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Feiertag - Kirchensendung / Archiv | Beitrag vom 21.10.2012

"Sternenkinder"

Vom Recht auf Bestattung auch unter 500 Gramm

Von Junilane Bittner, Berlin

Auch "Sternenkinder" haben ein Recht auf Bestattung. (AP Archiv)
Auch "Sternenkinder" haben ein Recht auf Bestattung. (AP Archiv)

"Sternenkinder" haben dank einer Gesetzesänderung jetzt auch unter 500 Gramm ein Recht auf Bestattung. Es bleibt die Problematik der totgeborenen Kinder und ihrer Eltern, die doch Vater und Mutter sind - und es irgendwie doch nicht sind, weil sie die Elternschaft nicht leben.

Antje Fischer hat ihre Tochter Lara am 12. Juni dieses Jahres zum letzten Mal gespürt, erzählt sie:

"Ich hatte mittags einen Termin bei meiner Frauenärztin, Laras Herztöne wurden aufgezeichnet. Die Kleine war sehr unruhig, sie trat mir immer wieder gegen den Bauch. Aber alles war in Ordnung, am 22. Juni sollte Lara zur Welt kommen."

Doch am nächsten Tag spürt sie keine Kindsbewegungen mehr. Die Untersuchungen im Krankenhaus ergeben: Das Kind ist tot, sein Herz schlägt nicht mehr. Neun Monate Vorfreude Und dann, im Moment größter Erwartung, die Botschaft: Euer Kind ist tot. Es hat Euch verlassen, bevor es auch nur einmal das Licht der Welt erblickt hat. Antje Fischer war starr vor Schmerz. Es war ein Sturz aus glücklichem Gespanntsein ins Bodenlose, und alle Geschichten, die sie rund um ihr Baby gesponnen hatte, stürzten mit.

"Und dann sagte mir der Arzt noch, dass ich meine tote Tochter auf natürlichem Weg zur Welt bringen sollte. Das wäre aus medizinischer Sicht besser als ein Kaiserschnitt. In mir sträubte sich erstmal alles: Was verlangt Ihr da von einer Mutter, die gerade erfahren muss: ihr Kind lebt nicht mehr, es ist gestorben?! Dass ich das tote Kind auch noch rauspressen soll?!"

Im Nachhinein ist Antje Fischer froh, es getan zu haben. Die Geburt ihrer toten Tochter wurde sehr einfühlsam von der Hebamme und den Ärzten begleitet. Und auch Alexander, der Vater des Kindes, blieb tapfer:

"Ich musste nur sieben Mal pressen und schon war Lara da. Ihr Papa war die ganze Zeit an meiner Seite. Wir waren gleichzeitig glücklich und todtraurig. Wir nahmen unsere Kleine ganz vorsichtig in den Arm, wir haben ihre kleinen Hände gestreichelt, ihr Küsschen gegeben, auf die Stirn..."

Vier Stunden später mussten die jungen Eltern ihre tot geborene Tochter loslassen.

"Als wir Lara der Hebamme hingaben, da war mir, als würde mir das Herz rausgerissen. Die ganze Welt brach über mir zusammen."

Antje und ihr Mann Alexander hatten Glück im Unglück: Sie trafen auf sensibles Klinikpersonal, das ihnen Zeit und Raum gab, sich von ihrem Kind zu verabschieden, es noch einmal zu sehen, zu fühlen, im Arm zu halten. Denn ein Abschied kann nicht wiederholt werden. Gerade bei Fehlgeburten, wenn das Kind vielleicht nur 300 Gramm leicht ist, kommt es noch immer vor, dass es den Eltern nur kurz in einer metallenen Nierenschale gezeigt wird und sie kaum psychologischen Beistand erhalten. Dabei ist es nachzuvollziehen, dass sich Eltern angesichts ihres toten Babys in einem seelischen Ausnahmezustand befinden, und das ganz unabhängig vom Gewicht.

Das aufmunternd gemeinte "Sie sind doch noch jung, Sie können schon bald wieder versuchen, ein neues Kind zu bekommen" ist keine Hilfe nach solch einem Schicksalsschlag. Ein Mensch in dieser Situation kann nicht glauben, dass sein Schmerz jemals leiser werden wird. Das Trauern beginnt unmittelbar nach dem Verlust des Kindes. Je aktiver die Mutter und der Vater Abschied nehmen, ihr Kind noch einmal im Arm halten, wie Antje und Alexander Fischer es konnten, desto besser kann die Trauerarbeit gelingen. Eltern begreifen den Verlust ihres Kindes eher, wenn sie es noch einmal sehen und berühren. Die Begegnung mit dem toten Kind zeigt ihnen: Es ist wirklich tot, es kommt nicht zu ihnen zurück. Dieses Abschied nehmen braucht Zeit, und es braucht einen geschützten Raum.

Um den Abschied von einem Kind, das tot geboren wurde oder kurz nach der Geburt verstarb, würdevoll zu gestalten, wurde vor einigen Jahren von zwei Frauen, die selbst Fehlgeburten hatten, die Initiative "Schmetterlingskinder" ins Leben gerufen. Bei dieser Aktion werden Krankenhäuser und Kreißsäle mit einem so genannten Notfallkistchen ausgestattet. Die kleine Box enthält alles, was Eltern und Klinikpersonal im Falle einer solchen "Stillen Geburt" benötigen.

Handarbeitszirkel, verwaiste Mütter und Großmütter unterstützen diese Initiative, indem sie besonders kleine Bekleidungsstücke für die toten Kinder nähen: ein weiches Einschlagtuch oder ein Schlafsäckchen, eine winzige Mütze, gestrickte Söckchen. So haben die Eltern oder die Krankenschwestern die Möglichkeit, jedes Kind zu bekleiden, und sei es noch so klein. Hinzu kommt, dass solch ein Schlafsack dem winzigen Körper ein wenig Stabilität verleiht. Viele Eltern trauen sich nicht, ihr Kind in den Arm zu nehmen, weil es so zerbrechlich ist.

Durch die Bekleidung verlieren sie vielleicht diese Scheu. Und wenn sie wollen, können sie ihr Baby auswickeln. Das Mützchen verdeckt die kleinen Hämatome, die viele Frühchen durch die Geburtsüberwachung am Kopf haben. In der Klinikbox für still geborene Kinder liegt außerdem eine Informationsbroschüre mit Kontaktadressen bereit. Die Erfahrung zeigt: Betroffenen Eltern fällt es leichter, sich erst einmal telefonisch oder online Hilfe zur Selbsthilfe zu suchen. Ein Krankenpfleger berichtet von seiner Erfahrungen mit dem "Nothilfekistchen"

"Vorgestern wurde bei uns ein Mädchen in der 25. Schwangerschaftswoche still geboren. Wir haben den Eltern die Klinikbox für Schmetterlingskinder gegeben. Da konnten sie ihrer Tochter was zum Anziehen aussuchen. Die Eltern haben ein Einschlagtuch gewählt, aus weichem Stoff mit kleinen bunten Schmetterlingen darauf. Und ein rosa Mützchen. So angezogen, haben sie dann ein Abschiedsfoto von dem Winzling gemacht. Ich denke, es hat ihnen geholfen, die Kleine nicht einfach in einem Klinikhandtuch einzuwickeln.. Der Vater hat sich bei mir sehr für die Sachen bedankt und überhaupt für die Idee. Er meinte, Hut ab vor den Leuten, die solche Sachen nähen und sich dabei bewusst sind, dass sie es für ein gestorbenes Kind tun. Der Mann war unendlich traurig, aber irgendwie auch dankbar, dass sich jemand die Mühe gemacht hat, seiner Tochter etwas zu nähen, damit sie nicht nackig beerdigt wird. Ich glaube, die Eltern spüren in so einem Moment, dass sie nicht allein gelassen werden in ihrem Schmerz."

Wann ist der Mensch ein Mensch, darüber streiten Theologen, Juristen, Mediziner und Philosophen. In deutschen Krankenhäusern wurde diese Frage bislang mit Hilfe einer Babywaage entschieden: Fehlgeburten mit einem Gewicht unter 500 Gramm galten laut Personenstandsverordnung nicht als Personen, wurden demzufolge nicht beurkundet und nicht bestattet. Im Mai dieses Jahres hat das Kabinett eine Ergänzung des Personenstandsrechts beschlossen: Alle Kinder, die tot geboren werden oder unmittelbar nach der Geburt sterben, werden unabhängig von ihrem Gewicht ins Personenstandsregister eingetragen und können somit bestattet werden.

Diese Gesetzesänderung hat einen lange Geschichte: Vor dem 19. Jahrhundert wurden Fehl- und Totgeburten oftmals zwischen den Gräbern oder den Särgen beigesetzt. Im Zuge der Industrialisierung und nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Bestattung eines "Sternenkindes", wie früh gestorbene Kinder genannt werden, wenig Beachtung geschenkt. Immer wieder mussten Eltern darum kämpfen, ihr Sternenkind beerdigen zu dürfen. Oft hing es bis in die jüngste Zeit hinein von guten Beziehungen zwischen Bestattern und Behörden ab.

Denn Kinder unter 500 Gramm existierten ja rein rechtlich nicht. Der zähe Kampf betroffener Eltern, auch diese Kinder ins Personenstandsregister einzutragen, hat zu der gesetzlichen Neuregelung geführt. Seit Mai dieses Jahres ist es nicht mehr von der Klinikwaage und dem Wohlwollen der Verwaltungen abhängig: Auch die kleinsten Verstorbenen sollen einen Ort auf Erden erhalten. Und ihre Eltern einen Ort, an dem sie traurig sein dürfen.

Sternenkinder. Über sie wird nicht gern gesprochen, weder in der Öffentlichkeit, noch im Privaten. Die Familie und auch die Freunde wissen oft nicht, wie sie mit den verwaisten Eltern umgehen sollen, sie ducken sich weg, weil sie unsicher sind, was sie tun oder sagen könnten. Doch es ist eine wahrhaftige Reaktion auf Unfassbares, auszudrücken, dass einem die Worte fehlen, dass man selbst fassungslos und sprachlos ist. Diese Ehrlichkeit und das Angebot, da zu sein, wenn die Betroffenen reden oder bei einem gemeinsamen DVD-Abend auf andere Gedanken kommen wollen.

Denn der Spruch "Die Zeit heilt alle Wunden" stimmt erstens nicht, und er ist zweitens fehl am Platze. Der Tod eines Kindes ist das Schlimmste, was Eltern widerfahren kann. Egal wie und in welchem Alter es stirbt, für die Eltern ist nichts mehr, wie es einmal war. Zehn bis 30 Prozent aller Schwangerschaften, die von einem Arzt festgestellt wurden, enden mit einer Fehlgeburt. Die meisten Embryonen sterben in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft. Doch es können auch nach den kritischen zwölf Wochen Komplikationen auftreten. Wie bei Antje Fischer, die ihre Tochter Lara im neunten Schwangerschaftsmonat verlor.

Als Totgeburten bezeichnet man Kinder, die nach der Entbindung keine Lebenszeichen wie Herzschlag oder Atmung zeigen und mehr als 500 Gramm wiegen. Fehlgeburten sind Kinder, die weniger als 500 Gramm wiegen und keine Lebenszeichen äußern. Die Bestattung eines solchen "Sternenkindes" hat eine große Bedeutung für das Abschiednehmen und Trauern. Mit dem Grab oder einem Grabfeld haben die Eltern einen Ort, an dem sie ihr Kind "besuchen" können. Und sie selbst werden als Hinterbliebene begriffen und anerkannt, als Eltern eines verstorbenen Kindes.

Im Sommer 1998 deckte das ARD-Magazin "Report" einen Skandal auf: Die Reportage belegte: Seit 1981 wurden in Berlin die meisten Tot- oder Frühgeburten unter 1000 Gramm zusammen mit infektiösem Klinikmüll in ein Granulat umgewandelt und anschließend im Müll verbrannt. Die daraus entstandene Schlacke wurde unter anderem im Straßenbau verwendet. Die Empörung über diese Praxis war groß. Heftige Diskussionen, aber auch ein Nachdenken folgten. Es verletze die Würde des Menschen, wenn Angehörige nicht wüssten, was aus ihrem toten Kind geworden ist.

Und selbst wenn die Eltern es nicht bestatten wollen, müssen die Föten in ethisch unbedenkliche Art und Weise, beispielsweise durch Verbrennen im Krematorium, entsorgt werden. Menschen dürften nicht mit Materialien verwechselt werden, erklärten die Kirchen und verlangten eine öffentliche Debatte über den Umgang mit Sterben und Tod. Immer lauter wurde gefordert, tot geborene Kinder unabhängig vom Gewicht zu beerdigen. Das Bestattungsgesetz wurde überprüft. Der Skandal führte schließlich zur Gesetzesänderung, die seit Mai dieses Jahres in Kraft ist.

Als 1998 in Berlin bekannt wurde, dass jahrelang Tot- und Fehlgeburten in Krankenhäusern der Stadt als "Sondermüll" behandelt und verbrannt wurden, ging ein Aufschrei durch die Medien. Dabei ging die Meldung fast unter, dass es katholische Krankenhäuser und katholische Friedhöfe waren, die dieser Entsorgungsmentalität keinen Raum gegeben haben: Krankenhausseelsorger und Friedhofsverwalter hatten auch in der Vergangenheit aus der christlichen Grundüberzeugung heraus gehandelt, nach der die Würde des menschlichen Lebens von Anfang an zu achten ist. Aus dieser Intention heraus wurden beispielsweise in Ostberlin seit den Achtziger Jahren Aborte, Fehl- und Totgeburten der Geburtshilfeklinik Maria Heimsuchung in Pankow bestattet. Ein Priester sowie Mitarbeiter des Friedhofs nahmen an diesen Beisetzungen teil.

Christlicher Dienst hat viele Gesichter. Zum Dienst an den Lebenden gehört, sie im Schmerz zu trösten und der Trauer einen Ort zu geben. Evangelische und katholische Krankenhausseelsorger begannen, vorhandene Vorurteile beim Klinikpersonal abzubauen und mit ihnen zusammenzuarbeiten mit dem Ziel, insbesondere den betroffenen Frauen zu helfen und sie in ihrem Schmerz einfühlsam zu begleiten. Ob ein Wort der christlichen Hoffnung auch Trauernde trösten kann, die nicht an Gott glauben, sei dahingestellt. Antje und Alexander Fischer, die jungen Eltern, die ihre Tochter im neunten Schwangerschaftsmonat verloren haben, gehören keiner Religion an. Antje Fischer erzählt von einer Freundin, der sie von ihrem Leid mitgeteilt hatte:

"Meine Freundin ist katholisch. Sie wohnt nicht mehr in Berlin, wir treffen uns also öfter im Internet, bei Facebook, als in echt. Als ich ihr mailen musste, dass Lara tot ist, rief sie mich an und sagte, dass sie mich am Liebsten einfach wortlos in die Arme nehmen würde. Und sie bot mir an, an ihrem nächsten arbeitsfreien Wochenende zu uns zu kommen, wenn ich das gut finden würde. Bis dahin waren es aber noch paar Wochen, also haben wir gechattet. Einmal schrieb sie: "Wir kommen aus Gottes Hand, und wir gehen zurück in Gottes Hand."

Und als Erklärung schrieb sie dazu: Wenn Du mit dem Spruch nichts anfangen kannst, dann lösch ihn einfach. Das ist okay. Ich sage ihn Dir, weil er mir hilft. Dazu muss ich erklären: Meine Freundin hat auch ein Kind verloren, durch eine schwere Virusgrippe in der Schwangerschaft. Ich habe den Spruch von der Hand Gottes sicher nicht so verstanden, wie sie ihn als Christin versteht. Aber er ist mir wichtig geworden. Und wenn ich manchmal abends auf unserm Balkon sitze und in den Himmel schaue, denke ich, dass Lara jetzt vielleicht wirklich dort ist, also in Gottes Hand. So etwas zu denken, fühlt sich für mich gut an."

Antje und Alexander Fischer haben ihr totgeborenes Kind beerdigt. Auch wenn sie selbst keine Christen sind, waren ihnen die Bestattungsrituale durch christliche Beerdigungen im familiären Umfeld doch vertraut: der gemeinsame Weg zur Grabstätte für die "Sternenkinder", das Wort der Verkündigung aus der Heiligen Schrift, ein fürbittendes Gebet, das Segnen des Grabes. Die Gemeinschaft mit anderen vom gleichen Schicksal Betroffenen bei der Bestattung wird als hilfreich empfunden. Antje und Alexander Fischer bestätigen das. Auch der Kennzeichnung der kleinen Gräber kommt besondere Bedeutung zu – nicht nur durch die Symbole, mit denen der Friedhof sie ausstattet, sondern besonders durch die Geschenke der Betroffenen, die ein berührender Ausdruck ihrer Trauer und ihrer Hoffnung sind. Der kleine Plüschteddy oder das Windspiel in Gestalt einer leuchtend gelben Sonnenblume – sie alle zeigen: Die Gräber der Sternenkinder werden besucht, und sie werden umsorgt. Still geborenes Leben zu bestatten ist für alle Beteiligten eine schwere Aufgabe, aber eine zutiefst notwendige und zutiefst christliche Aufgabe. Und es drängen sich Fragen auf angesichts der immer stärker anwachsenden Zahl anonymer Bestattungen von Erwachsenen.

Frauen und Männer trauern unterschiedlich, sagen Psychologen und Trauerbegleiter. Auch bei Antje und Alexander Fischer war das so. Antje lebte ihre Trauer aus, sie weinte viel, saß stundenlang im Kinderzimmer an der leeren Wiege, drückte den kleinen weißen Teddy, den sie in der Zeit des Wartens auf das Baby genäht hatte. Meist wollte sie keinen sehen, manchmal nicht einmal die beste Freundin. Ihr Partner Alexander hingegen stürzte sich ins Berufsleben. Abends ging er ins Fitnessstudio, um sich abzulenken und auszupowern. Er wollte den Verlust seines Kindes mit sich selbst ausmachen und die tiefe Traurigkeit, so gut es geht, verdrängen.

Für die Mutter kamen Schuldgefühle hinzu, die sie quälten: Hätte ich mich in der Schwangerschaft anders verhalten, wäre mein Kind dann nicht gestorben? Hätte ich mich mehr schonen müssen? Ihr Mann hingegen versuchte, anderen eine Schuld zu geben: Hätte der Arzt nicht schon früher merken müssen, das da etwas nicht stimmt, wieso hat er keine Veränderungen festgestellt, wir waren doch regelmäßig zur Untersuchung? Geduld ist ebenso wichtig wie schwierig beim Trauern. Geduld vor allem mit sich selbst. Die hinterbliebenen Eltern müssen ihre Gefühle aushalten, seien es Scham, Wut oder pure Verzweiflung. Antje und Alexander Fischer haben sich für eine professionelle Hilfe entschieden, für eine Selbsthilfegruppe für verwaiste Eltern. Die Gruppe tut ihnen gut. Hier können sie sich offen mit anderen Eltern austauschen. Sie fühlen sich verstanden.

Die Begleitung von Eltern, die ein Kind verloren haben, ist immer individuell. Denn jeder trauert anders. Die einen wählen einen Psychologen als Trauerbegleiter, andere besuchen eine Selbsthilfegruppe für verwaiste Eltern, die es mittlerweile fast in jeder größeren Stadt gibt. Klinikseelsorger bieten Gespräche und Gottesdienste an. Im Laufe der Trauerbegleitung können Rituale und Erinnerungsstücke den Eltern eine große Hilfe sein.

Egal, ob es das Ultraschallbild ist oder der Fußabdruck, wie ihn Antje Fischer von ihrer tot geborenen Tochter hat, oder die Lampe in Form eines Sterns, den ihre Freundin gebastelt hat und die für das Sternenkind leuchtet. Jeden Samstagnachmittag besucht sie das Grab von Lara, hält Zwiesprache mit dem Kind, zündet eine neue Kerze an. Und immer öfter kommt auch ihr Mann mit auf den Friedhof. Auch wenn die Totgeburt immer eine bittere Erfahrung in ihrem Leben bleiben wird: Beide können wieder lachen und träumend in den Himmel schauen.

Die Würde des Menschen reicht über den Tod heraus, ist eine Botschaft der Sternenkinder. Antoine de Saint-Exupéry beschreibt sie im "Kleinen Prinzen" so:

"Wenn du bei Nacht den Himmel anschaust, wird es dir sein, als lachten alle Sterne, weil ich auf einem von ihnen wohne, weil ich auf einem von ihnen lache. Du allein wirst Sterne haben, der lachen können."


Musik und Literatur dieser Sendung
• CD: Via Crucis, von Pluhar, Jaroussky, Nurial, und Various Komponist, Virgin Cla (EMI), 2010
• CD: Barbara Thompson, ,Songs From The Center Of The Earth, Label: Black punkt s
• Antoine de Saint-Exupéry, Der kleine Prinz, Verlag Karl Rauch, Neuauflage 2010

Die redaktionelle und inhaltliche Verantwortung für diesen Beitrag hat der katholische Senderbeauftragte für Deutschlandradio Kultur, Pfarrer Lutz Nehk.

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