Seit 15:05 Uhr Tonart

Donnerstag, 28.05.2020
 
Seit 15:05 Uhr Tonart

Konzert / Archiv | Beitrag vom 02.01.2018

Steffen Schleiermacher spielt und moderiertRadikal, aber unterhaltsam

Aus dem Gewandhaus Leipzig

Der Komponist und Pianist Hermann Keller (Edition Juliane Klein)
Diesmal unter Jüngeren:der Komponist und Pianist Hermann Keller (Edition Juliane Klein)

Die musikalische Moderne hat viele Gesichter – und Steffen Schleiermacher, selbst Komponist, macht sich als Pianist und moderierender Entertainer ein besonderes Vergnügen daraus, solche Unterschiede vor- und darzustellen.

Zum Beispiel die zwischen Tobias Eduard Schick und Alexander Muno, beide im vierten Lebensjahrzehnt, aber ziemlich different in ihren Klangwelten. Während Schick sich durch radikale, geräuschnahe Tonfelder bewegt – manche Passagen der im Konzert von ihm selbst gespielten Kontrabass-"Klangzeichnung" erinnern an das Rotationsgebrumm eines Hubschraubers – bevorzugt Muno eine vergleichsweise fast elegante, quasi spätest-impressionistische und damit auch zu seinen poetisch verrätselten Werktiteln passende Linienführung. Womöglich spielt da ein Pariser Studienjahr des Komponisten hinein, bei dem er sicher auch auf Werke des 1939 gestorbenen Charles Tournemire gestoßen ist, der, tief religiös, vor allem als Orgelkomponist und –praktiker Furore machte und dabei in einer bemerkenswerten Ahnenreihe stand: Franck, Widor und d’Indy gehörten zu seinen Lehrern, Langlais und Duruflé zu seinen Schülern. Hermann Keller wiederum, mit seinem Geburtsjahrgang 1945 zwischen dem Moderne-Klassiker Tournemire und seinen jungen Kollegen angesiedelt, hat sich aus Traditionen und Konventionen nie besonders viel gemacht, sondern eine hart-sperrige, herausfordernde Klangsprache gesucht; dass seine Klavierstücke im Leipziger Programm von den Kompositionen Tobias Eduard Schicks gleichsam umarmt werden – so wie das Werk Tournemires von Muno – hat also durchaus seinen Sinn.


Gewandhaus Leipzig

Aufzeichnung vom 11.10.2017


Alexander Muno

"Gläserne Dämpfe, Plastikblumen" für Klarinette, Viola, Violoncello und Klavier

Charles Tournemire

"Senza rigore" aus: Douze Préludes-poèmes für Klavier op. 58

Alexander Muno

"Schwarzer Sand, gesprungenes Stundenglas" für Altsaxophon, Violine und Klavier

Tobias Eduard Schick

"Klangzeichnung" für Kontrabass solo

Hermann Keller

Sechs Klavierstücke

Tobias Eduard Schick

"Unter Verschluss" für Klarinette, Violoncello und Klavier


Tobias Eduard Schick, Kontrabass

Ensemble Avantgarde

Steffen Schleiermacher, Klavier und Moderation

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur