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Fazit / Archiv | Beitrag vom 26.02.2018

Staatsballett Berlin: Sasha Waltz stellt Spielplan vor"Wie wir uns diese Compagnie erträumen"

Von Elisabeth Nehring

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Sasha Waltz (r.) und Johannes Öhman, die designierten Intendanten des Staatsballetts Berlin, stellen auf einer Pressekonferenz ihr Programm für die Spielzeit 2018/19 vor. (picture alliance / Maurizio Gambarini/dpa)
Sasha Waltz (r.) und Johannes Öhman, die designierten Intendanten des Staatsballetts Berlin, stellen auf einer Pressekonferenz ihr Programm für die Spielzeit 2018/19 vor. (picture alliance / Maurizio Gambarini/dpa)

Wer befürchtet hatte, dass mit der neuen Intendanz von Sasha Waltz und Johannes Öhman am Staatsballett Berlin das klassische Erbe flöten gehe, kann nun wieder ruhig schlafen. Sasha Waltz und Johannes Öhmann haben ihre ersten, behutsamen Veränderungen im Spielplan vorgestellt. Vor allem bei den Wiederaufnahmen und der Gestaltung des neuen Repertoires geht es klassisch zu. Zehn neue Tänzer ergänzen das Ensemble.

Jetzt ist es offiziell: die Spielzeit 2018/19, die der bisherige Chef des Staatsballett Berlin, Nacho Duato, durch seinen vorgezogenen Abgang ein Jahr früher als geplant freigibt, sieht immerhin zwei neue große Abende aus dem Bereich des klassischen Tanzes vor: Choreograf und Ex-Bolschoiballett-Direktor Alexei Ratmansky wird als sorgfältiger Traditionalist "La Bayadère" nach der Ursprungsfassung von Marius Petipa herausbringen. Extänzer und Bournonville-Kenner Frank Andersen wird sich dagegen den romantischen Klassikern "La Sylphide" und "Napoli" annehmen.

Neues Repertoire weitgehend klassisch

Vor allem aber bei den Wiederaufnahmen und der Gestaltung des neuen Repertoires geht es klassisch zu: mit "Onegin" und "Romeo und Julia" sind zwei bedeutende Werke von John Cranko dabei. Daneben wird es die Patrice Bart-Version des "Schwanensee" im regelmäßigen Programm zu sehen geben und – als besondere Finte – der gerade erst vor zwei Jahren von Nacho Duato sinnloser Weise rausgeschmissene "Nussknacker" der beiden russischen Choreografen Vasily Medvedev und Yuri Burlaka wiederaufgenommen.

Treffen von klassischen und zeitgenössischen Tänzern

Dass Sasha Waltz und Johannes Öhman aber nicht auf einmal auf’s komplett Klassische umgeschwenkt sind, macht die zukünftige Ballettintendantin deutlich, als sie von der ersten Audition erzählt, zu der klassische und zeitgenössische Tänzer und Tänzerinnen eingeladen waren:

"Es war für uns ein Ausblick darauf, wie wir uns diese Compagnie erträumen. Es gab ein klassisches Training, es gab ein zeitgenössisches Training, es gab Improvisationen und es gab ein Treffen der klassischen Tänzer mit den zeitgenössischen Tänzern und es gab tatsächlich diese Erfahrung der klassischen Tänzer, dass das Zeitgenössische doch etwas ist, das man erlernen muss und wo ein Respekt wachsen kann der anderen Form gegenüber – und umgekehrt. In dieser Audition sah man, wie wir diese Brücke schlagen wollen zwischen den unterschiedlichen Sprachen, aber mit einem gegenseitigen Respekt."

Drei neue Solisten im Ensemble

Nach und nach wird auf diese Weise das Ensemble neu zusammengestellt, wobei Waltz und Öhman ganz explizit nicht zwischen klassischen und zeitgenössischen Tänzern strikt trennen wollen. Mit Yolanda Correa vom Norwegischen Nationalballett, Daniil Simkin vom American Ballet Theatre sowie Alejandro Virelles Gonzalez vom Bayerischen Staatsballett – allesamt Solisten – konnten Waltz und Öhman immerhin schon drei fabelhafte Neuzugänge präsentieren. Und, als Überraschung, auch mit der Aufstockung der Compagnie um zehn auf insgesamt nun 93 Tänzer glänzen.

Die Zusammensetzung der zeitgenössischen Premieren in der Spielzeit 2018/19 fällt dagegen nicht ganz so aufregend wie erhofft aus: der Belgier Stijn Celis, die Israelin Sharon Eyal und der Amerikaner Richard Siegal sind eingeladen, neue Produktionen am Staatsballett herauszubringen. Drei erfahrene, souveräne Choreografen, mit denen man auf keinen Fall was falsch macht, die als Mischung einen aber auch nicht total vom Hocker hauen. Da klingt die Ankündigung, den seit vielen Jahren in Berlin ansässigen Choreografen Jefta van Dinther für die Spielzeit 2019/20 zu holen, schon etwas wagemutiger.

Erste Sasha-Waltz-Premiere erst im April 2020

Sasha Waltz selbst wird auch erst in der übernächsten Spielzeit als Choreografin auftauchen, genauer gesagt: im April 2020 ihre erste eigene Premiere herausbringen – und hat dafür den in jeder Hinsicht interessanten österreichischen Komponisten Georg Friedrich Haas gebeten, ein Ballett zu komponieren, das seine Uraufführung davor in der Staatsoper feiern wird.

Das kommende Jahr, um das es bei dieser Pressekonferenz primär ging, nennen Waltz und Öhman ihre "Übergangsspielzeit". Die bietet den beiden eine gute Gelegenheit, auf sukzessive Weise mit der Direktion zu beginnen und das Ensemble nach und nach neu zu formieren – ein sympathisch unaufgeregter Beginn nach dem dramatischen Auftakt im letzten Jahr. Sasha Waltz:

"Da wird es erst mal keine großen strukturellen Veränderungen geben, aber wir werden ein großes Programm starten, um die ganze Struktur zu überdenken und zu evaluieren. Da wird auch jemand Externes gefragt, um auch wirklich die innere Struktur zu evaluieren. Das ist ganz wichtig nach so einer langen Zeit, nach eingefahrenen Strukturen zu forschen."

Enge Verzahnung mit der zeitgenössischen Tanzszene Berlins

In diesem Zusammenhang spielte Sasha Waltz auch auf eine zukünftig engere Verzahnung des Staatsballetts mit der freien, zeitgenössischen Tanzszene Berlins an, deren Teil sie als Direktorin ihrer eigenen Compagnie Sasha Waltz and Guests ja immer noch ist und bleibt. Gelänge in den nächsten Jahren eine echte, ausbalancierte Interessenskoalition zwischen der Freien Szene und dem sich neu formierenden Staatsballett, könnten davon alle profitieren – nicht nur die klassischen und zeitgenössischen, festen und freien Tänzer und Choreografen, sondern auch und vor allem die Berliner Kulturpolitik, die den Tanz viel zu lange vernachlässigt hat.

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