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Tonart | Beitrag vom 02.10.2020

Staatliches Institut für MusikforschungProtest gegen Schließungspläne

Dörte Schmidt im Gespräch mit Matthias Mauersberger

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Das Musikinstrumentenmuseum in Berlin (imago images / Schöning)
Nach dem Gutachten des Wissenschaftsrats würde lediglich das Berliner Musikinstrumenten-Museums vom SIM übrig bleiben. (imago images / Schöning)

Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz soll sich eigentlich mit der Kultur der Bundesrepublik beschäftigen. Doch der Wissenschaftsrat hat vorgeschlagen, dass im Breich der Musik künftig kräftig gekürzt werden soll. Ein Fehler?

Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz ist eine der größten Kultureinrichtungen in Deutschland. Sie vereint die großen Berliner Museen und die Staatsbibliothek unter ihrem Dach. Um die Zukunft dieses großen Tankers gibt es jetzt allerdings schon länger Diskussionen: Ein im Juli veröffentlichtes Gutachten des Wissenschaftsrates übte starke Kritik an der Struktur des Verbunds und schlug konkrete Reformen vor. Das Staatliche Institut für Musikforschung (SIM) könnte davon besonders betroffen sein: Die Vorschläge sehen vor, die Forschungseinrichtungen des Instituts auszulösen und es aufs Kerngeschäft des Musikinstrumenten-Museums zu beschränken.

Das SIM ist interdisziplinär aufgestellt

Dörte Schmidt, Professorin für Musikwissenschaft an der Universität der Künste in Berlin und Präsidentin der Gesellschaft für Musikforschung, hat gemeinsam mit Kollegen und Kolleginnen in einem offenen Brief an Kulturstaatsministerin Monika Grütters für den Erhalt des SIM plädiert. Im Hinblick auf die Stiftung Preußischer Kulturbesitz sieht Schmidt zwar durchaus Reformbedarf. Den unterbreiteten Vorschlag für die de facto Zerschlagung des SIM lehnt sie jedoch ab.

Das Gutachten des Wissenschaftsrats schlägt vor, die Einrichtungen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz nach gleichartigen Sparten zu trennen - also Museen zu Museen und Archive zu Archiven zu rücken.

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Für das SIM sei dies keine praktikable Lösung, so Schmidt. Denn: "Es ist eine Einrichtung, die ein Museum mit einem Konzertsaal, einer Bibliothek, einem Studio und mit historischer und musiktheoretischer Forschung verbindet. Das heißt: Eigentlich ist das SIM schon in sich so interdisziplinär aufgestellt, wie man das für die Stiftung insgesamt gerne hätte."

Ein Ort für die Debatte über Musik als Kunst

Die Quasi-Auflösung des SIM sei fatal, so Schmidt: "Wenn wir die Stiftung als tatsächliche Erbin der kulturellen Hinterlassenschaften unserer Geschichte ansehen, wäre es fatal, wenn die Musik nicht dabei wäre. Die Musik ist eine zentrale Kunst für die Kultur, in der wir leben."

Es wäre gut, so Schmidt, wenn die gesamte europäische Musik einen Ort hätte, an dem sie miteinander ins Gespräch käme. Ohne Debatte, ohne Diskussion und Austausch drohe ein Absturz der Kultur ins rein Kunstgewerbliche, so Schmidt.

"Ich glaube, dass wir unbedingt eine Kunstdiskussion im Bereich der Musik brauchen. Die haben wir nämlich nicht. Wir reden über ganz viele Dinge im Zusammenhang mit Musik. Aber darüber, was Kunst heute kann, darüber reden wir sehr wenig. Gerade vor dem Hintergrund, dass wir eine Verfassung haben, die die Freiheit von Wissenschaft und Kunst sehr hoch, sogar vor der Meinungsfreiheit ansiedelt."

(hte/thg)

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