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Fazit / Archiv | Beitrag vom 06.06.2012

Stasi-Gedenkstätte Bautzen eröffnet Hör-Ausstellung

"Hörgang Bautzen II" - ein Gemeinschaftsprojekt der Gedenkstätte mit Deutschlandradio Kultur

Tom Ritschel und Moritz von Rappard im Gespräch mit Gabi Wuttke

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Blick in eine Zelle des Stasi-Gefängnisses Bautzen II. (picture alliance / dpa)
Blick in eine Zelle des Stasi-Gefängnisses Bautzen II. (picture alliance / dpa)

Die Audio-Installation in der ehemaligen Stasi-Sonderhaftanstalt soll dem Besucher helfen, die meist auf das Gehör reduzierte Wahrnehmung der Häftlinge nachvollziehen zu können. Diese Haft-Praxis des Sehens durch das Hören ist nach den Worten des Initiators der Ausstellung, Tom Ritschel, die Grundidee des "Hörgangs".

In der Gedenkstätte im früheren Stasiknast in Bautzen ist am Mittwochabend ein sogenannter Hörgang vorgestellt worden.

Mit ihm sollen die Besucher den Alltag in dem einstigen Stasi-Gefängnis akustisch nacherleben können. Der Hörgang gehört zu einer Ausstellung, die in Zusammenarbeit mit der Hörspielredaktion von Deutschlandradio Kultur entstand.

"Wenn man nach Bautzen kommt, dann fällt natürlich auf, dass es ein ganzes System gab, das diese Isolation eigentlich sicher gestellt hat. Das fällt einem aber auch erst beim genaueren Hinsehen auf", sagte der Initiator Tom Ritschel vor der Eröffnung.

In der Betrachtung der ganzen Anlage sei Ritschel bewusst geworden, das dem Besucher nur durch die Anschauung des Gefängnisses nicht richtig deutlich werde, was es heißt, isoliert zu sein. "In der Auseinandersetzung wurde mir dann relativ schnell klar: Wenn man allein ist in diesem System und den ganzen Tag in dieser winzigen Zelle, die auch sehr, sehr wenig visuellen Anreiz bietet, dass es eigentlich hier nur eine Orientierung sein konnte, die über das Gehör geht." Einer der ehemaligen Häftlinge, Karl Wilhelm Fricke, habe die Bedeutung der Geräusche in der Haft dabei sehr treffend zusammengefasst: "Das eigentliche Hören wird zum Sehen." Die Häftlinge hätten hier gelernt, mit den Ohren zu sehen.

"Wir haben uns in diese Zellen hinein begeben. Es wurde klar: Es gibt nicht einmal den direkten Blick nach draußen, die Fenster sind entweder mit Milchglas oder Riffelglas oder Farbe einfach zugetüncht. Das heißt, es ist tatsächlich so, dass alles, was ich wahrnehme, über die Ohren kommt", erklärt der Klangkünstler Moritz von Rappard den Ansatz für die Ausstellung. Darum sei die Konzeption der Ausstellung eine Darstellung der äußerlichen und der innerlichen Welt: "Beide akustischen Eindrücke konzentrieren sich auf das, was im Kopf des Häftlings vorgeht", sagte Rappart.


Das vollständige Gespräch können Sie mindestens bis zum 06.12.2012 als MP3-Audio in unserem Audio-on-Demand-Player nachhören.

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