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Konzert / Archiv | Beitrag vom 14.03.2020

Staatstheater Mainz: Premiere entfällt - wir übertragen trotzdemRevolutionsoper von Luigi Nono

Moderation: Stefan Lang

Vier Frauen stehen auf einem Gerüst, von einem großen roten Fahnentuch umgeben. (Staatstheater Mainz / Andreas Etter)
Luigi Nonos Revolutionsoper im Staatstheater Mainz (Staatstheater Mainz / Andreas Etter)

"Al gran sole carico d’amore - Unter der großen Sonne von Liebe beladen" - so der Titel Luigi Nonos Oper, die er 1972 für die Mailänder Scala komponierte. Eine Oper voller Revolutionsmomente der Weltgeschichte mit historischen Frauenfiguren.

Bis zum Mittag war geplant, die Premiere auf die Bühne zu setzen, wenn auch ohne Publikum. Dann kam die Mitteilung, dass Veranstaltungen nur maximal 50 Personen zulassen dürfen - allein das Ensembleaufgebot, Sänger und Orchestermitglieder, hätte diesen Rahmen gesprengt.

Deutschlandfunk Kultur hatte seine Technikcrew schon zur Generalprobe vor Ort und die Mikrophone aufgezogen. Somit konnten wir Nonos Oper doch senden, auch bei ausgefallender Premiere. Deutschlandfunk Kultur hat es möglich gemacht.

Revolutionsmix 

Nonos "Al gran sole carico d’amore" ist eine politische Oper. Sie ruft politische Texte auf. Es sind Szenen gescheiterter Revolutionen und Aufstände des 18., 19.  und auch des 20. Jahrhunderts, die den Stoff dieser Oper bilden.

Der Chor des Theaters steht in langen Gewändern und verhüllten Gesichtern mit gezückten Waffen auf der Bühne. (Staatstheater Mainz / Andreas Etter)Für eine Revolution braucht es Waffengewalt - auch in Luigi Nonos Oper. (Staatstheater Mainz / Andreas Etter)

In einer Art Text-Collage stellte Luigi Nono sein Libretto zusammen. Dabei werden die Umwälzungen der Pariser Kommune und der Russischen Revolution lebendig, ebenso der Streik der Turiner Fiat-Arbeiter. Auch die Ereignisse in Kuba und Vietnam sind eingebunden.

Dabei setzte Luigi Nono besonders historische Frauenfiguren ins Zentrum wie Louise Michel, die sich 1870 aktiv dem französischen Widerstand anschloss, oder die deutsch-argentinische "Tania" Tamara Bunke, die dem Kreis der Guerilla-Kämpfer um Che Guevara angehörte.

Vier Frauen knien beieinander und haben die Hände an einem Punkt zusammengelegt. (Staatstheater Mainz / Andreas Etter)Alexandra Samouilidou, Marie-Christine Haase, Linda-Sommerhage und Maren-Schwier stellen ganz unterschiedliche starke Frauen dar. (Staatstheater Mainz / Andreas Etter)

Daneben integrierte Nono auch Schriften von Marx, Brecht, Castro und Arthur Rimbaud, dessen Gedicht über den Kampf der Frauen im Paris der 1870er Jahre titelgebend war.

Das Orchester im erhobenen Orchestergraben und Solisten auf der Bühne sind gleichermaßen sichtbar. (Staatstheater Mainz / Andreas Etter)Das Orchester ist Teil der Inszenierung in Mainz. (Staatstheater Mainz / Andreas Etter)Luigi Nono
Al gran sole carico d’amore - Unter der großen Sonne von Liebe beladen
Libretto von Luigi Nono und Juri Petrowitsch Ljubimow auf Texte von Bramsci, Marx, Gorki, Brecht, Pavese, Timbaud, Lenin, Fidel Castro und Che Guevara

Marie-Christine Haase - Soprano 1
Alexandra Samouilidou - Soprano 2
Maren Schwier - Soprano 3
Linda Sommerhage - Soprano 4
Sanja Anastasia - Alto / Madre
Alexander Spemann - Tenore 1
Johannes Mayer - Tenore 2
Brett Carter - Baritono / Pavel
Peter Felix Bauer - Basso 1
Florian Küppers - Basso 2

Chor des Staatstheater Mainz - Coro Grande
Les Métaboles - Coro Piccolo

SWR Experimentalstudio Freiburg
Philharmonisches Staatsorchester Mainz
Leitung: Hermann Bäumer

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