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Fazit | Beitrag vom 13.09.2020

Sprachpolitik bei der BundeswehrGendersternchen: Wegtreten!

Ein Kommentar von Klaus Pokatzky

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Eine Bundeswehrsoldatin ist schemenhaft hinter einem Flyer zu erkennen, auf dem steht: "Wir kämpfen für Freiheit, Sicherheit und Gleichberechtigung." (picture alliance/Paul Zinken/dpa)
Bei der Bundeswehr wird derzeit darüber diskutiert, ob weibliche Formen von Rangbezeichnungen eingeführt werden - unser Autor findet andere Probleme bei der Truppe drängender. (picture alliance/Paul Zinken/dpa)

Die Diskussion um das Gendern hat nun auch die Armee erreicht. Klaus Pokatzky hat nichts gegen Leutnantinnen und Majorinnen - auch wenn andere Themen eigentlich wichtiger seien. Sterne allerdings, findet er, gibt es bei der Truppe genug.

Gendersternchen: Stillgestanden! Verschone meine Bundeswehr. Sternchen sehe ich da genug. Und zwar sehr gerne. Aber hören möchte ich sie nicht auch noch; und Dich, Gendersternchen, schon gar nicht.

Die Sternchen sitzen bei uns auf der Schulter der Uniform – da, wo Sternchen hingehören. Die Uniform ist übrigens weiblich – zufrieden? Die Schulter vorher auch. Und die Bundeswehr sowieso; auch, wenn Frauen da in der Minderheit sind.

Nachdem damit hoffentlich Dein sprachliches Geltungsbedürfnis erst einmal befriedigt ist, reden wir jetzt Klartext. Verstanden, Gendersternchen?

Na bitte, geht doch!

Erst mal abwarten, wie die Ministerin entscheidet

Also, zum Mitschreiben: Wenn ein Einziges von Deiner Sternchen-Gattung auf der Uniform-Schulter wacht, dann heißt es bei meiner Truppe Leutnant – oder Leutnant zur See. In Zukunft vielleicht also für die Frauen Leutnantin – oder Leutnantin zur See. Die See!

Das Sternchen mit einem geflochtenen Kranz herum ist Major und in Zukunft möglicherweise auch Majorin. Nur bei drei Sternchen – egal, ob mit oder ohne Kranz – soll angeblich nicht gegendert werden: Da bleibt es beim Hauptmann und beim Oberst. Hat die Ministerin aber alles ja noch nicht entschieden; und die macht einen klugen Eindruck. Warten wir also mal ab, was aus dem wird, was die Medien jetzt so verbreiten. 

Vielleicht ist die wunderbare Anastasia dann irgendwann eben nicht mehr der erste weibliche Transgender-Kommandeur eines Bundeswehr-Bataillons – sondern die erste weibliche Transgender-Kommandeurin gewesen. Ihr Vorgänger als Bataillonsführer dort im brandenburgischen Storkow lebt übrigens in gleichgeschlechtlicher Partnerschaft.

Diskriminierungsschutz wie sonst nirgendwo

Für die Schwulen und Lesben in der Bundeswehr, für meine schwarzen und muslimischen und jüdischen Kameradinnen und Kameraden ist unendlich viel wichtiger als jedes Gendersternchen und jede weibliche Hierarchie-Benennung: Dass sie gegen Diskriminierung geschützt sind, wie bei keinem anderen Arbeitgeber in diesem Lande.

Wer sie mobbt oder diskriminiert, begeht nämlich einen klaren Verstoß gegen das Soldatengesetz. Paragraf 12 dort befiehlt kameradschaftliches Verhalten. Und dumme Sprüche gegen einen Schwulen oder Diskriminierung eines Schwarzen oder Benachteiligung einer Frau sind total unkameradschaftliches Verhalten – und die Vorgesetzten haben dagegen einzuschreiten und zur Not disziplinarische Maßnahmen einzuleiten.

Und sollte einer von ihnen so dumm sein, das nicht zu tun; dann können jeder Soldat und jede Soldatin ohne irgendeinen Dienstweg direkt eine Eingabe machen beim Wehrbeauftragten – jetzt bei der Wehrbeauftragten – des Deutschen Bundestages.

Dann erscheinen die Wehrbeauftragten-Leute in der Kaserne und machen dort ihre Befragungen mit einer solchen karrieregefährdenden Gründlichkeit und furchterregenden Autorität, dass jede Gleichstellungsbeauftragte in einem öffentlich-rechtlichen Sender und jedes Betriebsratsmitglied in einem privaten Unternehmen davon nur träumen können. Und der Kommandeur – oder in Zukunft eben die Kommandeurin – der Diskriminierung und Mobbing zugelassen hat, kann seine weitere Karriere an den Haken hängen. Weggetreten, Versager – oder in Zukunft eben: Versagerin!

Wenn schon, dann auch bitte Hauptfrau und Oberstin

Das ist für meine Kameradinnen und Kameraden von Bedeutung. Und für die, die Kinder haben, ist von Bedeutung, was getan wird, damit sie ihren Dienst möglichst familienharmonisch gestalten können.

Vor allem dann, wenn Papa oder Mama manchmal monatelang in einem Auslandseinsatz sind. Das interessiert sie. Und sie wären glücklich, wenn all das, was ich jetzt aufgezählt habe, die Medien auch so interessieren würde, wie ein "in".

Das "in" hinter der Hierarchiebezeichnung kann ja auch gerne eingeführt werden – ohne Dich, Gendersternchen. Aber dann will ich auch eine Hauptfrau und eine Oberstin sehen.

Aber vor allem will ich Dich nicht sehen. Gendersternchen brauchen wir wirklich nicht. Wir haben genug Sternchen.

Auf sprachliches Gesülze können wir da gerne verzichten: auf sprachliches Gesülze, das kaum korrekt ausgesprochen werden kann – und schon gar nicht im zackig-schnellen militärischen Kommandoton. Gendersternchen: Wegtreten!

Na bitte, geht doch.

Der Autor ist seit 25 Jahren Medientrainer bei der Bundeswehr.

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