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Interview | Beitrag vom 28.10.2020

Sternekoch Alexander Herrmann"Ein Lockdown der Gastronomie ist eine doppelte Dummheit"

Alexander Herrmann im Gespräch mit Liane von Billerbeck

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Leere Tische in einem Restaurant, in den Fensterscheiben spiegelt sich die Küste. (Imago / ZUMA Wire / Jordi Boixareu)
Restaurants und Bars müssen womöglich wieder schließen. Alexander Hermann erwartet viele Klagen dagegen. (Imago / ZUMA Wire / Jordi Boixareu)

Restaurants schließen, um Corona einzudämmen? Sternekoch Alexander Herrmann empfindet solche Lockdown-Pläne als "Angriff" auf die Gastronomie. Diese sei kein Infektionstreiber. Für die Politik findet er harte Worte.

Den Lockdown vom Frühjahr konnte Sternekoch Alexander Herrmann noch nachvollziehen. Schließlich habe man erst lernen müssen, mit der Pandemie umzugehen. Doch jüngste Überlegungen, auch Restaurants und Bars zu schließen, empfindet er als "machtberauscht".

Bei Angela Merkel, die im kommenden Herbst wahrscheinlich nicht mehr als Kanzlerin zur Verfügung stehe, fragt sich Herrmann gar: "Interessiert es sie noch?"

Alexander Herrmann im Porträt (imago / APress)Alexander Herrmann ist Gastronom mit zwei Restaurants und zwei Michelin-Sternen. Er ist zudem aus TV-Kochshows bekannt. (imago / APress)

Die Gastronomie sei laut Robert Koch-Institut kein Infektionstreiber, argumentiert Herrmann. Zudem habe man mittlerweile gelernt, mit der Situation umzugehen: Diesen "Angriff auf die Gastronomie" halte er daher "für eine flächendeckende, doppelte Dummheit".

Kontrollverlust und Spaltung der Gesellschaft

Er sei besorgt darüber, dass "man über diesen Weg die Gesellschaft spaltet", so Herrmann. Es gebe größere Familien, die es gewohnt seien, in einem großen Umfeld zusammenzukommen. Das sei nun unkontrollierbar.

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Die Gastronomie habe Hygienekonzepte und lasse Zettel zur Nachverfolgung von Infektionen ausfüllen. Wenn nun geschlossen werde, würden die Menschen nach Hause gedrängt. "Wir brauchen uns nicht vorzustellen, dass die jetzt alle allein sitzen bleiben, vor allem in den kommenden vier Wochen."

"Besser sind die Leute bei uns in der Gastronomie aufgehoben, weil wir hier für Hygiene sorgen", erläutert Herrmann. Und fügt an: "Gerne bin ich bereit zu sagen, wir schließen ab einer Zeit X." Dann müsse allerdings die staatliche Kontrolle etwa durch die Ordnungsämter auch funktionieren.

(bth)

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