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Konzert / Archiv | Beitrag vom 13.07.2018

Staatsphilharmonie NürnbergUntergang und Auferstehung an einem Abend

Moderation: Stefan Lang

Marcus Bosch (Staatstheater Nürnberg)
Dirigent Marcus Bosch verlässt die Staatsphilharmonie Nürnberg. (Staatstheater Nürnberg)

Der Dirigent Marcus Bosch verabschiedet sich von der Staatsphilharmonie Nürnberg. Sein letztes Konzert bestreitet er mit Zimmermanns "Ballet noir" um den König "Ubu" und Mahlers "Auferstehungssinfonie".

Bernd Alois Zimmermann taucht in diesem Jahr verstärkt in den Programmen auf. Sein 100. Geburtstag am 20. März hat sein Werk in den Fokus gerückt. Für seine Musik entschied sich auch der Dirigent Marcus Bosch, der sich am 13. Juli von der Staatsphilharmonie Nürnberg verabschiedet. Die Wahl fiel auf das schwarze Ballett in sieben Teilen, der "Musique pour les Soupers du Roi Ubu" für Orchester und Combo. 

Der Komponist Bernd Alois Zimmermann steht vor einem Fenster, raucht und lächelt. (Schott Music)Der Komponist Bernd Alois Zimmermann 1954 in Mainz. (Schott Music)

Zimmermann komponierte das Werk nach Alfred Jarrys dadaistischem Theaterstück, in dem Ubu im Mittelpunkt steht, ein bösartiger Hanswurst, ein militanter Einfallspinsel, der auch Massenmörder ist. Für dieses Wesen hat Zimmermann eine Art Ballettmusik kreiert, die anlässlich eines Festbanketts am Hofe Ubus gespielt werden soll. 

Zitateschlacht im Collage-Stil

Die Akademie des betreffenden Landes, in dem das Stück spielen soll, wird von Ubu zum Bankett zitiert – und zum Schluss durch die Falltür befördert. Symbol für den Weg einer freiheitlichen Akademie unter der Regierung eines Usurpators. Zimmermann erfand ein reines Collagenstück: Die verwendeten Renaissance-Tänze werden nach allen Regeln der Kunst zerlegt und mit Zitatflecken, etwa von Stockhausen oder Wagner regelrecht übermalt, bisweilen grell parodiert. Zwischen den Teilen lässt Zimmermann einen Conférencier zu Wort kommen.

Im Gespräch dazu der Conférencier des Abends, Matthias Egersdörfer:

Der Höllenvision folgt die Auferstehung – die große Zweite von Gustav Mahler, die ein Riesenorchester und einen großen Chor fordert samt zweier Solistinnen. Seine "Auferstehungssinfonie" begründete Mahlers Ansehen als Komponist. Den ersten Satz hat Mahler "Totenfeier" genannt: "... und wenn Sie es wissen wollen, so ist es der Held meiner 2. Symphonie, den ich da zu Grabe trage, und dessen Leben ich, von einer höheren Warte aus, in einem reinen Spiegel auffange." Der Schlussatz geht dann auf eine Ode Klopstocks zurück, den Hymnus von der Auferstehung. 

Staatsphilharmonie Nürnberg sitzend auf einer großen Bühne (Jutta Missbach)Staatsphilharmonie Nürnberg in großer Besetzung (Jutta Missbach)

Zum Programm ein Gespräch mit dem Dirigenten Marcus Bosch und dem Dramaturgen des Nürnberger Orchesters Kai Wessler:

Live aus der Meistersingerhalle Nürnberg

Bernd Alois Zimmermann

Musique pour les soupers du roi Ubu

Gustav Mahler
Sinfonie Nr. 2 c-Moll " Auferstehungssinfonie"

Matthias Egersdörfer, Conférencier
Leah Gordon, Sopran  
Ida Aldrian, Alt 
Chor und Extrachor des Staatstheaters Nürnberg
Staatsphilharmonie Nürnberg
Leitung: Marcus Bosch

In der Pause sendeten wir einen Beitrag von Claus Fischer zum 200. Geburtstag des Orgelbauers Friedrich Ladegast:

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