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Aktuell / Archiv | Beitrag vom 14.01.2014

Sprachmissbrauch"Sozialtourismus" ist Unwort des Jahres

Jury verurteilt Stimmungsmache gegen Zuwanderer

Mit Scrabble-Steinen ist das Unwort des Jahres 2013 "Sozialtourismus" gebildet. (dpa/ Jens Büttner)
Mit Scrabble-Steinen ist das Unwort des Jahres 2013 "Sozialtourismus" gebildet. (dpa/ Jens Büttner)

Unwort des Jahres 2013 ist "Sozialtourismus". Die Jury begründete ihre Entscheidung damit, dass das Grundwort "Tourismus" suggeriere, die Zuwanderung aus Not sei "eine dem Vergnügen und Erholung dienende Reisetätigkeit".

In der Begründung heißt es weiter, dass einige Politiker und Medien mit dem Wort "Sozialtourismus" gezielt Stimmung gegen Zuwanderer gemacht hätten: "Dies diskriminiert Menschen, die aus purer Not in Deutschland eine bessere Zukunft suchen, und verschleiert ihr prinzipielles Recht hierzu".

Dabei stehe das Unwort des Jahres in Zusammenhang mit weiteren "Unwörtern", die zusammen die negative Stimmung gegen Zuwanderer beförderten. Dazu gehörten "Armutszuwanderung" sowie "Freizügigkeitsmissbrauch". Letzteres unterstelle Menschen, die die in der EU garantierte Reise- und Niederlassungsfreiheit nutzten, grundsätzlich kriminelles Verhalten.

Das Unwort des Jahres wird seit 1991 von einer unabhängigen Jury aus Sprachwissenschaftlern ausgewählt. Die Aktion soll den Blick auf "sachlich unangemessene oder inhumane Formulierungen" lenken.

Frühere Unwörter waren unter anderen "Döner-Morde" (2011), "Alternativlos" (2010) und "Notleidende Banken" (2008).

abu mit afpd und unwortdesjahres.net

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