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Fazit / Archiv | Beitrag vom 19.04.2020

Star-Friseur über sein Handwerk"Es ist eine Art gesellschaftliche Kunst"

Shan Rahimkhan im Gespräch mit Vladimir Balzer

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Shan Rahimkhan (Vladimir Balzer)
Shan Rahimkhan ist der Friseur, dem die Stars vertrauen. (Vladimir Balzer)

Seit Wochen dürfen wir nicht zum Friseur. Dabei fehlt uns mehr als nur ein Haarschnitt, uns fehlt ein besonderer Ort der Nähe, an dem wir uns unterhalten und rundum wohlfühlen können, meint Promi-Friseur Shan Rahimkhan.

In Deutschland können die Menschen seit Wochen nicht mehr zum Friseur, so dass nun allerhand auf ihren Köpfen wuchert. Auch der Berliner Star-Coiffeur Shan Rahimkhan ist vom Shutdown betroffen. Sein Geschäft auf dem Kurfürstendamm bleibt geschlossen. Das heißt aber keineswegs, dass er nichts zu tun hat.

Ganz im Gegenteil: Neben dem Ausbau seines Online-Shops und strukturellen Veränderungen im Laden hat er "die Zeit genutzt, um zu fantasieren und ein bisschen zu träumen", wie er sagt: "Das hat mir ein bisschen gefehlt, weil ich so viel zu tun hatte in letzter Zeit."

"Eine eigene Kunst für sich, aber in einem eigenen Mikrokosmos"

Jetzt heißt es erst mal Konzentration aufs Wesentliche: aufs Friseurhandwerk. Daraus entstehe dann irgendwann eine Frisurkunst, sagt er: "Ich hab jahrelang vermieden, das zu sagen, aber ich glaube, man könnte schon sagen: Es ist eine Art gesellschaftliche Kunst. Es ist eine eigene Kunst für sich, aber in einem eigenen Mikrokosmos – also jetzt nicht vergleichbar mit einem Gemälde", findet Rahimkhan, dessen Kunden aus dem Showbiz kommen.

Auch wenn Friseure weit davon entfernt seien, Psychologen zu sein, so seien sie doch nah am Kunden, führten intime Gespräche mit ihm, hätten viel Körperkontakt und dabei doch eine gesunde Distanz, erklärt Rahimkhan seinen Beruf. 

Friseure gäben alles, damit ihre Kunden sich wohl fühlten, sich wirklich anders fühlten nach einem Besuch bei ihnen. "Ich glaube, dieses Gesamtbild, diese gesamte Situation ist eine besondere." Deswegen habe ein solcher Besuch auch einen kulturellen Wert.

Im Iran wird der Friseurbesuch zum ganz besonderen Event

Dieser Wert kann aber auch ganz anders aussehen: Rahimkhan verbrachte seine Kindheit im Iran. Nach der Islamischen Revolution gebe es dort für Frauen kaum noch öffentliche Räume, in denen sie sich ohne Kopftuch zeigen könnten. So werde der Friseurbesuch fast schon zu einem Event der ganz eigenen Art, wohin ganze Frauengruppen einen Ausflug machten.

Aber alles in allem sei ein Friseurbesuch überall auf der Welt gleich: Man will sich wohlfühlen und hinterher außergewöhnlich aussehen.

Nach dem Shutdown wird er sicherlich die ein oder andere Heimfrisur ausbessern müssen und er weiß schon, wer sich dazu besonders eignen könnte:

"Ja, ich habe, glaube ich, den Minister Scholz neulich gesehen, wo er sich ein Loch auf der einen Seite rasiert hat. Also da gibt es einige Unfälle, die wahrscheinlich noch einmal korrigiert werden müssen. Und das wird wahrscheinlich auch ein halbes Jahr dauern, bis es nachwächst."

(ckr)

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