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Lesart / Archiv | Beitrag vom 09.10.2015

Steinunn Sigurdardóttir über die Nobelpreisträgerin"Ihre Kunst duldet keine Short-Cuts"

Steinunn Sigurdardóttir im Gespräch mit Joachim Scholl

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Die weißrussische Schriftstellerin und Journalistin Swetlana Alexijewitsch nach der Bekanntgabe der Vergabe des Literaturnobelpreises an sie bei der Ankunft zu einer Pressekonferenz in Minsk, aufgenommen am 8.10.2015 (picture-alliance / dpa / Tatyana Zenkovich)
Die isländische Autorin Steinunn Sigurdardóttir sagt über die Literaturnobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch: "Sie ist meine Heldin" (picture-alliance / dpa / Tatyana Zenkovich)

Die Literaturnobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch hat viel Geduld: Sie brauche fünf bis zehn Jahre für ein Buch, weiß die isländische Autorin Steinunn Sigurdardóttir. Sie habe mit ihr auch über das Verhältnis von Wirklichkeit und Fiktion diskutiert.

"Sie ist mein Liebling und meine Heldin", sagt die isländische Schriftstellerin  Steinunn Sigurdardóttir über Swetlana Alexijewitsch. Sie habe die Literaturpreisträgerin vor rund 15 Jahren kennen gelernt. Damals sei sie von ihr mit einer grundsätzlichen Frage konfrontiert worden, erzählte sie im Deutschlandradio Kultur:

"Warum schreiben Sie Fiktion, wenn die Wirklichkeit so viel größer als die Fiktion ist? Ich habe das nie vergessen. Dann fing ich an, Swetlana Alexijewitsch zu lesen, das Tschernobyl-Buch vor allem. Ich schätze sie als Literatin von allererstem Rang. Was sie macht und treibt, ist einfach erstaunlich."

Porträtfoto der isländischen Bestseller-Autorin Steinunn Sigurdardottir, aufgenommen am 15.10.2011 auf der Frankfurter Buchmesse (dpa / picture alliance / Erwin Elsner)Die isländische Bestseller-Autorin Steinunn Sigurdardottir, aufgenommen am 15.10.2011 auf der Frankfurter Buchmesse (dpa / picture alliance / Erwin Elsner)

Sie habe der Autorin damals geantwortet, dass man beides brauche, sagte Sigurdardóttir. Ihr sei wichtig, dass es nicht nur um die literarische Bedeutung des Werkes der Nobelpreisträgerin gehe. Denn das Verhältnis zwischen Ost und West sowie menschliche Erfahrungen seien bestimmende Themen ihrer Bücher:
 
"Wie sie das menschliche Leiden umarmt – auf eine unglaublich warme Weise, sogar auf eine mütterliche Weise. Als wären die leidenden Menschen ihre Kinder. Und doch hat sie auch diese sachliche Distanz. Das ist auch das Spiel aus Nähe und Distanz, das ihre vielstimmige Bücher-Show erstaunlich macht."

Die Methode, mit der Alexijewitsch arbeite, sei beeindruckend, meinte  Sigurdardóttir. Es sei Sprachkunst von höchstem Rang, die auch viel Gefühl für die Form enthalte:

"Das ist natürlich eine unglaublich mühselige Arbeit. Es dauert fünf bis zehn Jahre für  Swetlana Alexijewitsch, ein Buch zu schreiben. Also ihre Kunst duldet keine Short-Cuts. Man muss lange dran bleiben."

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