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Interview | Beitrag vom 22.07.2019

Stadtforscher über InteressenkonflikteVom Feiern, Lärmen und Schlafen

Dietrich Henckel im Gespräch mit Dieter Kassel

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Auf der Admiralsbrücke sitzenzahlreiche Besucher, feiern und hören den Straßenmusiker bis spät in die Nacht zu.  (imago/ travel-stock-Image)
Admiralsbrücke in Berlin-Kreuzberg: Das Szene-Volk trifft sich gern hier - die Anwohner schauen dem Treiben eher skeptisch zu. (imago/ travel-stock-Image)

Partygänger machen Lärm, Anwohner wollen ihre Ruhe: Das ist einer der Konflikte, denen sich das Buch "Zeitgerechte Stadt" widmet. Städte wie Paris und Amsterdam lösen das Problem besser als Berlin, weiß Herausgeber Dietrich Henckel.

Fährt ein Nachtbus oder die U-Bahn? Wie lange braucht der Notarzt? Wie schnell kommt man als Fußgänger voran? Eine "zeitgerechte Stadt" muss gut geplant sein und viele Interessen berücksichtigen. Untersuchungen dazu stellt jetzt der Stadtforscher und emeritierte Professor der TU Berlin, Dietrich Henckel, in einem Sammelband vor.  

Paris und Amsterdam als Vorbilder

Die deutsche Hauptstadt zieht seit Jahren ein feierfreudiges Publikum an, das die Nacht gern zum Tag macht. Andere wollen lieber schlafen: "Das ist ein Konflikt, der nur durch Kooperation und gemeinsames Verhandeln zu lösen ist", sagt Henckel.

Dass das gelingen kann, dafür gebe es Beispiele. So gingen Paris und Amsterdam, die unter den gleichen Problemen litten, "sehr rigoros" gegen Verstöße vor. Berlin hingegen habe auf einer Tagung signalisiert: "Wir kriegen die Durchsetzung nicht hin."

Geteilter Bürgersteig für Shopper und Schlenderer

Bei der Planung einer zeitgerechten Stadt geht es dem Forscher zufolge vor allem darum, für Konflikte zu sensibilisieren. Nicht alle Ideen ließen sich durchsetzen, sagt Henckel. Er hat dafür ein Beispiel aus London: Die Geschäftsleute auf der Oxford Street hätten einen geteilten Bürgersteig gefordert, weil langsam schlendernde Touristen potentielle Käufer behinderten. Vergeblich. In China aber sei das bereits Realität.

(bth)

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