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Konzert / Archiv | Beitrag vom 27.04.2018

Steffen Schleiermacher und das Ensemble AvantgardeDarmstadt liegt am Mittelmeer

Der italienische Komponist Luigi Nono, Foto von ca. 1988. (imago)
Von Venedig nach Darmstadt und zurück: Der Komponist Luigi Nono (1924-1990). (imago)

Avantgarde: Einst militärische Bezeichnung, dann ästhetische Parole, schließlich historischer Begriff. Wie klingt die Avantgarde der Nachkriegszeit? Wirkt sie immer noch neu? Eine Spurensuche mit Musik aus Italien und Spanien.

Die Darmstädter Ferienkurse waren für Komponisten, Interpreten und nicht zuletzt für das Publikum ein Mekka moderner Musik. Beim Studium der Darmstädter Dokumente und Programme aus den 1950er und 60er Jahren fällt immer wieder auf, wie präsent dort Komponisten aus Italien und Spanien waren – sowohl als Studierende wie auch als Lehrende.

Keineswegs beherrschten Karlheinz Stockhausen oder Pierre Boulez mit ihren Ansichten und Konzepten das Geschehen seinerzeit so eindeutig, wie sie oder ihre Anhänger das der Welt gerne glauben machen wollten. Aber klingt die Avantgarde von den Gestaden des Mittelmeeres anders als die aus Köln oder Paris? Gibt es eventuell eine Klanglichkeit, die ihnen gemeinsam ist und sie gleichzeitig von anderem trennt, trotz der Idee der universellen (und austauschbaren) Avantgarde, die damals in Darmstadt gepredigt wurde und auch heute noch vereinzelt vertreten wird?

Moden der Moderne, Dimensionen der Deutung

Bruno Madernas Wirken wird oft auf seine überragende Arbeit als Dirigent reduziert, seine Kompositionen finden sich vergleichsweise selten auf den Spielplänen. Besonders interessiert war er an elektronischer Musik; er gehört zu den Pionieren, die bereits Anfang der 1950er Jahre mit den neuen Mitteln im Studio experimentierten und komponierten. Luigi Nono dagegen fand vergleichsweise spät zur Elektronik, und auch sein Name steht heute erstaunlich wenig auf den Spielplänen. Dabei stammen einige Schlüsselwerke der "Darmstädter Schule" aus Nonos Feder.

Der spanische Komponist Luis de Pablo dagegen ist in Deutschland weitgehend unbekannt geblieben, trotz einiger Erfolge in der damaligen Avantgardeschmiede. Geboren wurde er 1930 in Bilbao und zählt heute mit 88 Jahren zu den wenigen noch aktiven Vertretern dieser Musikergeneration. Auf den ersten Blick scheinen seine Werke die damaligen Kompositionsmoden mitzumachen: Serielle Musik, Aleatorik, Offene Formen. Doch der zweite Blick offenbart eine weitere Dimension.

Gewandhaus Leipzig, Mendelssohn-Saal
Aufzeichnung vom 25.04.2018

Luis de Pablo
"Cesuras" für sechs Instrumente

Bruno Maderna
"Musica su due dimensioni" für Flöte und Tonband

Luis de Pablo
"Movil I" für zwei Klaviere

Luigi Nono
"…sofferte onde serene…" für Klavier und Tonband

Luis de Pablo
"Prosodia" für Ensemble

Bruno Maderna
"Notturno", elektronische Musik

Luigi Nono
"Polifonica – Monodia – Ritmica" für Ensemble (Urfassung)

Ralf Mielke, Flöte
Ipke Starke, Klangregie
Ensemble Avantgarde
Leitung, Klavier und Moderation: Steffen Schleiermacher

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