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Im Gespräch | Beitrag vom 13.07.2019

Stadt-Land-Gefälle Wie schaffen wir gleichwertige Lebensverhältnisse?

Klaus J. Beckmann und Sandra Nachtweih im Gespräch mit Susanne Führer

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Ein Blick auf die B104 - die Bundesstraße im Grenzgebiet zu Polen. (picture-alliance / dpa/Stefan Sauer)
Das mecklenburg-vorpommersche Pasewalk im Grenzgebiet zu Polen: Hier gibt es schnelles Internet nur im Stadtzentrum. (picture-alliance / dpa/Stefan Sauer)

Wie lebt es sich in Deutschland? Antworten gibt der aktuelle "Deutschlandatlas" der Bundesregierung. Das Ergebnis: Von gleichwertigen Lebensverhältnissen sind wir meilenweit entfernt. Wie können wir sie schaffen? Diskutieren Sie mit!

Deutschland hat ein Verteilungsproblem, das bestätigt auch der "Deutschlandatlas", der in dieser Woche von der Regierungskommission "Gleichwertige Lebensverhältnisse" vorgestellt wurde. Der Befund: Wohnungsnot in den großen Städten, Leerstand auf dem Land; ein Kaufhaus neben dem anderen in der Hauptstadt, kein einziges Geschäft mehr auf dem Dorf. Hier werden Arbeitskräfte gesucht, dort Arbeitsplätze.

Kein Problem Ost

"Das ist ein gesamtdeutsches Problem, kein Problem Ost", sagt der Verkehrs- und Stadtplaner Klaus J. Beckmann. Hohe Arbeitslosigkeit, geringes Einkommen und geringe Wirtschaftsleistung gebe es auch in Teilen des Ruhrgebiets, im Saarland oder im Bayerischen Wald. "Und wir müssen auch eine gesamtdeutsche Lösung finden. Das kostet Geld, aber da müssen wir stärker hingucken." Das hätten die Politiker lange versäumt, kritisiert der ehemalige Direktor des Deutschen Instituts für Urbanistik in Berlin.

Mangelnde Zukunftschancen auf dem Land

 "Wir wollen ja, dass es Unterschiede gibt zwischen Stadt und Land. Aber es müssen die gleichen Möglichkeiten da sein, dass man in ähnlicher Zeit die wichtigen Angebote erreicht", sagt Sandra Nachtweih. Sie ist seit 2014 Bürgermeisterin der Stadt Pasewalk in Mecklenburg-Vorpommern. Die Stadt nahe der deutsch-polnischen Grenze steht stellvertretend für viele im ländlichen Raum: Die Einwohnerzahl ist seit der Wende von 16.000 auf 10.000 geschrumpft, mehr als ein Drittel sind über 65. Die Arbeitslosenquote liegt bei 12 Prozent, schnelles Internet gibt es nur im Stadtzentrum.

Mangels Zukunftschancen ziehen die meisten Jungen weg – ein Teufelskreis. Und ein Nährboden für extreme Parteien. Um hier gegenzusteuern, brauche es nicht nur mehr Geld, so Nachtweih. Der Staat müsse auch Anreize schaffen, dass sich Arbeitgeber nicht nur in den großen Städten ansiedeln.     

Wie schaffen wir gleichwertige Lebensverhältnisse?
Darüber diskutiert Susanne Führer am Samstag, den 13. Juli mit Sandra Nachtweih und Klaus J. Beckmann – live von 9:05 Uhr bis 11 Uhr. Hörerinnen und Hörer können sich beteiligen unter der Telefonnummer 0800 22 54 22 54 sowie per E-Mail: gespraech@deutschlandfunkkultur.de

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