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Interview | Beitrag vom 21.05.2019

Steinmetz Michael Spengler zu Grabsteinen"Wir haben keinen Sinn für den Tod"

Michael Spengler im Gespräch mit Nicole Dittmer

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Die Rückseite von vielen Grabsteine sind auf einen Friedhof zu sehen. (Imago / Hermann J. Knippertz)
Eine Möglichkeit, die Erinnerung an geliebte Menschen wachzuhalten: Der Steinmetz Michael Spengler fertigt individuelle Grabsteine an. (Imago / Hermann J. Knippertz)

Der Steinmetz Michael Spengler fertigt individuelle Grabsteine für Verstorbene an. Damit hilft er den Hinterbliebenen bei ihrer Trauer, wie der Dokumentarfilm "Der Stein zum Leben" zeigt. Doch Spengler kommt auch den Toten nahe.

Sich mit dem Tod auseinandersetzen, das machen viele Menschen meist zum ersten Mal, wenn ein nahestehender Mensch stirbt. Mit der Erinnerung an den Verstorben wird auch versucht, etwas von diesem Menschen über ihren Tod hinaus festzuhalten.

Eine Möglichkeit ist ein individueller Grabstein, wie er von dem Steinmetz Michael Spengler angefertigt wird. In seiner Berliner Werkstatt übersetzt Spengler die Lebensgeschichten von Verstorbenen in einen "Der Stein zum Leben". So heißt auch der Dokumentarfilm von Katinka Zeuner, der am Donnerstag in die Kinos kommt.

Das Leben der Verstorbenen erzählen

Im Mittelpunkt von "Der Stein zum Leben" steht Spengler und dessen Arbeit. Bei dieser wolle er, "den Tod ein bisschen in das Leben zurückzuholen", wie der Bildhauer im Gespräch mit Deutschlandfunk Kultur erklärt.

"Wir haben keinen Sinn für den Tod", findet Spengler. Vielen falle es schwer, nach dem Ableben einer geliebten Person weiterzuleben. Mit seinen Grabsteinen wolle er helfen, "haptische Brücken" zu bauen und das Leben der Verstorbenen zu erzählen.

Die Grabsteine – die Spengler lieber "Denkwerke" nennt – sind auf die einzelnen Menschen zugeschnitten. Deswegen führe er lange Gespräche mit den Hinterbliebenen, um herauszufinden, was den Verstorbenen "im Kern" ausgemacht habe.

Wegbegleiter für die Hinterbliebenen

Er habe das Gefühl, einen Menschen kennenzulernen, der schon tot sei: "Mir kommen die Verstorbenen ganz schön nah", räumt Spengler ein. Er selbst habe den ersten Grabstein nach dem Tod seiner Mutter hergestellt. Damals war er gerade in der Steinmetzlehre. Doch habe ihn die Arbeit sehr geholfen, den Tod zu verarbeiten.

Der Steinmetz Michael Spengler steht an einem Stein. In der Hand hält er einen Zollstock. (Realfiction / Katinka Zeuner)Trauer verarbeiten: Michael Spengler fertigte seinen ersten Grabstein für seine Mutter an. (Realfiction / Katinka Zeuner)

Er verstehe sich selbst eher als "Wegbegleiter", sagt Spengler. Und: "Wenn der Stein auf dem Friedhof aufgestellt ist, dann ist ein Schritt auf dem Weg der Trauer genommen", erklärt Spengler, der seine Werkstatt auf dem Elisabethfriedhof in Berlin hat.

(rzr)

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