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Nachspiel / Archiv | Beitrag vom 23.08.2015

Sportwissenschaftler Michael SauerDeutschland, Land der Freizeit-Doper

Thomas Wheeler im Gespräch mit dem Sportwissenschaflter Michael Sauer

Eine Arzthelferin zieht eine Spritze auf. (dpa / picture alliance / Klaus Rose)
Eine Arzthelferin zieht eine Spritze auf. (dpa / picture alliance / Klaus Rose)

Bei Freizeitwettbewerben ist die Einnahme von Stimulanzien und Zusatzpräparaten teilweise höher als im Leistungssport. Der Sportwissenschaftler Michael Sauer warnt: Die Ursache dafür liegt vor allem im Optimierungswahn unserer Gesellschaft.

Die Einnahme von leistungssteigernden Mitteln ist unter Freizeitsportlern weit verbreitet. Für den Sportwissenschaftler Michael Sauer vom Manfred-Donike-Institut für Dopinganalytik ist im Freizeitsport die Spannbreite der Nutzung von Medikamenten und Zusatzpräparaten viel größer als im Spitzensport. Freizeitsportler nähmen "alles Mögliche, gerade wenn es um Wettkämpfe geht", sagte Sauer im Deutschlandradio Kultur.

Als Beispiel nannte Sauer einen Freizeit-Wettbewerb: "Wenn man jetzt so einen Leichtathletik-Wettkampf nimmt, dann wird sicherlich alles mögliche da zu finden sein: von einfachen Schmerzmitteln, um extreme Belastung über lange Zeit hinweg aushaltbar zu machen und sicherlich werden es Substanzen sein, die den Körper aufputschen, also Stimulanzien." Auch kämen bei diesen Freizeitaktivitäten oft im Vorfeld Substanzen zum Einsatz, die den Trainingsreiz optimierten.

"Der Hang zur Optimierung ist da"

In Untersuchungen an seinem Institut habe Sauer festgestellt, dass vor allem in jenen Sportarten leistungssteigernde Substanzen zum Einsatz kämen, in denen die "Optimierung" messbar sei, also im Kampf gegen die Uhr oder einen direkten Gegner beispielsweise auf einer Strecke wie etwa einem Marathonlauf.

Weil es im Freizeitsport zum einen kein Regelwerk für Doping gebe und weil zum anderen hier der Besitz und der Erwerb leistungssteigernder Substanzen nicht eingeschränkt sei oder mit Strafen belegt werde, bekämen auch hier die Konsumenten, also die Freizeitsportler, nicht so leicht "vorgespiegelt: Das ist jetzt falsch", erklärte Sauer.

Die Ursache für diese immer stärkere Nutzung und Einnahme von Zusatzpräparaten und Medikamenten sieht Sauer in einer Art allgegenwärtigem Wettbewerb in unserer Gesellschaft: "Der Hang zur Optimierung ist da und auch zur Spezialisierung. Und damit kann ich mich letztendlich differenzieren."

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