert wird, das lassen wir uns von Stephan Dorgerloh erklären, dem Kultusminister von Sachsen-Anhalt, guten Tag!

Stephan Dorgerloh: Guten Tag!

Karkowsky: Sie sind zugleich Vorsitzender des Stiftungsrates und haben heute beschlossen, was lange in der Luft lag: , weil Sie kein Vertrauen mehr zu ihm haben. Was genau hat denn dieses Vertrauen beschädigt?

Dorgerloh: Ja, wir haben im April schon ein Umlaufverfahren beschlossen, wo wir dann schon einmal einstimmig im Stiftungsrat beschlossen haben, den Vertrag nicht zu verlängern. Das haben wir heute noch mal ausführlich diskutiert, auch nachdem uns verschiedene Schreiben und Stellungnahmen erreicht haben, auch mit Mitgliedern des wissenschaftlichen Beirates. Im Ergebnis bleibt es bei diesem einstimmigen Beschluss des Stiftungsrates. Wir haben Philipp Oswalt viel zu verdanken. Er hat das Bauhaus neu positioniert …

Karkowsky: Das stellt keiner infrage, aber was genau hat dieses Vertrauen geschädigt, warum trennen Sie sich?

Dorgerloh: Ja, das haben wir heute im Stiftungsrat diskutiert und die Vertraulichkeit in solchen Personalfragen ist immer zu wahren, weil es da wirklich auch um Personen geht, wo wir jetzt das nicht in der Öffentlichkeit diskutieren können, sondern wie gesagt in den Gremien, da, wo es hingehört. Und das haben wir heute in einer längeren Sitzung gemacht, die auch noch andauert. Und deswegen kann ich jetzt nur die Entscheidung bekanntgeben, die Gründe sind im Stiftungsrat auch mit Philipp Oswalt besprochen worden.

Hat Oswalt dem Kultusminister widersprochen?

Karkowsky: Nun hatte Oswalt ja Anfang November der „Mitteldeutschen Zeitung“ ein Interview gegeben, und da sagte er sinngemäß, bis April war alles okay, da hat man ihn immer wieder gefragt, willst du verlängern, er hat gesagt, ja, kein Problem. Danach müsse etwas vorgefallen sein, weil plötzlich eben nicht mehr die Rede war von einer zweiten Amtszeit. Rauskommen wird es sowieso irgendwann, wollen Sie uns nicht sagen, was es war?

Dorgerloh: Es ist so, dass wir uns da an die Verabredungen halten müssen. Man muss da auch sauber und fair gegenüber den Akteuren bleiben, hier geht es um auch Persönlichkeitsrechte, die zu wahren sind. Deswegen ist das Verfahren, so wie es durchgeführt worden war, ordnungsgemäß, wir haben uns wirklich viel Zeit genommen, das zu diskutieren, haben die Haben-Seite diskutiert, haben auch besprochen, was kritisch anzumerken ist. Das ist auch mit ihm schon besprochen worden und …

Karkowsky: Also, Oswalt sagte, es solle um eine Aussage des Kultusministers gehen, der er widersprochen hat, und dieser Widerspruch sei nicht gut angekommen bei Ihnen?

Dorgerloh: Also, das jetzt so zu personalisieren, das springt ja erstens viel zu kurz, und zweitens brauchen wir natürlich gerade in den Stiftungen Leute, die eigenständig sind, die kritisch sind, die auch mal querdenken, all das macht ja gerade das Bauhaus aus, macht es reizvoll und macht es auch einen spannenden Ort des Diskurses…

Karkowsky: Und es soll auch Uneinigkeit geherrscht haben über die Rolle und das Verständnis von einem Stiftungsdirektor. Können Sie sich vorstellen, was er damit meint?

Dorgerloh: Sie können jetzt noch ganz viele Gerüchte nennen. Es wird dabei bleiben, weil wir uns darauf im Stiftungsrat auch wirklich verständigt haben, jetzt nicht in der Öffentlichkeit die Gründe zu diskutieren und …

Karkowsky: Dann sage ich mal einen anderen Grund, den Sie veröffentlicht haben. Und zwar steht in Ihrer Erklärung des Stiftungsrates von heute: Im unmittelbaren Umfeld des Bauhaus-Jubiläums würde eine Neuausschreibung eine erhebliche Unsicherheit mit sich bringen, wenn es nämlich erst 2019 passierte. Und auch deshalb würde man es jetzt schon machen und vorziehen. Und da hat Christian Eger in der „Mitteldeutschen Zeitung“ geschrieben, warum eigentlich, Oswalt könnte sich ja auch 2019 wieder erfolgreich fürs Amt bewerben und so eine Ausschreibung wäre ja vom Frühjahr 2018 an zu machen. Glauben Sie wirklich, dass sie den Prozess der Jubiläumsfeiern belasten würde?

"Ausschreibung schon kommende Woche"

Dorgerloh: Es ist so, nach unserer Satzung haben wir befristete Verträge von fünf Jahren. Die können einmal verlängert werden, danach ist auszuschreiben. Man muss aber auch nicht verlängern, man kann auch beim ersten Mal schon ausschreiben. Und wenn wir jetzt automatisch verlängern würden, dann wären wir in der Tat mitten zu Beginn des Jubiläumsjahres dran. Und Sie wissen selber, solche Ausschreibungen können beklagt werden, da kann alles Mögliche mit Konkurrentenklagen passieren, das ist ein Risiko, was man besser im Jubiläumsjahr nicht eingeht.

Karkowsky: Was glauben Sie denn realistisch, wann die Stelle wieder besetzt ist? Ab Januar hat Dessau ja die Geschäftsführung inne des Bauhaus-Verbundes 2019, der die Jubiläen, die Jubiläumsfeiern vorbereiten soll.

Dorgerloh: Wir haben hier ein gutes Team im Bauhaus, deswegen haben wir eben auch beschlossen, dass selbstverständlich die Geschäftsführung hier in Dessau wahrgenommen wird. Und wir haben hier ein gutes Miteinander von wissenschaftlichem Beirat, von dem ganzen Stiftungsteam und auch vom Stiftungsrat. Und deswegen werden wir das zusammen in einem Trialog auch gemeinsam schultern, und die Aufgaben, die da jetzt kommen, sind da in den verschiedensten guten Händen.

Karkowsky: Ist denn die Einschätzung korrekt, dass es bis zu einem Jahr dauern kann, bis der Posten neu besetzt ist?

Dorgerloh: Wir werden so schnell wie möglich natürlich die Stelle ausschreiben, das wird kommende Woche schon geschehen. Und wir werden uns im Frühjahr hinsetzen und die, denke ich, ersten Bewerbungsgespräche führen. Wir haben die Erwartung, dass das wesentlich zügiger geht und wir vor dem Sommer 2014 hier auch den Direktor, die Direktorin präsentieren können.

Karkowsky: Der Kultusminister von Sachsen-Anhalt und Vorsitzender des Stiftungsrates der Stiftung Bauhaus, die heute beschlossen hat, sie will nicht weiterarbeiten mit ihrem bisherigen Direktor. Stephan Dorgerloh von der SPD, Ihnen herzlichen Dank!

Dorgerloh: Vielen Dank!

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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